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Fahrtbericht BMW 750i Die lautlose Welt von Schmalz und Schmelz

Die große Limousine ist im Wandel. Statt Prunk und Prestige führt sie elitären Komfort heran. Der große BMW reift zur Kultstätte einer genießerischen Mobilität.

© Hersteller, F.A.Z. Fahrtbericht BMW 750i: Die lautlose Welt von Schmalz und Schmelz

Vor zehn Jahren gab es Sturm im bayerischen Wasserglas. Das wulstig-wuchtige Design des damals neuen Siebeners von BMW verstörte. Viele Kunden blieben ihm fern. Aber der Sturm legte sich, und sie kehrten zögernd zu der seit Herbst 2008 auf Kiel gelegten nächsten Generation zurück.

Wolfgang Peters Folgen:

Der straffere und bis in den hintersten Winkel mit delikaten Empfindungen aufwartende Siebener ist wieder Ausdruck höchster BMW-Entzückung, allerdings glänzt er nicht mehr als Alleinherrscher in der weiß-blauen Herrlichkeit. In seiner BMW-Welt sind etliche hauseigene Rivalen aufgekommen, die ihm dekadent, unpraktisch und erfolgreich (Gran Coupé) oder deplaziert, unpraktisch und erfolgreich (X6) die Schau stehlen.

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Und eine Etage unter dem Siebener sägt ein kaum weniger eindrucksvoll konzipierter Fünfer am Thron. Wer allerdings finanziell frei aufspielen kann und die Freiheitsgrade einer unaufgeregten Limousine dieser Art schätzt, wird mit einer leichten Geste der Großzügigkeit nach dem 750i greifen.

Preise

Jetzt wollen wir uns aber nicht mit Geld aufhalten, sondern nur ein wenig über den Preis der Liebe zum großen BMW jammern. Vor zehn Jahren kam der dicke 745i mit seinem 4,4-Liter-V8 noch auf schlanke 72.500 Euro. Heute sind für den 750i mit seinem (neuen, doppelt aufgeladenen und stärkeren) 4,4-Liter V8 breite 96.000 Euro fällig.

Natürlich kann die jetzige Ausführung (fast) alles besser, und überhaupt ist doch alles teurer geworden, man sollte sich an die satteren Summen gewöhnt haben. Zumal es doch den 740i gibt, der kommt schon für 80.700 Euro, und der 730d mit sparsamerem Diesel steht für phantastische 74.900 Euro in der Liste. Aber wir wollen nicht kleinlich klagen, wo sich der Tarif für unseren Testwagen doch irgendwo bei 120.000 Euro bewegte. Auch Kleinigkeiten kosten, wer in seinem Siebener seine in Bayern beliebte Virginia schmauchen möchte, der darf das „Raucherpaket“ ankreuzeln und dafür mitten im Luxus noch 50 Euro blechen.

Motorleistung

Doch die famose Achtgangautomatik und das sanft pochende V8-Herz der bayerischen Fahrkultur sind natürlich serienmäßig. Und die dahinter tätige Elektronik. Sie ist Fluch (wegen der überbordenden Infoangebote) und Segen. Besonders im BMW, weil die Bayern einst Vorreiter waren beim Vertrauen auf Schaltkreise und Halbleiter und ihre steuernden, helfenden und eingreifenden Funktionen.

Aber das zahlt sich jetzt im Siebener aus: Der samtige Ottomotor erhebt Laufkultur zur Lebenskunst. Er demonstriert mit kontinuierlicher Kraftentfaltung, der Abwesenheit störender Vibrationen und der Abgabe feinster Jodel-Töne die Berechtigung der Absage an einen (keineswegs unkultivierten) Diesel im Siebener. Die bayerische Kulturfrage entscheidet (in dieser Klasse) noch immer der Benziner-V8 für sich.

Infografik / Fahrtbericht / BMW 750i © F.A.Z. Vergrößern BMW 750i

Ganz nebenbei vermittelt er jenen Hauch spielerischer Sportlichkeit, die zu BMW gehört wie der Hosenträger zum hirschledernen Beinkleid. Drehfähigkeit und Durchzugsvermögen verbinden sich zu einer feinmotorischen Leistung, die auf dem Niveau des weiterhin offerierten Sechs-Liter-Zwölfzylinders liegt.

Getriebe

Eine fördernde Rolle hat in dem Kulturabkommen des 750i die Achtgangautomatik übernommen. Weiche, kaum noch zu bemerkende Schaltvorgänge auch unter Last und die Bereitschaft, jederzeit mit einem niedrigeren Gang einen Leistungsschub abzurufen, sind ihre Kerneigenschaften. Mechanische Geräusche sind weder vom Triebwerk noch vom Getriebe zu vernehmen. Dessen Wählhebel hält sich wieder in der Mittelkonsole auf, der Irrweg des Schiebeschalters im Stock an der Lenksäule wurde wieder verlassen. Konstant angenehm arbeitet die Lenkung, präzise und mit der richtigen Portion an Unterstützung.

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