28.05.2009 · Ein Fahrrad mit bis 25 km/h unterstützendem Elektroantrieb: Mit dem Raleigh Dover Lite lässt sich an einem Beispiel gut zeigen, was Stil beim Fahrrad ausmacht und wie das entsteht, was einem als Chic besonders ins Auge sticht.
Von Hans-Heinrich PardeyWenn zwei das Gleiche tun, so ist das doch noch lange nicht dasselbe. Man könnte es sich ja leichtmachen: Das Raleigh Dover Lite, ein Fahrrad mit bis 25 km/h unterstützendem Elektroantrieb, gleicht in vielem dem Victoria Mannheim, das in einer längeren Erprobung bei uns gerade die 1200-Kilometer-Marke passierte. Muss ein vom Rahmen bis zur Antriebstechnik so ähnliches Elektrorad überhaupt gesondert betrachtet werden, oder täte es ein bloßer Rückverweis nicht auch? Nun, das Rad der zur Derby-Cycle-Gruppe (Kalkhoff, Rixe, Focus, Univega) gehörenden Marke Raleigh ist schon einen eigenen Bericht wert. Hier lässt sich an einem Beispiel gut zeigen, was Stil beim Fahrrad ausmacht und wie das entsteht, was einem als Chic besonders ins Auge sticht, wenn man im Fahrradgeschäft davorsteht.
Es ist ja nichts Besonderes, sondern der Normalfall, dass an Rädern verschiedener Hersteller exakt die gleichen Komponenten verbaut werden. In diesem Fall macht die Farbe - Katalogbezeichnung „Malachitgreenmatt“ - aus dem am Sitzrohr und an der Vorderrad-Gabel sichtbar verstärkten Standard-Aluminium-Rahmen (Höhen: 49, 53 und 57 Zentimeter, innen verlegte Züge) einen Hingucker.
„Dieses Rad darf nicht auf öffentlichen Straßen verwendet werden“
Es steht zwar eine Menge darauf, unter anderem der Hinweis: „Dieses Rad darf nicht auf öffentlichen Straßen verwendet werden, da es nicht entsprechend der StVZO ausgerüstet ist.“ Aber wie diese vor allem im Hinblick auf die Lichtanlage als Haftungsausschluss zu verstehende Klausel ist die gesamte Rahmenbeschriftung sehr dezent. Der Hinweis selbst mag juristisch zutreffen, weil das Rad keine „Lichtmaschine“, sprich keinen Dynamo hat. Eigentlich ist er aber ein Witz.
Tatsächlich beziehen das über jeden Zweifel erhabene vorzügliche Fahrlicht und die Rückleuchte (beide mit Standlichtfunktion) ihre Energie auf Knopfdruck aus dem Lithium-Ionen-Akku (26V/10Ah) des bewährten Panasonic-Antriebs (bürstenloser 250-Watt-Mittelmotor). Aber eben, nicht StVZO-konform, nur so lange, wie der Akku Saft hat. Das hat er - vollgeladen, mit mittlerer Stärke beansprucht, bei angenehmen Radeltemperaturen und über längere Distanz mit gleichbleibendem Tempo - reichlich 60 Kilometer weit.
Was macht den Chic des Raleigh Dover Lite aus?
So weit, so überraschungslos gut - was macht den Chic des Raleigh Dover Lite aus? Dass seine Komponenten von der Schaltnabe Shimano Alfine (acht Übersetzungen) über die V-Bremsen (Deore XT) bis zur Tretkurbel, dem verstellbaren Vorbau und den Alfine-Systemlaufrädern (Reifen: Schwalbe Marathon Supreme) konsequent Schwarz und Silber als einzige Farben zeigen. Das lässt das knapp 21 Kilogramm wiegende Rad, dem man wie dem Victoria Mannheim gern attestiert, dass es für rund 2200 Euro ein Fahrrad ist und bleibt und nicht etwa ein Mofa sein will, richtig elegant, das heißt unaufdringlich elegant aussehen.
Das Dover Lite fährt sich - auch wenn dem Racktime-Gepäckträger eine Tasche angehängt wird - angenehm leicht, ja entgegen aller Erwartung fast sportlich. Die nicht vorhandene Federung haben wir nur auf bösem Kopfsteinpflaster vermisst. Aber muss ein britischer Roadster nicht auch etwas hart sein?
Herzliches Beileid ...
Sven Dahmen (SDAHMEN)
- 28.05.2009, 22:53 Uhr