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Fahrtbericht: Volvo V70 D5 Der konsequenteste Kombi der Welt

Nirgendwo wird der Kombi-Gedanke so intensiv gepflegt wie im nördlichen Skandinavien. In der neuen Generation ist er lebendiger denn je und seine Stärke, der reichliche Platz, wird komfortabel umgesetzt. Boris Schmidt hat den Volvo V70 gefahren.

© Hersteller Fahrtbericht: Volvo V70 D5 Summum

Wir leben in einer Freizeitgesellschaft. Und wer oft viel unternimmt, will oft viel mitnehmen. Deshalb sind Kombis so gefragt: Ins hohe Heck passt einfach mehr rein, und bei umgelegter Rückbank fährt man beinahe einen Kleintransporter. Zudem sind Limousinen für viele Menschen spießig.

Frank Boris Schmidt Folgen:

Das ist ein Glück für Volvo. Man gilt als die Kombi-Marke schlechthin, seit mehr als 50 Jahren widmet man sich dem Thema, sogar zweitürige Kombis hatte man im Programm (Schneewittchensarg Anfang der Siebziger).

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Der V70 ist der Ururenkel des seligen Duett von 1956, nur er trotzt hierzulande in der oberen Mittelklasse wenigstens ansatzweise der deutschen A6-5er-E-Klassen-Phalanx. Von den 12 Prozent Kunden, die im Segment kein deutsches Auto kaufen, fängt Volvo mehr als die Hälfte. Mit der neuen Generation, die seit September auf dem Markt ist, wird sich daran nichts ändern.

Infografik / Fahrtbericht / VolvoV70 © F.A.Z. Vergrößern

Von deutschen Herstellern abgrenzen

Ähnlich groß wie bei den deutschen Herstellern ist die Auswahl an Motoren: Sieben verschiedene stehen zur Wahl (zum ersten Mal auch Sechszylinder), drei sind Selbstzünder, auch Allradversionen gibt es. Volvo bedient jene Kunden, die nach einem qualitativ hochwertigen, praktischen Auto suchen und sich bei den deutschen Herstellern nicht heimisch fühlen oder sich bewusst davon abgrenzen.

Die Redaktion nahm jetzt den stärksten der V70-Diesel genauer unter die Lupe, der aus 2,4 Liter Hubraum (verteilt auf fünf Zylinder) 136 kW (185 PS) holt und ein beachtliches Drehmoment von 400 Newtonmeter aufweisen kann. Doch einem Kombi sollte man zunächst unter die Klappe schauen, nicht unter die Haube.

Vorbildlich aufgeräumter Laderaum

Dass sich die weit nach oben öffnende Heckklappe elektrisch aus der Ferne öffnen lässt, ist durchaus von Vorteil und kein überflüssiger Luxus. Es wartet ein vorbildlich aufgeräumter Laderaum auf seine Bestimmung: das rechnerische Volumen beträgt bis zur Sichtkante 575 Liter, und wer bis oben packt, kann rund 1000 Liter verstauen.

Dank eines festen Gitters (200 Euro Aufpreis im erweiterten Cargofix-Paket), das sich bei Nichtgebrauch platzsparend nach oben unters Dach wegschwenken lässt, kann man das auch bedenkenlos tun. Laderaumschienen und -abdeckung, Befestigungspunkte, Verzurrösen, einen abschließbaren Laderaumboden sowie eine Möglichkeit, den Gepäckraum zu teilen, haben alle V70. In den Boden passt noch einiges an Kleinkram, selbst wenn man das aufpreisfreie Notrad statt eines Reifendichtmittels bestellt.

Topfebene Ladefläche

Klappt man die Lehnen der Rückbank um, entsteht eine topfebene Ladefläche von fast zwei Meter Länge. Dass die Lehne im Verhältnis 40/20/40 geteilt ist, schafft eine größtmögliche Flexibilität, zumal sich für extralange Güter auch noch die Lehne des Beifahrersitzes nach vorne legen lässt.

Das Umlegen der Lehnen ist im Nu geschehen, das Aufrichten auch. So muss es sein. Die maximale Ladekapazität beträgt im Übrigen 1600 Liter. Dass die deutschen Autos hier um Nuancen besser sind, erachten wir als unerheblich.

Kühler skandinavischer Flair

Um eben gegen die Avants, Tourings und T-Modelle dieser Welt bestehen zu können, bietet Volvo eine Innenarchitektur auf, die sich deutlich von der vornehmen deutschen Gediegenheit absetzt. Es ist das oft zitierte kühle skandinavische Flair, das den V70 so anders macht.

Hölzer und Aluminium-Applikationen werden geschickt eingesetzt, die Mittelkonsole schwebt geradezu im Raum und schafft so noch eine weitere Ablage hinter ihr. Lederpolster sind in der Ausstattungslinie „Summum“ (und bei „Momentum“) serienmäßig, welche die beste von drei verschiedenen ist (die Basis heißt „Kinetic“).

Auch Volvo kann sich der Mode mit dem Startknopf leider nicht entziehen. Dass das Navigationssystem (2410 Euro) mittels eines versteckten Schalters am Lenkrad zu bedienen ist, muss man einfach wissen. Wenn man es weiß, ist es praktisch, wie der V70 ohnehin durch viele intelligente Detaillösungen glänzt. Der kleine Monitor kann im Armaturenbrett verschwinden, auch das hat uns gefallen.

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