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Veröffentlicht: 17.05.2017, 10:34 Uhr

720 S Coupé von McLaren Schall und Rauch

In der Formel 1 läuft es für McLaren zur Zeit überhaupt nicht. Umso besser verkaufen sich die Sportwagen aus Woking. Der neueste Streich ist das 720 S Coupé.

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© Hersteller Komm, tanz mit mir: Der neue McLaren 720 S auf der Rennstrecke in Vallelunga bei Rom

Da sage einer noch, Engländer könnten keine erfolgreichen Autos bauen. McLaren aus Woking bei London macht vor, wie es geht, und das ohne deutschen oder indischen Mutterkonzern im Hintergrund. McLaren Automotive, gegründet 2010, hat kürzlich den Sportwagen Nummer 10000 gefeiert. Schon 2013, im dritten Produktionsjahr, wurden schwarze Zahlen erreicht, und der jährliche Ausstoß aus der Fabrik in Woking steigt und steigt. 2015 waren es gut 1600 Einheiten, im vergangenen Jahr dann schon 3200, dieses Jahr rechnet man mit 4000. Das Ziel sind 5000 McLaren. Ein Massenprodukt sollen die meist in McLaren-Orange gehaltenen Flitzer allerdings nicht werden.

Frank Boris Schmidt Folgen:

Von ungefähr kommt der Erfolg der Briten freilich nicht, ohne das Formel-1-Engagement von McLaren (seit 1964) gäbe es die Sportwagen nicht. Lange Jahre war der Daimler-Konzern an McLaren beteiligt (mit bis zu 40 Prozent), 2010 erfolgte der Ausstieg „in Freundschaft“. Heute gehört McLaren Automotive mehrheitlich zu einer Holding aus Bahrein (55,5 Prozent); die TAG Group (Luxusuhren, Brillen) und Ron Dennis halten elf beziehungsweise zehn Prozent, dazu kommen vier weitere Anteilseigner mit Anteilen im einstelligen Prozentbereich.

46402338 Die Türen öffnen mechanisch nach oben. Das ist jedes Mal eine Schau. © Hersteller Bilderstrecke 

Großer Mann bei McLaren war lange Jahre jener Ron Dennis, der sich vom Formel-1-Mechaniker in den sechziger Jahren (bei Brabham) zum späteren Mc-Laren-Teamchef (bis 2009) hocharbeitete. Zu Beginn der Aktivitäten von McLaren Automotive war Dennis noch mit 25 Prozent beteiligt, danach zog er sich peu à peu zurück. Das operative Geschäft führt jetzt Mike Flewitt, der zuvor bei Ford und davor bei TWR, Bentley und Rolls-Royce tätig war.

Spritverbrauch kann sich sehen lassen

Allen McLaren-Sportwagen gemein ist die Karbonzelle, um die herum das Auto gebaut wird. Der 3,8- oder 4,0-Liter-V8-Motor (neu im 720 S) ist eine Mc-Laren-Entwicklung, das Doppelkupplungsgetriebe stammt vom Rennsport-Spezialisten Graziani. Die Fertigungstiefe in Woking – bezogen auf britische Teile – beträgt stattliche 50 Prozent, sie wird noch steigen, wenn von 2019 an die Karbonschalen in Eigenregie gebacken werden. McLaren investiert zusammen mit der Universität Sheffield 50 Millionen Pfund in eine neue Fertigungsstätte, die zudem 200 neue Arbeitsplätze nach Sheffield bringen soll. In Woking selbst arbeiten 1800 Menschen. Rechnet man die Formel-1-Aktivitäten dazu, sind es 3500.

Der erste Straßen-McLaren aus dem Jahr 2011 – abgesehen von 106 F1-Boliden in den neunziger Jahren und gut 2500 Mercedes-Benz-McLaren SLR, die von 2004 bis 2009 ebenfalls in Woking, aber an anderer Stelle gebaut worden waren–, trug noch den etwas kryptischen Namen MP4-12C. Inzwischen ist man dazu übergegangen, einfach die gebotene PS-Zahl zu nennen, das ist schon beeindruckend genug. Bei 540 geht es zur Zeit los, brandneu ist der 720S, der den 650S ersetzen wird. Außer 720 PS werden 770 Newtonmeter maximales Drehmoment geboten, die bei 5500 Umdrehungen in der Minute anliegen.

Der 4,54 Meter lange Zweisitzer beschleunigt in 7,8 Sekunden von 0 auf 200 km/h, andere sind da noch nicht mal bei 100 km/h. Die sind bei vollem Leistungseinsatz schon nach 2,9 Sekunden passiert. Maximal geht es rauf bis 341 km/h. Ein Normverbrauch von 10,7 Liter Super kann sich angesichts der Leistungsdaten sehen lassen. Beim Spritsparen hilft auch das relativ geringe Gewicht von trocken 1283 Kilogramm, das ist sogar eine Spur weniger, als der 650S auf die Waage brachte.

Der 720S ist im Prinzip nicht limitiert

Der Basispreis für den 720s beträgt in Deutschland 247350 Euro, wer jetzt bestellt, kann von Glück sagen, wenn er den Wagen dieses Jahr noch geliefert bekommt. 1400 Exemplare sind schon geordert, seit kurzem arbeitet die Fabrik im Zweischichtbetrieb. McLaren sind gefragt, es ist schick, etwas anderes zu fahren als Lamborghini oder Ferrari, und auf der Rennstrecke machen die Italiener dem Briten auch nichts vor – eher im Gegenteil. Zwar ist der 720S im Prinzip nicht limitiert, aber McLaren hat es in der kurzen Zeit der Marktpräsenz durchaus verstanden, mit limitierten Sonderserien oder Fahrzeugen, die nur für die Rennstrecke taugen, höchstes Begehren zu wecken.

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