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Elektroautos Das Kabel wird nun doch länger

26.10.2008 ·  Die Autoindustrie wirkt wie elektrisiert. Nach Jahren der langen Leitung nehmen die Stromer wieder Fahrt auf. Schon im Jahr 2009 wollen Anbieter wie Daimler, BMW oder Ford ihre E-Mobile auf die Straßen bringen.

Von Wolfgang Peters
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Mehr Bewegung „weg vom Öl“ war noch nie in der Autoindustrie. Daraus wird die Richtung klar vorgegeben: nie mehr Benzin oder Diesel tanken oder zumindest nur noch dann, wenn die alternative Stromenergie nicht mehr in ausreichender Menge an Bord zur Verfügung steht. Das gilt für die neuen Misch-Formen des Antriebs (etwa Chevrolet Volt), zu denen auch die Hybriden (am erfolgreichsten: Toyota Prius) zählen. Doch diese erhalten jegliche Vortriebsenergie noch durch das Verbrennen von Benzin. Immer mehr Menschen sind dagegen davon überzeugt: Neue Strom-Autos braucht das Land.

Besonders durch stürmische Fortschritte in der Batterietechnik (Lithium-Ionen-Akku) und im elektronischen Antriebsmanagement beschleunigt sich derzeit der Zug zum Strom. So ist es wohl nur noch eine Frage von ein bis zwei Jährchen, ehe die ersten Elektroautos aus einer größeren Serie im Industriemaßstab zu den Kunden kommen. Dafür könnten in erster Linie nach jüngsten Informationen der Daimler-Konzern (mit der Tochter Smart) und die BMW Group (mit der Marke Mini) sorgen. Hier sind die elektrischen Dinge so weit gediehen, dass man im Jahr 2009 mit einer größeren Produktionsmenge zumindest in die Nähe der Kunden gehen möchte. Und von 2010 an will Daimler unter seiner Marke Mercedes ein Elektroauto bauen und vielleicht noch nicht direkt in die Hände des Endkunden geben, aber doch in die Öffentlichkeit entlassen.

Die Erwartungen nicht zu hoch stecken

Dass General Motors mit dem Rücken zur (finanziellen) Wand steht, hindert den Autoriesen nicht daran, mit seinem Prototypen Volt Lust auf Zukunft zu machen. Auch Ford treibt der Strom um, ein (alter) Ka-Prototyp wird betrieben, und aus Japan stromert von Mitsubishi der „i-EV“ heran. Gleichzeitig treiben kleinere, konzernunabhängige Unternehmen (zum Beispiel Tesla, Fisker, Think, Loremo und auch der nette Hotzenplotz scheint wieder aus der Versenkung aufzutauchen) ihre Pläne und Produkte weiter voran.

Allerdings sollte man keine vorschnellen Hoffnungen mit dem Auftauchen der Stromer verbinden. Sie sind nicht als flächendeckende Ablösung für die Vehikel mit Verbrennungsmotoren gedacht. Diese werden nach Ansicht aller Industriefachleute auch in dreißig bis vierzig Jahren noch mit Benzin oder Diesel fahren. Ob diese Energieträger jedoch künftig immer nur aus Erdöl gewonnen werden müssen, darf bezweifelt werden. Es gibt sehr interessante Versuche, den Kraftstoff synthetisch zu erzeugen (Stichwort: Choren), und das gilt für Otto- und Dieselmaschinen.

Geringe Reichweite und lange Ladezeiten machen unattraktiv

Volkswagen forscht seit etlichen Jahrzehnten am Elektroauto. Wenn VW-Konzern-Chef Martin Winterkorn in seiner technoid-trockenen Art in Aussicht stellt, wohl in den Jahren 2012 oder 2013 einen E-VW für den Normalkunden zu offerieren, dann muss man keine Vermutungen darüber anstellen, welche Technikhürden für diese Fahrzeuge noch zu überwinden sind. Wobei es hier auch darum geht, dass VW seinen Kunden keinen spartanischen Zweisitzer zu einem phantastischen Preis zumuten kann, der dann von Promi-Kunden im südlichen Kalifornien bewegt wird. Und bisher zuckten die VW-Kunden (im Branchenjargon werden sie als „preissensibel“ bezeichnet) noch ziemlich heftig zusammen, wenn man 8000 bis 10.000 Euro als Kostenrahmen für das Batteriepaket nannte.

Allen Elektroautos in der Gegenwart und jenen, die in etwa fünf bis acht Jahren auf den Markt kommen, sind einige Merkmale gemeinsam. Die meisten davon sind negativ belastet und erklären, wie es dazu kommen konnte, dass seit mehr als 120 Jahren fast nur die Verbrennungsmotoren für individuelle Mobilität auf vier Rädern sorgen:

- Die Reichweite der E-Vehikel mit voll aufgeladenen Akkus ist noch immer relativ gering. Optimistische Prognosen gehen von 365 Kilometer (Tesla) aus, realistischer sind da die 250 Kilometer, die man bei Mini den neuen E-Mobilen zutraut. Dabei muss man auch an Scheinwerfer, Heizung oder Klimaanlage denken.

- Das Elektroauto ist für die nähere Zukunft (wohl etwa zehn bis zwölf Jahre) nur in den großen Ballungsräumen einzusetzen, für den Pendler- oder für den Verteilerverkehr (jeder erinnert sich noch an die surrenden Hütten der Paketpost).

- Ein E-Mobil mal schnell in jener Zeit aufzutanken, die der Beifahrer des Benzinautos mit dem Erledigen seiner Notdurft verbringt, ist nicht möglich. Bisher musste man mit vier bis sieben Stunden rechnen, jetzt verweist man bei Mini auf eine „Wallbox“, mit der man in den Vereinigten Staaten (Spannung und Stromstärke sind dort dafür geeignet) künftig in zweieinhalb Stunden dem Akku die komplette Energiemenge übertragen kann.

- Der pfiffigen Idee, die Akkus an der Tankstelle komplett zu tauschen, ist wohl keine Zukunft beschieden. Zu groß sind die Strukturprobleme, der Zeitaufwand, und zu unsicher ist die Gewissheit, nicht ein altes, schlaffes Päckchen zu erhalten. Der große Platzbedarf für die Batterien. Das zeigt sehr gut der neue Mini E: Er kommt als Zwei- und nicht mehr als Viersitzer. Erklärung des Herstellers: „Der Platz, der beim Serienmodell den Fond-Passagieren zur Verfügung steht, ist bei ihm für den Lithium-Ionen-Akku reserviert.“ Nicht zuletzt deshalb hat sich zum Beispiel der kalifornische E-Mobil-Protagonist Tesla als Basislager einen Lotus ausgewählt, der mit seiner veralteten Technik ausreichend Raum für die Zukunftstechnik bietet.

- Ungewiss ist auch, woher die Menge an Strom für eine größere E-Auto-Population kommen sollte. Zudem sollte es „grüner Strom“ sein. Wobei sich hier das vielleicht weiteste Feld für Stromspekulationen (Kernkraft?!) bildet. - Alle Bestimmungen zur Crash-Sicherheit werden wohl erfüllt sein. Zumindest dann, wenn das E-Auto unter großindustriellen Bedingungen und ohne Ausnahmegenehmigungen konstruiert, produziert und betrieben wird.

Über Preise wird noch nicht geredet

Die größten Vorteile der künftigen Strom-Wagen klingen nicht unverlockend:

- Am Betriebsort emittiert das E-Auto keine Abgase. Deshalb fahren Golfer gerne mit ihren surrenden Wägelchen herum.

- Man ist nicht abhängig von Benzin oder Diesel. Wind, Wasserkraft, Sonne, Biomasse: Sie könnten den Strom liefern, aus dem die mobilen Träume der Zukunft sind.

Rund 500 Fahrzeuge, „alle rein elektrisch betrieben“, will Mini im nächsten Jahr in Kalifornien, New York und New Jersey zum Einsatz bringen. Über Preise wird in der Münchner-BMW-Zentrale noch nicht geredet. Dagegen schon über Strom-Leistungen: Der Mini E bewegt sich aus dem Stand auf 100 km/h in 8,5 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit wird auf 152 km/h begrenzt. Das Fahrwerk, so versprechen die Mini-Macher, sei derart modifiziert, dass es das Leergewicht von knapp 1,5 Tonnen ohne Einbußen an Agilität verkrafte. Mal sehen, ob der zündende Funke für die Mini-Mobilität von morgen künftig der Strom ist, der aus der Steckdose kommt.

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