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Dodge Viper Die Schlange wird noch giftiger

Seit 1992 ist die Dodge Viper neben der Chevrolet Corvette der amerikanische Sportwagen schlechthin. Jetzt kommt die fünfte Generation des V10-Boliden auf den Markt. Erste Probefahrt.

© Jürgen Zöllter Vergrößern Frisch gehäutet: Die neue Viper ist das stärkste Serien-Auto mit Saugmotor

Es kommt nicht oft vor, dass jemand Sergio Marchionne widerspricht. Ralph Gilles tat es und sitzt noch immer im Sattel oder besser, im Schalensitz der neuen Viper SRT. Doch der Reihe nach:

Schon fürs Jahr 2009 wurde den Fans der amerikanischen Sportwagen-Ikone Dodge Viper SRT-10 ein völlig neues Nachfolgemodell versprochen. Es blieb zunächst aus, weil Fiat-Chef und Chrysler-Sanierer Marchionne umfassende Synergien zwischen beiden Marken auch im Sportwagenbau wünschte, das SRT-Team um seinen Präsidenten und Chefdesigner Gilles aber vergeblich versuchte, dem zu entsprechen.

Schließlich lehnte Gilles ab: Die neue Viper auf die technische Basis des Alfa Romeo 8C zu stellen hieße, den typischen tiefen Schwerpunkt aufzugeben, verteidigt er die Entscheidung. Am Ende war Marchionne überzeugt, und der Freigabe stand nichts mehr im Weg. Jetzt fährt die neue Viper unter eigenem Markennamen (ohne Dodge) als SRT Viper und SRT Viper GTS in fünfter Generation in den Markt. Die wichtigste Neuigkeit: Sie ist die Dampflokomotive im Gehege der Hochleistungsportwagen geblieben.

Wildes Tier mit elektronischem Assistenten

Die neue Giftschlange hat sich zu einer noch exzentrischeren Form gehäutet, mit extrem breiter Spur (1,60 Meter vorn, 1,57 hinten), sehr langem Vorderwagen und knappen Überhängen. „Sie sind jetzt kürzer als am Porsche 911“, schwärmt Gilles. Auch in der fünften Generation bläst die Viper das Hirn des Fahrers frei, sobald dessen Gasfuß es will. Wenngleich die Schlangenbrüter erstmals der Versuchung erlegen sind, das wilde Tier mit Hilfe elektronischer Assistenten zu zähmen.

Man entert die neue SRT Viper über breite Seitenschweller, fällt tief hinab in spartanisch gepolsterte Sitzschalen. Die Türen öffnen weiter als bisher. Man sitzt jetzt noch zwei Zentimeter tiefer. Alle Karosserieteile über einem Skelett aus hochfestem Stahl und Magnesium bestehen aus leichter Kohlefaser, die Türen sind aus Aluminium. Das spart 45 Kilogramm Gewicht bei gleichzeitig 50 Prozent höherer Steifigkeit. Die leichteste SRT bringt es dennoch auf knapp 1,5 Tonnen.

Wenngleich der fürs Interieur verantwortliche Chefdesigner Klaus Busse von mehr Bewegungsfreiheit am Lenkrad schwärmt, kauert man zwischen Mitteltunnel und Tür nach wie vor beengt. Die Anmutung des Fahrgastraums erinnert erstmals nicht an billige Mietwagen, sondern, weil beledert im Laguna-Trimm, immerhin an einen britischen Morgan Plus 8.

Die Giftschlange schüttelt sich

Mit Druck auf den Anlasser schüttelt die Giftschlange ihren Vorderwagen, dann erwacht ihr mächtiges V10-Aluminiumtriebwerk zum Leben. Aus 8,4 Liter Hubraum schöpft es 477 kW (649 PS). 814 Newtonmeter Drehmoment wuchtet der stärkste Serien-Saugmotor der Welt auf die Kurbelwelle. Er beschleunigt die SRT Viper bis auf 332 km/h im sechsten Gang. Imposant auch ihr Leistungsgewicht: Es liegt unter dem des Lamborghini Aventador.

Niemals lenkte eine Viper so spontan ein wie die neue, was überwiegend der breiteren Spur vorn und der leicht modifizierten Hinterachs-Geometrie mit weicheren Stabilisatoren geschuldet ist. Aus Kurven heraus hat sie ihre Unberechenbarkeit verloren, sie bleibt deutlich spurtreuer. Nicht zuletzt, weil erstmals ein mehrstufiges, elektronisch geregeltes Traktionssystem mit Stabilitätskontrolle verbaut wird. Die Elektronik lässt selbst in der Normalstellung Adrenalin fördernde Hüftschwünge zu, jedoch ohne ein Überholen des Hecks zuzulassen.

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Die Kundenfreundlichkeit des Viper-Teams geht sogar soweit, den Sportwagen erstmals als SRT für weniger spielfreudige Piloten und als rund 15.000 Euro teurere „SRT GTS“ für experimentierfreudigere Kunden anzubieten. In beiden Modellen lässt sich die Traktionskontrolle abschalten, doch die GTS erlaubt darüber hinaus, diese zu modulieren (Normal, Sport, Track, Off). Und während die SRT Viper mit optionalem Track Package härtere Druck- und Zugstufen bietet, kann der GTS-Pilot auf Knopfdruck aus der noch breiteren Spreizung zwischen einer komfortablen Straßen- und der sehr trockenen Rennstreckenabstimmung wählen. Die Systeme dazu stammen von Continental. Optisch unterscheiden sich die Vipern durch zwei (SRT) oder sechs Lufteinlässe (SRT GTS) in der Motorhaube.

Am Ende nutzt das neue Modell doch noch zwei Bauteile aus dem nach Selbstbedienung schreienden amerikanisch-italienischen Konzernbaukasten und stellt Sergio Marchionne zufrieden: Der TFT-Bildschirm im Cockpit stammt aus dem Alfa-Giulietta-Derivat Dodge Dart, und die Sitzschalen von Sabelt tragen neben Ralph Gilles und die Freunde rauher automobiler Herzlichkeit auch die meist feinfühligeren Ferrari-Kunden.

Für Kunden in Europa bleibt die Viper, die in Amerika zu Preisen von 78.000 bis 96.000 Dollar auf den Markt kommt, ein wahrhaftiges Sonderangebot. Grund genug für die europäische Fiat-Handelsorganisation, sie Ende 2013 im hiesigen Hochpreismarkt mit saftigem Aufpreis aufzuhübschen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 25.12.2012, 13:23 Uhr

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