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E-Limousine von Tesla Voller Elan in die Zukunft des Elektro-Autos

Nach dem Elektro-Roadster will Tesla bald eine Familien-Limousine auf den Markt bringen. Unterschätzt werden die Visionäre aus Palo Alto nicht mehr. Inzwischen haben sich Daimler und Toyota an dem Unternehmen beteiligt.

© Holger Glanz Vergrößern

So etwas ist selbst im kalifornischen Silicon Valley nicht alltäglich. Mit einem Budget von nur 60 Millionen Dollar hatte das 2003 von Multimillionär Martin Eberhard gegründete Start-up-Unternehmen Tesla in nur zweieinhalb Jahren einen Elektro-Sportwagen zur Serienreife gebracht.

Und seit 2008 wird der zweisitzige Roadster mit Kohlefaser-Hülle, der das Fahrwerk des Lotus Elise nutzt, regulär verkauft. Er wird nicht etwa nur verleast oder über bestimmte Nutzer auf die Straße gebracht, sondern ist jedermann zugänglich. Seine dynamischen Qualitäten veranlassen Autotester zu Begeisterungsstürmen. Tenor: Eine nie gekannte Art von Beschleunigungsgefühl, ein feines Handling und sogar alltagstaugliche 200 bis 300 Kilometer Reichweite. Diese Zeitung berichtete erstmals ausführlich über Fahreindrücke mit dem Tesla am 19. August 2008. Der über der Hinterachse plazierte 215-kW-Elektromotor ist für 400 Newtonmeter Drehmoment gut, er macht einen Sprint von 0 auf 100 km/h in etwa vier Sekunden möglich. Die Energie bezieht die E-Maschine aus einer 450 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Batterie, die aus 6831 Laptop-Akkus besteht und bis zu 53 kWh Energie speichert.

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Trotz aller Erfolge: Der Verkauf des Elektro-Roadsters spülte nicht genug Geld in die Tesla-Kasse, um neue Entwicklungen vorantreiben zu können. Schon Anfang 2009 beantragte der 800-Mann-Betrieb Staatskredite und erhielt 465 Millionen Dollar Fördergeld. Zum Glück interessierte sich Daimler für die Aktivitäten im kalifornischen Palo Alto und übernahm im Mai 2009 für einen zweistelligen Millionenbetrag zehn Prozent das Unternehmens. Inzwischen ist Tesla an der Entwicklung des Elektro-Antriebs für die Mercedes-A-Klasse beteiligt und liefert die Lithium-Ionen-Batterien für den Elektro-Smart.

Seit Mitte 2010 ist Tesla an der Börse vertreten

Mit Toyota ist das Unternehmen, dessen Name an den Wechselstrom-Entdecker Nicola Tesla erinnert, ebenso verbandelt wie mit dem Elektronik-Konzern Panasonic. Der japanische Autoriese hält seit Juni 2010 einen Minderheitsanteil und lässt den Antriebsstrang für den elektrisch betriebenen Geländewagen RAV4 entwickeln, der 2012 auf den Markt kommen soll. Seit Mitte 2010 ist Tesla an der Börse vertreten.

Durch Entwicklungsaufträge für weitere externe Kunden konnte der Umsatz 2010 auf 117 Millionen Dollar gesteigert werden. Gleichzeitig wurden 154 Millionen Dollar Verlust ausgewiesen. Grund für die wachsenden Verluste soll die Entwicklung eines neuen Modells sein, das für 2012 angekündigt ist. Das Model S, so die Bezeichnung, ist eine elektrisch angetriebene, coupé artige viertürige Limousine. Wie der Roadster kommt sie mit nur zwei Getriebestufen aus: vorwärts und rückwärts. Zur Wahl sollen drei Akkupakete für 260, 370 und gar 480 Kilometer Reichweite stehen. Die Batterien sind nicht wie im Roadster zu einer einzigen über der Hinterachse zusammengefasst, sondern liegen in einem sandwichartigen, nur etwa zehn Zentimeter hohen Boden, der gewissermaßen das Rückgrat des Fahrzeugs bildet. Da der Hecktriebler keinen Tunnel für Kardanwelle oder Auspuff benötigt, eröffnen sich im Innenraum großzügige Gestaltungsmöglichkeiten. Es gibt Platz für fünf Erwachsene und eine dritte, nach hinten gerichtete Sitzreihe für zwei Kinder.

Gebaut werden soll das Model S in einem amerikanischen Werk, das Toyota zusammen mit GM betrieben und dann stillgelegt hatte. Die angeblich einen Wert von 1,2 Milliarden Dollar darstellende Fabrik ist für nur 50 Millionen Dollar in Tesla-Besitz gegangen. Sie ist für die Produktion von jährlich 450 000 Autos ausgelegt. Tesla will dort jedes Jahr 20 000 Model S fertigen, die in Amerika rund 50 000 Dollar kosten sollen.

In München gibt es die zurzeit einzige deutsche Verkaufsstelle

Von dem Roadster will Tesla inzwischen mehr als 1600 Exemplare an Kunden in Nordamerika, Asien und Europa ausgeliefert haben. In München gibt es die zurzeit einzige deutsche Verkaufsstelle. Sie bietet den Zweisitzer für 100 000 Euro an und hat seit August 2009 rund 110 davon unter die Leute gebracht. Im vergangenen Jahr waren es etwa 70. Die vielfach kolportierte Zahl 23 sei falsch, wie Pressesprecherin Sarah Zimmermann betont.

Zum Jahreswechsel legte Tesla ein Batterie-Recycling-Programm für Europa auf. Die Batteriepakete werden am Lebensende, also nach sieben bis zehn Jahren oder etwa 160 000 Kilometer, bei dem Brüsseler Unternehmen Umicore aufbereitet, um Kobalt, Nickel und andere Metalle zurückzugewinnen - für die Tesla-Kunden kostenlos. Einer von ihnen, der Deutsche Hans Jörg von Gemmingen, soll mit seinem Elektro-Roadster in nur einem Jahr 60 000 Kilometer zurückgelegt haben. Texanische Tesla-Enthusiasten wollen mit einer einzigen Batterieladung 347,2 Meilen, also rund 560 Kilometer geschafft haben. Ein Brite fuhr die Strecke London-Edinburgh an einem Tag und widerlegte damit die Behauptung eines BBC-Reporters, der dafür mindestens vier Tage prognostiziert hatte.

Tesla-Vorstandvorsitzender Elon Musk war einst Mitbegründer des Online-Bezahldienstes PayPal, der 2002 für 1,5 Milliarden Dollar an Ebay verkauft wurde. 2004 stieg er mit 27 Millionen Dollar Privatvermögen als Tesla-Hauptfinanzier ein. Das hat weitere Investoren angelockt. In der Beteiligung der Daimler AG sieht der Zweiundvierzigjährige große Chancen. Schließlich treibe Daimler die Industrialisierung der Lithium-Ionen-Technik besonders vehement voran. Schon im März 2009 hatte sie die Deutsche Accumotive GmbH gegründet, ein Jointventure mit der Evonik Industries AG. Produziert diese von 2012 an eigene Batterien, werden gewiss auch Tesla-Mobile davon profitieren.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 26.03.2011, 14:00 Uhr

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Von Michael Spehr

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