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Elektro-Autos Das gute Gewissen von Chrysler

30.11.2007 ·  Sie sehen ein wenig aus wie Golffahrzeuge und doch hat GEM schon mehr als 35.000 seiner Elektro-Autos verkauft. Ein Clou der Chrysler-Marke: Das „Leichtfahrzeug“ lässt sich ab 16 Jahren fahren.

Von Boris Schmidt
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Am vergangenen Sonntag hatte die Los Angeles Auto Show ihre Tore geschlossen. Rund eine Million Menschen waren auf der „grünen“ Messe, bei der alternative Antriebe eine so große Rolle spielten wie nie zuvor. Hybrid ist das Zauberwort, und (fast) alle machen mit, besonders General Motors hat sich ins Zeug gelegt. Nur Ford und Chrysler hielten sich in dieser Hinsicht eher zurück. Die Ex-Daimler-Schwester hatte in Los Angeles aber den Aspen und den Dodge Durango (beides Geländewagen) als neue Hybridfahrzeuge parat. Und zwei kleine Fahrzeuge, die mehr oder weniger aussahen wie Golf-Wägelchen, sorgten auf dem Stand für eine gewisse Verwirrung. Sie wirkten etwas verloren zwischen den großen Jeeps und Dodges.

Der GEM e2 und der GEM e4 waren sozusagen das grüne Gewissen von Chrysler auf der Show, denn beide sind reinrassige Elektro-Autos. GEM (Global Electric Motors) ist eine weitere Chrysler-Marke. GEM-Automobile gibt es schon seit zehn Jahren, und seit 2000 gehört das Unternehmen zu Chrysler. Mehr als 35.000 dieser GEMs sind bisher auf der Welt verkauft worden. Der Hauptmarkt ist Amerika: Mehr als 150 Händler gibt es dort, Schwerpunkte sind die West- und die Ostküste. Sieben verschiedene Versionen sind im Angebot, vom Zwei- bis zum Sechssitzer, Nutzfahrzeuge mit Ladefläche eingeschlossen. Der Basispreis in Amerika beträgt 6975 Dollar. Mit maximal 15 PS kann man zwar keine Bäume ausreißen, kommt aber voran. 40 km/h (25 mph) sind in der Spitze möglich, die Reichweite beträgt 50 bis 60, vielleicht auch 70 Kilometer.

Türen nur gegen Aufpreis

Im Basisfahrzeug sitzt man seitlich offen (also ohne Türen) unter einem Dach. Türen und somit das Gefühl, in einem „richtigen“ Auto zu sitzen, gibt es gegen Aufpreis. Auch eine Kofferraumbox, die sozusagen huckepack genommen wird, kostet extra. Oder man nutzt den GEM eS - dann hat der kleine Wagen eine Länge von 2,74 Meter (sonst nur 2,51 Meter) dank einer kleinen Ladefläche. Als Sechssitzer (3 × 2 hintereinander) kommt er GEM e6 immerhin auf 4,11 Meter. Die Wagen haben Frontantrieb, die Batterien (im Basismodell sechs 12-Volt-Elektrolyt-Speicher) können an einer herkömmlichen Steckdose aufgeladen werden, was sechs bis acht Stunden dauert. Die größeren Fahrzeuge haben wartungsfreie Gel-Akkus, das Nutzfahrzeug GEM el XD verfügt über neun 8-Volt-Gel-Batterien. Maximal können hier gut 700 Kilo auf die Ladefläche.

Die GEM-Flotte ist auch in Europa zu kaufen, in Frankreich gibt es sogar ein Montagewerk. Für Deutschland und die Benelux-Staaten hat den Vertrieb die Essener Divaco GmbH exklusiv übernommen, gut 100 Fahrzeuge hat man nach eigenen Angaben hierzulande bislang verkauft. Selbstverständlich werden die amerikanischen Fahrzeuge auf das deutsche 230-Volt-System (dort 110) umgerüstet. Divaco (www.divaco.com) hat sich auf den Handel mit Elektrofahrzeugen spezialisiert. Hauptabnehmer sind Industriebetriebe, Golfplatzbetreiber, große Hotelanlagen, aber auch Flughäfen und kommunale Betriebe. Doch mit steigenden Benzinpreisen rechnet Divaco mehr und mehr mit privaten Interessenten.

GEM schon ab 16 Jahren erlaubt

Alle GEMs sind zulassungsfähig (kleines Versicherungskennzeichen). Da sie mit ihrem niedrigen Gewicht als „Leichtfahrzeug“ gelten (der e2 wiegt leer rund 600 Kilo), können sie sogar mit dem Führerschein „S“ gefahren werden, den man schon mit 16 Jahren erwerben kann. Als Stadtfahrzeug tauge ein GEM durchaus auch in privater Hand, der Wendekreis von nur 3,75 Meter sei einfach bestechend, und innerorts seien die maximal 40 km/h Spitzengeschwindigkeit nicht zu langsam.

Quelle: F.A.Z., 27.11.2007, Nr. 276 / Seite T4
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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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