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Veröffentlicht: 13.12.2010, 11:04 Uhr

Fahrtbericht VW Touran Fürstlicher Großraumtransporter

Von außen ist der quaderförmige VW Touran keine Schönheit. Dafür können bis zu sieben Personen komfortabel im Raumwunder verschwinden und den bissigen Antrieb genießen. Teuer wird es beim Blick auf die Aufpreisliste und an der Zapfsäule.

von Michael Kirchberger
© F.A.Z., Hersteller Fahrtbericht: VW Touran

Wer bei Volkswagen an den Golf denkt, der liegt so falsch nicht. Aber der meistverkaufte Kompaktwagen kommt relativ gesehen an den Erfolg seines voluminöseren Markenkollegen nicht heran. Der Touran ist der heimliche Star, mit 47 Prozent Anteil in seiner Klasse beherrscht er den Markt. Kein Wunder, dass Opel mit einem deutlich gewachsenen Meriva dem Wolfsburger Dauerbrenner etwas entgegensetzen will, bevor 2011 der neue Zafira kommt.

Die unlängst erfolgte Modellerneuerung beim VW Touran ist sehr verhalten ausgefallen. Größte Aufmerksamkeit erzeugen die neuen Motoren: Allen voran ein doppelt aufgeladener TSI-Benziner mit nur 1,4 Liter Hubraum, der es auf 103 kW (140 PS) bringt. Bei der feinsten Ausstattungslinie Highline wird der Kunde allerdings kräftig zur Kasse gebeten, 28.625 Euro verlangt VW für die fünfsitzige Basisversion.

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Design Außen
Einen fast quaderförmigen Kompaktvan zu renovieren ist für Designer keine leichte Aufgabe. Schließlich folgt hier die Form der Funktion, und die ist in kaum einer anderen Autoklasse ein so wichtiges Kaufargument wie bei den kompakten Raumwundern.

Deshalb ragen die Seitenwände so steil auf wie die Eigernordwand, und bei der kaum minder vertikal ausgerichteten Heckklappe wird kein Quentchen Innenraumvolumen verschenkt. Die kantigen Rückleuchten passen gut dazu, der Kühlergrill orientiert sich als einziges Stilelement eher horizontal und macht den Kompaktvan optisch breit. Brav ordnet sich der Touran jetzt in die neue VW-Designlinie ein.

Infografik / Fahrtbericht VW Touran NEU © F.A.Z. Vergrößern

Design Innen
Innen geht es klar und sachlich weiter: Griffsympathische Materialien überall, das dominierende Grau lässt sich mit dem Dekor-Paket aus Aluminium-Verkleidungen für 96 Euro aufpeppen. Das Armaturenbrett wirkt sauber und aufgeräumt, alle Bedienelemente finden sich am gewohnten Platz und machen kein Geheimnis aus ihren Funktionen.

Sicht und Navigation
Für den Fahrer ist die 4,40 Meter lange Karosserie sehr unübersichtlich. Das Blickfeld wird nicht von der Motorhaube begrenzt, sondern vom unteren Rand der Frontscheibe. Der Bug des Touran verliert sich im Nirvana, die Außenspiegel sind viel zu klein. Gut, dass es Sensoren gibt, die beim Einparken helfen. Das Rückwärtsrangieren erleichtert eine Rückfahrkamera, die ihre Bilder auf dem Farbmonitor der Mittelkonsole wiedergibt. Der aber ist zu weit unten installiert, und das stört auch beim Navigieren. Der Monitor zeigt die Wegweisung zwar zuverlässig, aber leider am unpassenden Ort an.

Das „Park-Paket“ kostet akzeptable 265 Euro, das Navigationssystem samt Audio-Anlage jedoch stolze 2005 Euro. Dazu gibt es wahlweise eine DVD mit Kartographie von West- oder Osteuropa.

Platzangebot
Die Platzverhältnisse im Innenraum sind fürstlich. Im Fond ist selbst ein dritter Mitfahrer auf dem Mittelsitz gut untergebracht, vorn wird Großzügigkeit in allen Dimensionen geboten, dazu eine feine Justierungsmöglichkeit der bequemen, lederbezogenen Sessel. Zusammen mit dem horizontal und in der Tiefe verstellbaren Lenkrad ist eine optimale Position schnell eingestellt, für Bequemlichkeit ist die ebenfalls verstellbare mittlere Armlehne da, die obendrein ein praktisches Ablagefach abdeckt. In Kurven halten die ausgeprägten Sitzflanken Schultern und Hüften des Fahrers am Platz, fast zartfühlend drücken sie ihn in die richtige Position.

Dritte Sitzreihe
Auf Wunsch wird der Touran mit einer dritten Sitzreihe ausgestattet. 705 Euro kostet die zweiteilige Bank, die allerdings nur dem Nachwuchs annehmbaren Sitzkomfort bietet. Zu gering ist der Abstand zwischen Boden und Sitzfläche, Erwachsene können nur mit arg angewinkelten Beinen Platz nehmen.

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