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Ducati Hypermotard 1100 Verstehen Sie Spaß?

27.10.2007 ·  Vor zwei Jahren noch auf dem Mailänder Salon angebetet und nun in Schräglage auf unseren Straßen: Das „Funbike“ und Designstück Hypermotard 1100 von Durati. Spaß ohne Ende beschrieben von Walter Wille.

Von Walter Wille
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Neulich überkam uns mit einem Mal so ein Gefühl der Leere. Nein, keine herbstliche Depression, es lag nicht an aufkommenden Zweifeln am Sinn des Lebens. Dieses Gefühl trat auch nur im rechten Fuß auf, unterwegs mit der Ducati Hypermotard 1100. Der Bremsfuß trat nämlich immer halb ins Leere. Beim genauen Hinsehen zeigte sich, dass ein ziemlich großes Stück des Fußbremshebels fehlte. Weggeraspelt! Zwar ist es normal, dass Testmotorräder in der Hand von Motorradtestern Schleifspuren an jenen Bauteilen bekommen, die in Schräglage zuerst aufsetzen - die probieren halt, was geht. Aber dass so viel Materie auf der Strecke bleibt, ist nicht üblich. Es zeigt erstens: Die Schräglagenfreiheit der Ducati ist nicht grenzenlos. Und zweitens: Man traut sich was mit ihr. Einige Burschen hatten ihren Spaß damit.

So soll es sein, schließlich zählt die Hypermotard zu den „Funbikes“. Zur Erinnerung: Motorradfahren hat schon Spaß gemacht, als es noch keine Funbikes gab. Doch seit einiger Zeit wächst der Klub jener Krafträder, die den Spaß zum alleinigen Programm erhoben haben und es dafür mit den schnöden Alltagsdiensten nicht so ernst nehmen. Windschutz, Spritzschutz, Reichweite, Gepäcktransport? Das muss man mit Humor nehmen. Das glamouröseste unter den Funbikes ist diese Supermoto von Ducati. Eine reinrassige Fahrmaschine, ein Model der Magergeneration. Italiens Modeschöpfer sind die kreativsten, was sich allein schon an jenem flachen Designstück hinterm Sitz zeigt, das in Personalunion Spoiler, Rücklicht und Soziusgriff ist. Oder an den aufsehenerregenden Klapp-Rückspiegeln außen an den Lenkerenden, an den Blinkern, die in die Handschützer integriert sind.

Die Welt ist auf die Knie gesunken

Die Hypermotard tauchte im November 2005 als Studie auf dem Mailänder Salon auf, und wenn die Schilderungen von Augenzeugen nur halbwegs zutreffen, ist damals die Welt auf die Knie gesunken, hat Ducati angefleht, das Motorrad bitte, bitte genau so in Serie gehen zu lassen. Jetzt ist es da: ohne jeden Ballast, reduziert aufs Wesentliche, schlank, filigran, charismatisch, rot. Mit vollem Tank (dürftige 12,4 Liter) wiegt es lediglich rund 195 Kilogramm. Angesichts der Abstimmung der Maschine auf geradezu spielerisches Handling ergibt sich unterwegs ein Erlebnis frappierender Leichtigkeit und Agilität, gefördert noch durch den breiten Lenker sowie die extrem zum Vorderrad orientierte, aufrechte Sitzposition. Ein Muster an neutralem Kurvenverhalten ist sie nicht, die Ducati, ein Spezialwerkzeug zum Geradeausbolzen auf der Autobahn ebenso wenig. Aber kaum zu überbieten beim Hakenschlagen im Hinterland.

Ducati hat es gut gemeint und uns die edle S-Variante der Hypermotard anvertraut. Von der 11.500 Euro kostenden Standardversion unterscheidet sie sich durch Öhlins- statt Sachs-Federbein, aufgewertete Telegabel, einteilige Bremssättel, leichtere Schmiederäder, großzügigen Einsatz von Kohlefaser-Bauteilen und 2.000 Euro Aufpreis. Wenn sie in dieser Konfiguration durchs Mittelgebirge weht, fühlt sie sich an wie ein hochfein eingestellter Kurven- und Asphaltsensor. Altbekannte Wege sieht man plötzlich mit anderen Augen, wundert sich, was möglich ist, mag kaum glauben, dass der Motor eine Nennleistung von „nur“ 66 kW (90 PS) bei 7.750 Umdrehungen je Minute hat. Im Stadtverkehr, bei niedrigen Drehzahlen, läuft der luftgekühlte, 1078-Kubik-V-Twin etwas unruhig, lässt Lastwechsel spüren, für die Landstraße aber ist er ideal. 103 Newtonmeter Drehmoment erreicht er bei 4.750/min.

Spaß ohne Ende

Ungemein druckvoll in der Drehzahlmitte, begeisternd im Durchzug treibt er die italienische Grazie an, mit spürbarem Puls, aber vibrationsfrei, mit trommelndem Bass und noch akzeptablem Durst: Wir bewegten die Hypermotard im Schnitt mit knapp sechs Liter Super auf 100 Kilometer. Die Zahnräder des Sechsganggetriebes finden leicht und geräuschlos zueinander. Die Brembo-Bremsanlage mit Radial-Zangen und -Pumpe ist von heftigster Wirkung und waffenscheinpflichtiger Schärfe. Man gewöhnt sich eilig die Handhabung der Vorderradstopper mit nur einem Finger an. Das reicht. ABS gibt es nicht. Ebenso wenig einen Hauptständer. Die tollen Rückspiegel sind todschick, aber echte Spaßvögel, wenn sie gebraucht werden: schütteln sich, verstellen sich von ganz allein, verbreitern das Fahrzeug erheblich, müssen angeklappt werden, wenn es eng wird, streifen Hindernisse, wenn man das vergisst.

Das so spartanisch aussehende Motorrad ist keineswegs unkomfortabel, taugt für ausgedehnte Touren. Der Fahrer sitzt bequem wegen des guten Polsters, unverkrampfter Armhaltung und angenehmen Kniewinkels dank recht niedrig angebrachter Fußrasten, sogar der Beifahrerplatz ist recht großzügig. Spaß ohne Ende also. Für uns war aber mit einem Mal Schluss, als sich beim Kilometerstand von gut 5.000 die Halterung von Kennzeichen und Blinker vom Heck abschüttelte und nur noch am Elektrokabel hing. Ein Fall für die Werkstatt. Bei der Gelegenheit können sie gleich den Fußbremshebel erneuern. Wir haben ein weiteres Stück davon abgeraspelt. Es ist jetzt wirklich Zeit für einen neuen.

Quelle: F.A.Z., 23.10.2007, Nr. 246 / Seite T4
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