http://www.faz.net/-gy9-8vl20
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 10.03.2017, 10:57 Uhr

Fahrbericht Honda X-ADV Auf den Spuren von Mister X

Ein Rätsel bewegt die Zweiradwelt: Was hat sich Honda beim X-ADV gedacht? Drehen wir eine Runde, um es herauszufinden.

von
© Hersteller Auch stehend zu fahren: Honda X-ADV

Auch bei einem weltumspannenden Industriekonzern geht es nicht immer nur rational und streng nach Plan zu, nicht einmal bei einem japanischen. Da fuhr eines Tages Daniele Lucchesi auf einem Mietroller über die Kykladen-Insel Ios, um seiner Herzensdame, die auf dem Rücksitz saß, den idyllischen Lieblingsstrand seiner Jugendjahre im Sonnenuntergang zu zeigen. Zu einem sympathischen Mann wie Daniele Lucchesi, der nicht nur gern musiziert und Pizza zubereitet, sondern auch eine romantische Ader zu haben scheint, kann man eine Frau wohl nur beglückwünschen. Doch leider verlief der Ausflug nicht so harmonisch wie erhofft. Die unbefestigte Piste zum Strand von Manganari war in einem derart desolaten Zustand, dass die Fahrt mit dem Scooter zur Tortur und vom Rücksitz her Unmut laut wurde.

Walter Wille Folgen:

An jenem holprigen Tag begann in Lucchesi der Gedanke zu rumoren an ein neuartiges Fahrzeug, das es besser können sollte als die Mietnudel von Ios und überhaupt jeder existierende Motorroller. Lucchesi, Produktstratege in Hondas italienischem Entwicklungszentrum Atessa nahe Rom, scharte halboffiziell ein paar Mitstreiter um sich, darunter den Honda-Designer Maurizio Carbonara, bat zum gemeinsamen Brainstorming in einem klösterlichen Anwesen bei solidem Essen in legerer Atmosphäre. Es wurde munter diskutiert und skizziert. Dann stand der Hobbykoch aus Rom noch vor der Aufgabe, den Entscheidungsträgern des weltumspannenden Konzerns die Sache schmackhaft zu machen, was nicht einfach war. Denn das Konzept war ein verwegenes. So eine Art Pizza mit allem.

45229234 238-Kilo-Fahrzeug mit relativ langen Federwegen © Hersteller Bilderstrecke 

Schwer zu sagen, worum genau es sich eigentlich handelte. Scooter? Straßenmotorrad? Enduro? Von allem etwas. Kenichi Misaki, leitender Honda-Ingenieur im fernen Japan, erschrak beim ersten Blick auf die Entwürfe. „Ich dachte: Was soll das denn?“ Aber am Ende bekam Lucchesi, nennen wir ihn Mister X, freie Fahrt für sein Projekt X-ADV. In diesen Tagen beginnt die Auslieferung des Serienprodukts. Im Rollerreich Italien, dem voraussichtlich wichtigsten Markt dafür, wird der X-ADV vorwiegend als Roller beworben, im von Scooter-Skeptikern besiedelten Deutschland eher als Motorrad. Beides hat seine Berechtigung.

Honda spricht von einer neuen Gattung, einem Crossover mit Abenteuer-Geschmack. Das SUV auf zwei Rädern, angetrieben von einem 745-Kubik-Reihenzweizylinder mit 55 PS, bedient sich der technischen Basis der NC-Baureihe, zu der verschiedene Motorradtypen und das Modell Integra gehören. Roller im Geländelook wäre keine ausreichende Beschreibung für den X-ADV. Im Rahmen montierter Motor, Schwinge und (rundum gekapselte) Antriebskette weisen auf ein Motorrad hin, 17-Zoll-Vorderrad und wuchtige USD-Gabel gleichfalls. Wer den X-ADV erklimmt, schwingt — etwas beschwerlich — das Bein nach Motorradmanier über den Sattel, denn für einen Roller ist der Durchstieg zu hoch. Dagegen stammen Sitzhaltung und Trittbretter eindeutig vom Roller. Ebenso das beleuchtete Helmfach unter der Bank. Um Platz zu schaffen für den Stauraum, wurde das Hinterrad von 17 auf 15 Zoll geschrumpft. Ein voluminöser Endurohelm passt hinein.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite

Augenblick mal

Von Lukas Weber

Im Verbund mit der Kameraüberwachung erlaubt der Datenabgleich bald die lückenlose Dokumentation, wer wann wo gewesen ist. Da wollen wir mal hoffen, dass keiner die Datenbank hackt. Mehr 2 2

Hinweis
Die Redaktion