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Ducati Hypermotard Mit angelegten Ohren aus der Nische

Eine Diva im wahren Leben: Die exzentrische Ducati Hypermotard wird umgänglicher. Sogar eine Touring-Version ist im Anmarsch. Eine erste Probefahrt.

© Hersteller Vergrößern Die neue Generation der Hypermotard kommt mit ganz gewöhnlichen Rückspiegeln an Halterungen oberhalb des Lenkers auf den Markt

Die Ohren sind’s. Denkt man zurück an die bisherige Hypermotard, kommen einem als Erstes diese ulkigen Rückspiegel in den Sinn: weit abstehend, weil außen an den Lenkergriffen angebracht, unorthodox, unverwechselbar, ein Zeichen italienischen Frohsinns. Aber auch unpraktisch, unvernünftig, ein Zeichen des Wahnsinns.

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Denn das Risiko, mit den abstehenden Ohren irgendwo anzuecken, am Garagentor zum Beispiel oder am Außenspiegel eines stehenden Autos, war erheblich. Es hatte seinen Grund, dass sich die Dinger anklappen ließen. Bloß haben sie einem dann nichts genutzt.

Die neue Generation der Hypermotard kommt mit ganz gewöhnlichen Rückspiegeln an Halterungen oberhalb des Lenkers auf den Markt. Ein kleiner Teil des Exzentrischen, das man von einer Ducati erwartet, geht auf diese Weise dahin. Doch es ist noch genug vorhanden, und die Änderung hat nur Vorteile. Die Sehhilfen zittern nicht mehr so, verstellen sich nicht so leicht, verbreitern das Fahrzeug nicht auf abenteuerliche Weise.

Der Abschied von den abstehenden Ohren ist ein Hinweis auf die tiefgreifende Wandlung der Spaßmaschine aus Bologna zum Modelljahr 2013. Beibehalten wurde die Grundidee eines leichten, puristischen aufreizend gezeichneten Motorrads im Supermoto-Stil mit schmaler Taille, langen Beinen und Granaten-Po, wie es mit dem Produktionsstart 2007 für Furore sorgte. Ansonsten ist alles anders.

23396548 Beibehalten wurde die Grundidee eines leichten, puristischen aufreizend gezeichneten Motorrads im Supermoto-Stil mit schmaler Taille, langen Beinen … © Hersteller Bilderstrecke 

Vielseitiger, ausgewogener, alltagstauglicher lautete das Ziel der Entwickler, nicht mehr so spitz konfiguriert das Ganze. Die neue Hypermotard ist immer noch so agil, dass sie - vorzugsweise auf verwinkelten Sträßchen - anderen um die Ohren fahren kann. Aber das Zickige, Zappelige hat man ihr abgewöhnt. Verlängerter Radstand und etwas weniger steil angestellte Gabel schaffen ein stabileres Fahrgefühl, ein Paket elektronischer Hilfssysteme samt verschiedenen, mit Knopfdruck zu wählenden Motorprogrammen soll dazu beitragen, das Einsatzspektrum zu verbreitern. Der Sitz ist kein Donnerbalken mehr, sondern angenehm geformt, der breite Lenker liegt höher als bisher, rückte ein Stück nach vorn, ebenso die Fußrasten, was unterm Strich mehr Komfort ergibt. Das Fassungsvermögen des ehemals mickrigen Benzintanks wuchs um 3,6 auf 16 Liter. Berufsverkehr, verlängerte Tour, ohne dass man mehr Zeit mit dem Tanken als mit dem Fahren verbringt? Gut vorstellbar jetzt.

Die gravierendste Änderung verkörpert der neue Zweizylinder-V-Motor: flüssigkeitsgekühlter Vier- ersetzt luftgekühlten Zweiventiler, statt zwei Hubraumklassen (803 und 1079 Kubikzentimeter) nur noch eine - 821 Kubik. Den Schwenk begründet Ducati damit, dass die Luftgekühlten an Grenzen stoßen, was Leistungssteigerungen und künftige Abgasnormen betrifft. Mit 81 kW (110 PS) bei 9250/min überflügelt das neue, druckvolle, geschmeidig wirkende „Testastretta“Triebwerk die beiden bisherigen Motoren (57 und 67 kW) deutlich. Der große Wasserkühler mit zwei Lüftern ist geschickt ins grazile Motorrad integriert, die Verschlauchung einigermaßen unauffällig. Der Fahrer kommandiert per elektronischem Gasgriff und mobilisiert bis zu 89 Newtonmeter Drehmoment (bei 7750/ min) - mehr als beim kleinen (77 Nm), weniger als beim großen (115 Nm) Vorgänger. Beide waren im Rahmen ihrer Möglichkeiten hervorragende Unterhalter, in niedrigen Drehzahlen jedoch alles andere als ein Muster an Laufruhe. Ducati hat einigen Aufwand - bei Einspritzung, Gemischbildung, Sekundärluftsystem - betrieben, um das zu verbessern. Der Testastretta geht angenehm ans Gas, fühlt sich schon um 3000/min wohl, deutlich unterhalb davon allerdings nicht. Schaltfaules Fahren ist weiterhin nicht die Paradedisziplin der Hypermotard.

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Stattdessen: quirlige, temperamentvolle Fortbewegung. Drei Versionen schickt Ducati im März in den Handel, mit dem klaren Ziel, aus dem einstigen Nischenmotorrad ein Erfolgsmodell großer Stückzahlen zu machen. Schon die Basismaschine für 11 495 Euro bringt das „Ducati Safety Pack“ (dreistufig einstellbares Bosch-Brembo-ABS und achtstufige Traktionskontrolle DTC) mit. Überdies stehen dem Piloten drei voreingestellte Fahrprogramme (Riding Modes) zur Verfügung, die auf Knopfdruck Leistungsentfaltung, Gasannahme, ABS- und DTC-Einstellungen verändern.

Die betont sportlich getrimmte Hypermotard SP für 14 895 Euro, ein Fall für die Rennstrecke, hat schärfer abgestimmte Riding Modes, ein höherwertiges Fahrwerk, andere Reifen, Alu- statt Stahllenker. Die Standard-Hypermotard übertrifft sie wegen verlängerter Federwege auch in Sachen Bodenfreiheit und Sitzhöhe. Letztere ist mit 890 Millimeter sehr stattlich. Beim Trockengewicht bleibt die SP dank geschmiedeter Räder und einigen Karbonteilen mit 171 Kilogramm vier Kilo unter der günstigeren Schwester.

Diesen beiden Varianten, die jetzt für eine erste kurze Probefahrt zur Verfügung standen, folgt mit der Hyperstrada (12 895 Euro) in wenigen Wochen eine dritte. Die bringt ab Werk Reiseausstattung wie Seitenkoffer (je 25 Liter), verbreiterte Sitzbank mit dickerem Polster, größeren Windschild, Sozius-Haltegriff, Hauptständer sowie zwei 12-Volt-Steckdosen mit und versucht, die gegensätzlichen Welten von Supermoto und Touring zu verschmelzen. Ducati spekuliert darauf, dass sich Kunden dafür interessieren, die sich so etwas wie eine kleinere Ausgabe des Reiseenduro-Flaggschiffs Multistrada 1200 wünschen.

Der Umzug des Auspuffs vom angestammten Zuhause unterm Sitz auf die rechte Fahrzeugseite schafft ebenfalls bessere Voraussetzungen für den Transport von Gepäck und Beifahrer, trägt zu einem günstigeren Gesamtschwerpunkt bei und ermöglicht nicht zuletzt eine luftigere, noch frechere Gestaltung des Hecks. Dem Klang - trocken, dunkel, trommelnd - hat das nicht geschadet. Da sind wir noch immer ganz Ohr.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 01.03.2013, 06:00 Uhr

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