30.06.2010 · Ulf Böhringer hat einen China-Billigroller mit Elektroantrieb über längere Zeit ausprobiert. Das Gefährt ist zum Preis von 1149 Euro momentan außer im Internet lediglich übers Fernsehen zu beziehen. Die Bilanz eines Jahres.
Von Ulf BöhringerDas Image sogenannter Baumarkt-Roller ist schlecht. Den fast ausschließlich aus China kommenden Produkten hängt der Geruch mieser Verarbeitung und mangelnder Zuverlässigkeit an. Ungenügender Service wird ihnen ebenfalls nachgesagt.
Der Elektroroller EcoFlash 2000 stammt aus China, man kann ihn nirgendwo zur Probe fahren, denn er ist zum Preis von 1149 Euro momentan außer im Internet lediglich übers Fernsehen zu beziehen. Soll man sich mit so etwas abgeben? Wir haben es getan, ein Jahr lang. Die (nicht sehr hohen) Erwartungen wurden übertroffen: Zum Ende dieses Dauertests ist festzustellen: Der ordentlich verarbeitete Roller zeigte sich zuverlässig, und selbst die technische Betreuung funktionierte. Im Unterhalt war der Elektroroller bisher unerreicht günstig. Eine uneingeschränkte Empfehlung also?
Fangen wir beim Grundlegenden an. Der EcoFlash gehört zur niederen Kaste der Mokick-Roller, womit seine Höchstgeschwindigkeit gesetzlich auf 45 km/h begrenzt ist. Gefahren werden darf er deshalb ab 16 Jahren mit den Führerscheinen A1, 1b, 4 oder M. Ab 18 Jahre genügt jede Lizenz der Klassen 1a, 1, 2, 3, B oder C. Wegen des geringen Maximaltempos und wegen seiner Reichweite von nur 50 Kilometern eignet er sich ausschließlich für planbare Fahrten von nicht allzu großer Distanz. Meist wird das im (groß-)städtischen Bereich sein. Auch hier erweist sich das limitierte Höchsttempo als arger Nachteil: 45 km/h reichen oft nicht aus zum ruhigen Mitschwimmen im Verkehr. Aber dieses Schicksal teilt der elektrisch angetriebene EcoFlash mit all seinen mit Verbrennungsmotoren ausgestatteten Halbbrüdern.
Haupteinsatzgebiet im verdichteten Siedlungsraum
Der Nutzen in der Großstadt wird auch dadurch beeinträchtigt, dass Mokick-Roller nicht auf Kraftfahrstraßen (Zeichen 331 StVO) betrieben werden dürfen; sie sind schließlich nicht 60 km/h schnell. Aus alldem ergibt sich, dass der EcoFlash sein Haupteinsatzgebiet im verdichteten Siedlungsraum hat; je mehr Tempo-30-Zonen, desto besser. Dann muss man seine Maximalleistung oft nicht mal zur Gänze ausreizen, was den Energievorrat in den Blei/Gel-Akkus schont und der Reichweite zugutekommt.
Wie weit kommt man nun mit dem kleinen Stromer tatsächlich? Wir haben aus jeder Akku-Ladung zumindest 40 Kilometer herausgeholt, auch wenn die Verhältnisse noch so widrig waren (Gegenwind, ständig Volllast, zwei Personen). Mit zunehmender Testdauer erreichen wir fast regelmäßig die Prospektangabe von 50 Kilometern, einige Male mussten wir sogar erst nach 60 und 63 Kilometer nachladen. Wer den EcoFlash abends ans Netz hängt, dem kann eine Ladezeit von acht Stunden egal sein. Angesichts der niedrigen Höchstgeschwindigkeit und der sich daraus ergebenden Art der Nutzung sind 50 Kilometer Reichweite eine ganze Menge: Oft wurde der rote Winzling nur alle drei, vier Tage geladen, weil die üblichen Besorgungs- und Erledigungsfahrten fast alle im Fünfkilometer-Radius ablaufen. Tagesrekord waren übrigens 75 Kilometer, dies natürlich mit Nachladen.
Maximale Steigfähigkeit liegt bei 17 Prozent
Die Fahrdynamik-Werte des EcoFlash liegen unter denen vergleichbarer Viertakt-Roller. Er beschleunigt langsamer und lässt mit zunehmender Akku-Entleerung auch in der Spitze nach. Am Berg wird's kritisch: Die maximale Steigfähigkeit liegt bei 17 Prozent, aber schon darunter tut sich der 149 Kilo schwere E-Roller schwer. Kein Scooter für Stuttgarter Halbhöhenlagen zum Beispiel. Das Fahrverhalten ist mau, aber nicht mies. Mehr Federung, mehr Dämpfung, bessere Bremsen - all das wäre fein, würde aber wohl auch mehr Geld kosten. Die Sicht in den Rückspiegeln ist gut, das Aufbocken funktioniert zufriedenstellend, Seitenständer, Sitz-Fernentriegelung - alles akzeptabel. Vermisst wird eine deutlicher sichtbare (oder hörbare) Blinker-kontrolle.
Seitdem der EcoFlash für 49 Euro mit einem in Fahrzeugfarbe gehaltenen Kunststoff-Topcase ausgerüstet ist (das Fach unterm Sitz ist für die Helmaufbewahrung zu klein), gelingen mit ihm selbst Wochenendeinkäufe für den Zweipersonenhaushalt. Sogar der Bierkasten kann mit, der ebene Fußraum macht's möglich.
Nach inzwischen gut 1300 Kilometern darf man dem EcoFlash ein zweites problemloses Jahr prognostizieren. Er zeigt keinen Rost, wurde im vergangenen (strengen) Winter allerdings auch nicht gefahren. An seiner Zuverlässigkeit ist wenig auszusetzen; als Defekte wurden eine durchgebrannte Scheinwerferlampe (7,50 Euro) und eine mitunter unregelmäßig anzeigende Batterie-Vorratsanzeige registriert. Das Instrument soll im Zuge der 24-Monate-Garantie beim demnächst anstehenden Kundendienst ausgetauscht werden. Apropos Service: Es gibt 1200 Kundendienststellen in Deutschland; wer keine in Reichweite hat (einfache Recherche im Internet), wird von einem mobilen Kundendienst betreut. Das Handbuch schreibt einen Service bei 300 und 1000 Kilometer vor, danach alle 2500 Kilometer.
„Hübsch, und so leise“ ist die Standardbemerkung
Außer praktischen Gesichtspunkten spielt im Fall des fast geräuschlosen EcoFlash auch der Faktor Fahrgefühl eine Rolle. Kein Brummen, stattdessen leises Pfeifen des Fahrtwinds am Helm. Das leise Fahren ist angenehm, ebenso die Tatsache, dass die Kiste nicht stinkt. Deshalb trauen wir uns manchmal sogar auf Wege, auf denen wir eigentlich nichts verloren haben. Nie registrierten wir empörte Spaziergänger, oftmals aber verwunderte. Ach ja; angesprochen wird man auf den EcoFlash andauernd. „Hübsch, und so leise“, ist die Standardbemerkung. „Und was braucht der?“ ist die häufigste Frage. Die Antwort: Bei den derzeitigen Tarifen verursacht der Kilometer etwa einen Cent Stromkosten. Macht rund einen Euro auf 100 Kilometer und damit 2,50 Euro weniger als bei einem Viertakt-Baumarktroller (2,5 Liter à 1,45 Euro). Der kostet in der Anschaffung aber ein Drittel weniger und schafft mit seinem Fünf-Liter-Tank zudem 180 Kilometer ohne Nachtanken.
Übers Jahr hat unser EcoFlash, so gesehen, immerhin gut 30 Euro Betriebskosten gespart. Ähnlich dürfte die Bilanz der Folgejahre aussehen, vorausgesetzt, die Batterien machen mit. Wir haben jetzt 30 Ladezyklen hinter uns, 250 bis 300 stellt der Importeur in Aussicht. Das wären immerhin acht bis zehn Jahre und um die 12000 Kilometer.
Technische Daten
2-kW-Gleichstrom-Motor, 4 Blei/Gel-Akkus, Spannung 48 V, Telegabel und Scheibenbremse vorn, Federbein und Trommelbremse hinten; 149 kg fahrfertig, zugelassen für zwei Personen; Importeur: www.flex-tech.info; Bezugsquellen: www.bikerson.de, „Channel 21“ im TV.