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Fahrtbericht Lancia Thema Schon heute ein Klassiker der Moderne

Der Fiat-Konzern hat Chrysler übernommen und aus dem 300 C wurde der neue Lancia Thema. Den Traditionalisten ist das ein Frevel, aber das Auto ist ein Geheimtipp für Genießer.

© Hersteller, F.A.Z. Vergrößern Fahrtbericht Lancia Thema: Schon heute ein Klassiker der Moderne

Vincenzo L. war ein forscher Rennfahrer auf Fiat, und er gab den ingenieusen Nobelautos von Lancia seinen Namen. Die Marke reifte zu altem Adel heran, wurde von Berühmtheiten gefahren und existierte mit einer gewissen Würde am fortschrittlichen Rand des Exzentrischen.

Dann streifte Lancia seinen nostalgischen Mantel der alten Werte ab, beerdigte ohne große Trauerreden den heißspornigen Delta Integrale, lud mit den Oberklassetypen Thesis und Kappa zur Abschiedsparty für die Marke ein und kümmerte fortan mit dem schmalbrüstigen Ypsilon und dem jederzeit deplaziert wirkenden Delta der neuen Machart vor sich hin.

Fiat, die große Mutter der italienischen Autoindustrie, alimentierte Lancia über viele Jahre hinweg und vermählte sich jetzt mit Chrysler. Deshalb ist der Lancia Thema wieder da, und wir erinnern uns gern an das kastenförmige Original.

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Es kam irgendwann Ende der achtziger Jahre als Testwagen über uns, mit der unglaublichen Sensation, einen V8 von Ferrari unter der Haube zu haben: Ferrari und Frontantrieb in einer vergleichsweise biederen Limousine! Das Ding hieß 8.32, knurrte sich ohne Zögern bis an die 250 km/h heran, und wir trieben auf der A5 Richtung Basel (damals noch ohne Tempolimit) einen Porsche-Fahrer in eine schwere Depression. Das Autoleben hält auch schöne Erlebnisse bereit.

Um die Frage, ob dieser neue Thema nun mehr Lancia ist oder eine zu hohe Restmenge vom fast zehn Jahre alten Chrysler 300 enthält, mögen sich Feuilletonisten streiten. Hier geht es um das Auto, und das ist gut so.

Motorenauswahl

Auf dem deutschen Markt gibt es drei Motor- und drei Ausstattungsversionen, alle mit Automatik und Hinterradantrieb, wie es sich für eine Limousine der alten Schule gehört. Zwei der Triebwerke kommen aus der Dieselfraktion, beides V6-Aggregate italienischer Herkunft mit identischem Hubraum, aber unterschiedlicher Leistung.

Der einzige Benziner ist ein Chrysler-V6 aus der pensionsreifen Pentastar-Familie, die mächtigen Hemi-V8 wurden für den Lancia nicht übernommen. Dafür kann man beim Blick auf die Verbrauchswerte durchaus Verständnis aufbringen. Die Basisversion heißt „Gold“ und ist mit 41.400 Euro eine Offerte, die nur den Nachteil hat, dass sie laut Preisliste „voraussichtlich“ erst vom zweiten Quartal 2013 an ausgeliefert wird.

Das von uns gefahrene Exemplar kam mit der stärkeren Dieselversion und der Top-Ausstattung „Executive“ die einen kleinen Malus hat: Es gibt kaum Extras, das Glasdach kostet 1350 Euro, ein Notrad statt des Reparaturkits ist mit 90 Euro zu honorieren. Für 50.900 Euro kommt eine mit allen Luxusdetails überbordend ausstaffierte Limousine: So sieht ein Sonderangebot aus. Skeptisch stimmt nur die Tatsache, dass im Internet der Lancia Thema rund 10.000 bis 15.000 Euro unter dem Listenpreis offeriert wird.

Design

Der neue Thema ist der mächtigste Lancia seit der Flaminia Berlina aus dem Jahr 1970. Das Thema-Kleid ist natürlich der Anzug des Chrysler 300, kleinere Änderungen am Kühlergrill und die Typenschilder sind dennoch nicht zu übersehen, und wer den Flaminia kennt, wird überrascht sein: Der neue Thema nimmt dessen präsidiale Präsenz und würdevolle Arroganz auf, als habe es den Chrysler 300 nie gegeben.

Die Fünf-Meter-Limousine beeindruckt mit ihrer geduckten Körperhaltung, die Scheiben sind durchweg sehr niedrig (Panzerknacker-Taxi), und die Übersichtlichkeit sollte besser sein.

Innenraum

Das Auto bietet viel Raum für Passagiere und Gepäck, hält bequeme, vielfältig mit elektrischer Hilfe zu verstellende Sitze bereit, Verarbeitung sowie die Materialwahl sind auf dem Niveau der deutschen Oberklasse.

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