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Veröffentlicht: 05.07.2014, 13:32 Uhr

Fahrbericht Renault Zoé Intens Von Grund auf rein

Auffallen oder nicht, das ist des Elektrikers Frage. Renault wählt eine Mitte, die sich bis jetzt nicht als golden darstellt. Dabei macht der Zoé trotz einiger Nachlässigkeiten eine erfreulich gute Figur.

von Michael Kirchberger
© F.A.Z., Hersteller Fahrbericht: Fahrbericht Renault Zoé Intens

Preisfrage: Wie viele Elektroautos sind mittlerweile im Angebot? Die Dame, die mit ihrem Kleinwagen die Ladesäule blockiert, meint: „Ich dachte, es gibt noch gar keine.“ Viele andere sagen: eins. Und meinen damit den i3 von BMW. Die Bayern haben es mit ihrer genialen Öffentlichkeitsoffensive geschafft, als Pionier wahrgenommen zu werden, obgleich sie wahrlich nicht als Erster auf der Party erschienen sind. Vielleicht zwei, da ist ja noch dieser Tesla aus Amerika. Und sonst? Nissan, Mitsubishi und Renault könnten einem einfallen.

Von Anfang an Elektroauto

Die Franzosen haben gar schon eine elektrische Kleinfamilie im Angebot, die vom witzigen Twizy-Roller bis zum unter Strom stehenden Paketboten reicht. Für Otto Normalpendler ist der Zoé im Haus, etwa so groß wie der Clio, eigenständig im Design, aber nicht so ausgefallen, dass sich jeder nach ihm umdreht. Von Anfang an als Elektroauto konzipiert, sollte der Zoé im Herzen jener Strategie von Konzernchef Carlos Ghosn stehen, die dem Elektroauto eine grandiose Zukunft voraussagte. Nun, von der Strategie ist nicht mehr so sehr viel zu hören, die Zukunft dauert vielleicht doch etwas länger, und wie man an dem neuen Twingo sieht, hat Renault Stärken, die es nicht leichter Hand zu verschenken gilt. So gerät der gerade erst auf die Welt gekommene Zoé etwas in den Hintergrund, womit man ihm Unrecht tut.

Batterie zum Mieten

Er ist ein sympathischer Kerl, 4,09 Meter lang und 23 500 Euro teuer. Die Batterie wird nicht gekauft, sondern gemietet, sie kostet je nach Vertragsdauer mindestens 49 Euro im Monat, dann läuft der Vertrag 48 Monate und es dürfen jährlich nicht mehr als 5000 Kilometer gefahren werden. Eine realistischere Distanz lässt sich mit Tarifen um 100 Euro erreichen. Die Karosserie ist knuffig, vier Türen gibt es und blau eingefärbte Scheinwerfereinheiten. Damit hebt sich der Elektro-Renault gebührend von seinen knatternden Kollegen ab. Das macht er beim Fahren sowieso. Auf leisen Sohlen schleicht er bis 30 km/h heran; um Radfahrer und Fußgänger aufmerksam zu machen, lässt die Elektronik bis zu diesem Tempo ein sphärisches Schwirren erklingen.

Kurzstreckenläufer

Sein Revier ist die Stadt. Museumsbesuch, die Fahrt zur Amtsstube oder ins Einkaufszentrum, das klappt alles vorzüglich. Weiter darf sich wagen, wer sich in Verzicht übt. 210 Kilometer schafft der Zoé im besten Fall. Das heißt: Eco-Modus ein, Klimaanlage aus, möglichst nicht bei Dunkelheit fahren, um den Strom für die Beleuchtung zu sparen. Natürlich muss regelmäßig nachgeladen werden, wofür Renault anfangs allein die spezielle Wallbox-Ladesäule in der heimischen Garage vorgesehen hatte. Das war eine Fehleinschätzung, denn obwohl die Box erste Wahl ist und die meisten Kunden nie unterwegs laden, möchten sie die Rückversicherung an Bord haben.

Lademöglichkeiten

Nun haben die Franzosen ein Kabel für den 230-Volt-Anschluss nachgereicht, was sie allerdings nur als Notladekabel verstanden wissen wollen und mit 599 Euro zudem prohibitiv einpreisen. Das verstehe, wer will. Andererseits sind die avisierten zehn bis 16 Stunden Ladezeit ohnehin nichts für das schnelle Laden zwischendurch. Dafür sind Schnellladestationen zuständig, die nach unserer Erfahrung häufig besetzt, defekt oder wegen anderer widriger Umstände nicht nutzbar sind. Und es gibt noch zu wenige. Schneller geht es mit der festinstallierten Station. Sechs bis neun Stunden dauert das Stromtanken damit.

Gutes Informationssystem

Die neue E-Welt setzt sich im Innenraum fort, der trefflich mit dem futuristischen Äußeren korrespondiert. Eine digitale Anzeigetafel weist die Geschwindigkeit und den Ladezustand des Akkus aus. Pfeile signalisieren, ob Energie verbraucht oder beim Verzögern zurückgewonnen wird. In der Mitte thront der berührungssensitive Monitor für Bordcomputer und Navigationssystem, beide Informanten gehören zur Serienausstattung. Der Bildschirm ist an Multifunktionalität kaum zu übertreffen, stellt auf Wunsch die Effizienz der Fahrweise dar, unterstützt den Chauffeur also im Bestreben, mit einer Batterieladung möglichst weit zu kommen, oder zeigt die speicherbaren Verbrauchswerte der gerade beendeten Fahrt an.

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