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Elektro-Fahrzeug Navia Der horizontale Personenaufzug

Das vollautomatische Elektro-Fahrzeug Navia könnte unsere Städte revolutionieren. Es braucht nicht mal einen Fahrer, ist aber trotzdem für den öffentlichen Raum konzipiert.

© Rüdiger Abele Fahrerlos elektrisch konzipiert: Der Navia von Induct

Der Weg in die Zukunft der Elektromobilität beginnt in aller Offenheit - zumindest beim Fahrzeug namens Navia des französischen Unternehmens Induct aus Croiss- Sur-Seine. Die Winterkälte ist auf der weitgehend unverkleideten Passagierplattform sehr präsent. Und da man steht, kriecht sie gefühlt mit doppelter Wirkkraft in die Glieder. Ist das Konzept ohne geschlossene Kabine ein Nachteil? Das hänge vom Einsatzgebiet und von der Länge der zurückzulegenden Strecke ab, sagt der Hersteller, der bisher ein unbeschriebenes Blatt in der Mobilitätsbranche ist.

Klar ist: Gäbe es eine Kabine, bräuchte sie Heizung und Lüftung - und beides würde als elektrische Komponente zu Lasten des Batteriestroms und somit der Reichweite gehen. Es gibt aber während der Fahrt genügend spannendere Dinge als die Wetterbedingungen. Denn Navia ist fahrerlos und autonom unterwegs. Das wahre Automobil fährt zwar auf einer vorgegebenen Route, doch mit Hilfe eines Systems zur Umfelderkennung auf 360 Grad rund um das Fahrzeug erkennt es Hindernisse wie in die Strecke laufende Fußgänger, vermindert die Geschwindigkeit, umfährt oder stoppt auch selbsttätig. Insgesamt könnte man es in die Kategorie „Flurförderfahrzeuge“ einordnen.

Das Fahren  ist ein Kinderspiel

Dass es eines für den öffentlichen Raum ist, macht die Sache interessant. Als Shuttle in Innenstädten und Fußgängerzonen, für den Pendelverkehr zwischen Parkplatz und eigentlichem Zielpunkt, an Flughäfen und in Freizeitparks oder auch als kostengünstige Ergänzung vor allem für kürzere Strecken von Bus und Bahn, dort könnte man sich Navia gut vorstellen.

Die 20 km/h Höchstgeschwindigkeit passen einwandfrei für diese avisierten Gefilde. Zudem, sagt Induct, habe man bei Praxisversuchen die Erfahrung gemacht, dass keine Angstschwelle der Nutzer angesichts des neuartigen Mobils vorhanden sei. Die 20 km/h senden ein Vertrauenssignal aus. Die niedrige Maximalgeschwindigkeit macht eine Zulassung für den öffentlichen Verkehr, zumal als autonomes Fahrzeug, gewiss einfacher. Außerdem kann die gesamte Antriebstechnik deutlich weniger aufwendig und günstiger ausgelegt werden.

22591767 © Rüdiger Abele Vergrößern Schwarzer Kasten: Eine von vier Lasereinheiten als Teil der Umfelderkennung

Das Fahren mit dem Navia ist ein Kinderspiel. Vorgegeben ist die Strecke, auf der das Fahrzeug pendelt; sie ist über die GPS-Daten hinterlegt. Benötigt man den elektrischen Personentransporter, ruft man ihn über das Smartphone herbei. Oder man drückt den passenden Knopf auf einer Stele, die der Betreiber hoffentlich entlang der Strecke aufgestellt hat - und binnen weniger Minuten surrt das Elektromobil herbei. Nach dem Einsteigen weist man per bewegungsempfindlichem Bildschirm das Fahrtziel - schon schließen sich die Schiebetüren und setzt sich das Mobil in Bewegung. Acht bis zehn Personen fasst das Fahrzeug. Sie können es sich auf der Plattform auf „Stehsitzbänken“ bequem machen. Die Fahrt ist durchaus angenehm, abgesehen von einigen etwas jähen Anfahr- und Bremsvorgängen, die vielleicht weicher ablaufen könnten.

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