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Probefahrt Das Drei-Liter-Auto von Porsche

 ·  Bei Porsche gab es in den vergangenen Jahren öfter mal was Neues: Nach einem SUV gab es mit dem Panamera eine familientaugliche Limousine, jetzt überraschen die Stuttgarter mit einem Hybrid-Modell in der Luxusklasse.

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© Hersteller Vergrößern Neue Motoren und neuer Anblick: Panamera II, hier der e-hybrid.

Was haben sich die Zeiten geändert. Stellte Porsche früher einen seiner neuen Sportwagen vor, ging es meist nur darum, wie schnell und wie stark er ist. Heute fragt man nach Reichweite oder Ladezeiten, und Porsche lädt zu einer Sparfahrt ein. Dabei waren sensationelle 1,4 Liter im Durchschnitt auf 100 Kilometer die Bestleistung, gefahren im neuen Panamera S e-hybrid. Gestartet wurde selbstverständlich mit voller Batterie, die eine rein elektrische Reichweite von 36 Kilometer hat. Die Strecke führte durchs bayrische Voralpenland.

Etliche Passagen bergab und eine sehr ehrgeizig-vorsichtige Fahrweise machten das Traumergebnis möglich. 3,4 Liter können wir aus eigener Erfahrung bestätigen. Im Alltag dürften es (ohne elektrische Fahrten) neun bis elf Liter werden, solange man nicht über die Autobahn jagt. Kollegen, die auf der Verbrauchsrunde (insgesamt 86 Kilometer) „einfach so“ fuhren, kamen auf 7,5 Liter im Schnitt, hatten aber auch die volle Batterie zu Beginn.

Porsche also bringt den neuen e-hybrid auf den Markt, die erste Limousine der Luxusklasse, die an der Steckdose geladen werden kann. Knapp vier Stunden dauert das Vollladen an einem gewöhnlichen Anschluss, knapp zweieinhalb mit Starkstrom. Ein Ladegerät (Foto), das für beides eingerichtet ist, wird mitgeliefert.

Das Motoren-Duo besteht einem 70-kW-Elektromotor, der solo Kraft genug hat, den Panamera bis auf 135 km/h zu beschleunigen. Soll es schneller gehen oder wird ein Zwischenspurt gewünscht, sorgt ein kräftiger Tritt auf das Gaspedal für das Beispringen des V6-Kompressormotors (3,0 Liter Hubraum), der 333 PS (245 kW) zu den 95 PS der E-Maschine beisteuern kann (Systemleistung: 416 PS/306 kW, 590 Nm Drehmoment ab 1250/min). Dann geht es in minimal 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und maximal hinauf bis auf 270 km/h.

Der Normverbrauch des e-hybrid beträgt 3,1 Liter, elektrische Strecken mit Null-Verbrauch werden im Zyklus berücksichtigt. Wichtig: Der V6-Motor kann die leere Batterie laden. Diese hat eine Kapazität von 9,4 kWh, sie sitzt unter dem Fahrzeugheck und schränkt das Ladevolumen ein. Statt 445 Liter hat ein Hybrid-Panamera nur 335 Liter Kofferraumvolumen. So viel Technik ist nicht billig, 110.409 Euro stehen für den e-hybrid in der Preisliste.

Der neue e-hybrid gehört zur Familie des Panamera II, der im Juli auf den Markt kommt. Porsche startet gleich mit zehn verschiedenen Modellen, es gibt fünf Motorvarianten, Allradantrieb und (ebenfalls neu) eine verlängerte Version, Exekutive genannt. Ein langer Panamera (zu haben als Turbo oder 4S) misst 5,16 Meter. Er ist 150 Millimeter länger, wobei davon 12 Zentimeter der Beinfreiheit auf der Rückbank und drei Zentimeter einem besseren Einstieg in den Fond zugute kommen.

Zehn Prozent der Panamera sollen Hybrid-Modelle sein

Im Panamera feiert zudem ein neuer 3,0-Liter-V6-Biturbo Premiere. 420 PS (309 kW) werden nun an die Hinterräder geschickt, statt 400 im „alten“ 4,8-Liter-V8. Der Normverbrauch wurde dennoch um 1,8 auf 8,7 Liter gesenkt.

Dieser und der leicht veränderte Basismotor (3,0-Liter-V6, 310 PS) können mit Allrad geliefert werden. Der schlichte Panamera ist für 83.270, mit Allrad für 88.513 Euro zu haben. Der S kostet 101.841 oder als 4S 107.196 Euro. Das eigentliche Basismodell (für 81.849 Euro) bleibt der Panamera Diesel mit seinem 3,0-Liter-Turbomotor, der bei gleicher Leistung (250 PS/184 kW) etwas sparsamer geworden ist und jetzt einen Normverbrauch von 6,3 Liter hat.

Auch am 4,8-Liter-V8 des GTS und des Turbo (440/520 PS oder 324/382 kW) haben die Porsche-Ingenieure gearbeitet, sie sind jetzt mit 10,7 und 10,2 Liter Kraftstoffbedarf angegeben. Der Turbo knackt mit einer Spitzengeschwindigkeit von 305 km/h als Einziger die Marke von 300. Mit 145.990 Euro und 163.364 Euro (lang) ist er auch der teuerste Panamera (GTS: 121.595 Euro). Nur im Diesel und im e-hybrid kommt eine automatische Achtgang-Tiptronic zum Einsatz, alle anderen Panamera übertragen die Kraft per PDK Porsche-Doppelkupplungsgetriebe, dessen sieben Stufen um virtuelle Zwischengänge erweitert wurden.

Porsche hat seine 2009 erstmals präsentierte Sport-Limousine so umfangreich überarbeitet, dass in Zuffenhausen von der zweiten Generation gesprochen wird. Von der ersten sind schon mehr als 100.000 Einheiten verkauft worden, das seien wesentlich mehr als erwartet. Ein Drittel der Panamera geht nach China, ein Viertel in die Vereinigten Staaten.

Den Anteil des Hybrid-Modells (bisher fünf Prozent, aber keine Plug-in-Möglichkeit, wesentlich schwächerer E-Motor und kleinere Batterie) will Porsche auf zehn Prozent steigern. Weiteren Schub für den Panamera erhofft man sich durch einen stärkeren Dieselmotor, der im kommenden Jahr das bisherige Aggregat ersetzt. Der Turbo S und der Turbo S Exekutive machen dann das Panamera-Dutzend voll.

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