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Veröffentlicht: 02.12.2008, 11:07 Uhr

Fahrtbericht Citroën C5 Tourer Vom Genuss, vernünftig zu sein

Citroën war früher die Marke der Nonkonformisten, der Andersdenkenden. Heute baut man Autos wie den C5 Tourer HDi 110 Confort. Sie sind für den Massengeschmack, mit kleinem Motor und mit Stahlfedern. Pourquoi pas?

© F.A.Z., Hersteller Fahrtbericht: Citroën C5 Tourer

Ja, warum nicht? Der Erfolg gibt der Schwestermarke von Peugeot, die im nächsten Jahr 90 Jahre alt wird, recht. Vom winzigen C1 bis zur Großraumlimousine C8 reicht das Portfolio, inklusive der Nutzfahrzeuge gibt es 24 verschiedene Modelle mit dem Doppelwinkel.

Frank Boris Schmidt Folgen:

Nur wenige davon – wie die große Limousine C6 oder das Pluriel-Cabriolet – weichen deutlich vom Mainstream ab. Längst hat man bei Citroën erkannt, dass man nur mit Extravaganz auf dem Markt keine Chance hat.

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Ein bisschen anders sein

Dennoch, ein bisschen anders als die anderen will man nach wie vor sein. Die Mittelklasselimousine C5 gibt es als schicke Limousine mit Stummelheck und als konventionell gestalteten Kombi, in den jeweiligen Basisversionen verzichtet man erstmals auf die in einem großen Citroën sonst stets obligatorische hydropneumatische Federung. Außerdem haben diese Modelle eine herkömmliche Handbremse und keine neumodische elektrische.

Infografik / Citroen C5 Tourer HDi 110 Confort © F.A.Z. Vergrößern

In Zeiten, in denen es ums Maßhalten geht, ist dieses technische Abspecken zu begrüßen, ob aber ein schmalbrüstiger 1,6-Liter-Motor mit „nur“ 80 kW (109 PS) genügt, einen gut 1,6 Tonnen schweren und 4,83 Meter langen Wagen angemessen zu bewegen? Immerhin lässt das Drehmoment des Common-Rail-Dieselmotors von 240 Newtonmeter nicht das Schlimmste befürchten.

„Komfort“ auf Französisch

Der Basis-Benziner hat 1,8 Liter Hubraum, 92 kW (125 PS) und nur 170 Nm Drehmoment. Er ist 1700 Euro günstiger als der Basis-Diesel, der Kombi wiederum ist 1100 Euro teurer als die Limousine. In der zweiten von vier Austattungsstufen (Confort, so heißt „Komfort“ auf Französisch) stehen 26.850 Euro für den Diesel in der Preisliste.

Für einen 4,80-Meter-Kombi ist das gewiss nicht viel, eine etwas schmalere C-Klasse aus dem Hause Mercedes-Benz kostet als T-Modell mehr als 36.000 Euro (aber zwei Liter Hubraum, 100 kW/136 PS). Da nehmen wir gerne Stahlfedern, die Seilzug-Handbremse und ein Fünfgang-Schaltgetriebe in Kauf. Im Übrigen ist ein C5 Tourer mit 2-Liter-Diesel und 103 kW, 6 Gängen und Hydropneumatik mit 28.800 Euro nicht wesentlich teurer.

Aber schon von diesem Triebwerk war die Redaktion im Großen Fahrtbericht zur Limousine (5. August) nicht begeistert: „Dennoch würden wir diesen Motor ... nicht für den C5 empfehlen. Trotz 320 Newtonmeter Drehmoment wirkt das Auto nämlich in vielen Situationen recht hilflos und lässt sich dann nur durch konsequentes Herunterschalten dem Verkehrsfluss anpassen.“

Reichweite beträgt mehr als 800 Kilometer

Das „Dennoch“ zu Beginn des Satzes bezog sich auf den „fast sensationellen Durchschnittsverbrauch“ von 7,4 Liter Diesel im Schnitt auf 100 Kilometer. Nun, dieses Ergebnis kann der kleinere Motor noch toppen: 7,1 Liter waren es. Die Reichweite mit dem 71-Liter-Tank beträgt somit weit mehr als 800 Kilometer.

Selbstverständlich ist dieser C5 kein Rennwagen. Aber man kann durchaus mit ihm leben, wenn man keine großen Ansprüche ans Beschleunigungsvermögen stellt. 14,2 Sekunden dauert der Spurt von 0 auf 100 km/h. Das mag heutzutage viel sein, doch noch vor 20 Jahren benötigten Mittelklasse-Diesel 20 Sekunden, und niemand ist an akuter Langeweile verschieden.

Vorbildliche Windschlüpfrigkeit

Und der Citroën schafft auf der Autobahn aufgrund seiner vorbildlichen Windschlüpfigkeit immerhin fast 190 km/h. Wie hieß es schon im August: „Paradedisziplin des Citroën ist die schnelle Autobahnreise: Hier fühlen sich Auto und Fahrer wohl, und zur stressfreien Fahrt trägt das fast völlige Fehlen von Windgeräuschen bei.“ Auch der kleine Motor bleibt erstaunlich leise.

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