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Einstellung des Citroën C6 Letzter Gruß aus Paris

 ·  Frankreich verabschiedet sich aus der automobilen Oberklasse: Klammheimlich stellte Citroën im Dezember 2012 den C6 ein. Renault und Peugeot haben das Feld schon lange geräumt.

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© Hersteller Vergrößern Sag zum Abschied leise servus: Der Citroën C6 wird seit Mitte Dezember nicht mehr produziert. Und die Hydropneumatik schwebt gerade ins Technikmuseum - man brauche sie nicht mehr, heißt es

Sie feiern ihre neuen Kleinwagen, den Peugeot 208, den Renault Clio und den Citroën DS3. Aber sie verdienen kein Geld damit, zu wenig jedenfalls, und sie blicken neidisch auf die deutschen Marken, deren Händler sich nicht so sehr mit Kniffen der Restwertbereinigung an der Kundschaft schadlos halten müssen, weil die Kraft der Marke von Audi, BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen anders strahlt, eben heller. Die Welt der Masse spielt in der unteren Region, aber oben spielt die Musik. Einmal den Duft von Chanel auflegen, ein Tuch von Hermès der Gattin schenken, von Paul Bocuse in Lyon den Gaumen verwöhnen lassen, wer träumt nicht davon? Von französischen Oberklasseautos träumt niemand mehr, nur die Sehnsucht nach ihnen ist noch wach, unerfüllt.

Nun ist das letzte verschwunden, Citroën hat die Produktion seines C6 im Werk Rennes am 19. Dezember 2012 klammheimlich eingestellt. Die Fangemeinde trägt still Trauer, es ist eine winzig kleine. Nur 23.384 Einheiten sind seit dem Start des C 6 im Jahr 2005 hergestellt worden, so viele Minister kann Frankreich gar nicht ernennen, als dass Rettung in Sicht gewesen wäre. In Deutschland sind zuletzt etwa fünf C6 im Monat zugelassen worden. Renault ist in der Region der Vorstands- und Regierungslimousinen längst Vergangenheit, der Vel Satis verstarb nach kurzer, schwerer Leidenszeit und knapp 60.000 Stück schon im Jahr 2009, der letzte große Peugeot 607 nur ein Jahr später. Und die Hydropneumatik, die Citroën berühmt gemacht hat, sie schwebt gerade vom Hof des Elysée-Palasts ins Technikmuseum. Man brauche sie nicht mehr, heutige Standardfahrwerke aus Stahl oder Aluminium böten im Prinzip das Gleiche, sagen die Manager von Citroën. Sie werden es wissen.

Es trifft Frankreich ins Herz

Den Anschluss an die deutschen Marken haben die Franzosen freilich nicht erst im Dezember 2012 verloren, die Gründe sind mehrschichtig: Die Besteuerung hat ihren Anteil, mangelhafte Qualität und fehlender Ehrgeiz zu führender Technik auch, falsche Produktentscheidungen und die Angst vor der eigenen Courage ebenfalls. Motoren, Getriebe, vieles nicht auf der Höhe der Zeit oder am Anspruch der solventen Kundschaft vorbei.

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© Hersteller Vergrößern Adieu, mein Großer: Auch Kinositze halfen nichts. Der Vel Satis aus dem automobilen Oberhaus von Renault wurde 2009 eingestellt

Es herrscht nur noch Tristesse in Frankreichs Oberhaus und die blasse Erinnerung an frühere Tage, die - so sie nicht bis an die glorreiche Citroën DS, die echte, zurückreicht - auch nicht eben umwerfend erfolgreich waren, aber doch immerhin zur Versorgung gallischer Dörfer genügten. Peugeot ist Abstinent, das feinste Angebot ist der 508, der trotz einiger Verführungen insgesamt einfach zu blass bleibt. Schüchtern reichen sie in Paris alte Statistiken herum, der große 607 wurde rund 162.000 mal gebaut in seinen zehn Lebensjahren, wirklich viel ist das auch nicht, aber es war immerhin sichtbar, draußen auf der Straße und drinnen im Präsidentenpalast. Wer erinnert sich noch an den Renault Safrane? 300.000 Stück verkauft. Oder an den R 25? 780.000 Stück verkauft. Die Kollegen von „Le Monde“ singen ein Abschiedslied mit Michel Sardou, ne m’appelez plus jamais C6, es trifft Frankreich ins Herz.

Citroën versucht sich neuerdings mit der frisch aufgelegten DS-Reihe, die bislang aber nur in die gehobene Mittelklasse fährt und dort auch nicht an Audi, BMW oder Mercedes-Benz heranreicht. Der große, mutige DS 9 könnte wieder ein Wurf werden, doch es wird noch lange dauern, und Europa ist kaum im Blick, wenn er 2015 oder 2016 auf den Markt kommt. Für China ist der staatsmännische Citroën gemacht, dort wird er gebaut, ist die alte Heimat schon aufgegeben?

Die Spirale scheint sich nach unten zu drehen

Renault hat einst die Welt verändert mit dem Minivan Espace, dessen jüngste Auflage zehn Jahre alt ist. Der vorerst letzte Versuch des Rhombus im Oberhaus hieß Latitude, ein banales Derivat aus Südkorea, abgekupfert bei Samsung, wer hätte das jemals für möglich gehalten - und deshalb schon wieder sanft entschlafen. Der Abschied aus der prestigeträchtigen Oberklasse scheint keine Petitesse zu sein, ausgezahlt hat sich der Schritt nicht. Die Spirale scheint sich nach unten zu drehen, gerade erst hat Renault abermals Personalabbau angekündigt, eine weitere Werksschließung in Europa wird nicht ausgeschlossen.

Was wird Präsident François Hollande nun fahren? Ach, wenn das die einzige Sorge wäre.

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