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Der Porsche Cayenne GTS Schwabendisko

Es gibt Lücken, die gibt es gar nicht. Wer da rein will, muss auffallen. Das gelingt dem Porsche Cayenne GTS bis an den Rand des Erträglichen bestens. Ein Fahrtbericht.

© Stefan Warter/Porsche AG Vergrößern Der Cayenne GTS schließt eine Angebotslücke zwischen der S- und der Turboversion

Dass es den Cayenne gibt, ist wahrlich keine unternehmerische Fehlentscheidung. Der mächtige Geländewagen hat sich zum Topseller von Porsche entwickelt, und in seiner jüngsten Form gestalterischer Retusche findet er noch mehr Wohlgefallen, obgleich es weiterhin Fans des alten, rustikalen Designs gibt. Sei’s drum, Porsche fächert seine Baureihen immer weiter auf bis an die Grenze der Unübersichtlichkeit, und auch vom Cayenne gibt es mittlerweile acht Versionen, die manchmal nur ein paar PS auseinanderliegen. Irgendwo in der Mitte zwischen dem kräftigeren Benziner im Cayenne S und dem Turbo muss eine 309 kW (420 PS) starke Lücke erkannt worden sein, die so ohne weiteres nicht zu erkennen ist. Es sei denn, der Cayenne GTS fährt vor.

Frank-Holger  Appel Folgen:  

Sein Dasein lässt sich zweifelsfrei leichter von jenen ertragen, die einen Hang zu martialischem Auftritt haben. Es ergeben sich ungeahnte Dialoge: „Dieses Angeberauto braucht kein Mensch“ (Mann!). „Waaaassss, der sieht doch total scharf aus“ (Frau!). Aus seinen Ambitionen macht dieser Porsche nie ein Hehl. Man sagt, vor allem Wladimirs Freunde liebten so etwas. Die Tagfahrlichter sind Kugeln aus der Disko, nur greller. Der Kühlerschlund verschlingt gerne Kleinwagen im Ganzen und wirft sie unversehrt durch einen der tunnelröhrengroßen Auspuffe wieder aus.

Hoher Verbrauch im Stadtverkehr

In der Mitte der Front prangt wie das dunkle Auge der Macht das Abstandsradar, wer es gut meint, könnte einwerfen, das sei am neuen VW Golf auch so, und es sei doch schick, wenn Technik sichtbar gemacht werde. Morgendliches Anlassen weckt den Stadtteil, weil der GTS nicht einfach nur anspringt, sondern sogleich per automatischem Gasstoß ein Fass Kraftstoff seiner explodierenden Bestimmung zuführt. Die Fans unter den Nachbarn hängen dann ihre Banner mit dem Stuttgarter Wappen aus dem Fenster, die anderen reden nicht mehr mit uns.

Schön an Porsches generell ist die Tatsache, dass sich mit ihnen ohne Ruckeln durch Tempo-30-Zonen zuckeln lässt, so auch mit dem Cayenne GTS. Unter Verabreichung mittlerer Mengen an Lokalanästhetikum sinkt sogar der Verbrauch in Regionen, die sich als nahezu einstellig bezeichnen lassen. Andererseits sind im Stadtverkehr mit seinen ungezählten Ampelstarts ohne Schwierigkeit Verbrauchswerte um Herz-Kreislauf-gefährdende 19 Liter möglich. In jedem Fall vertieft sich die Freundschaft zum Tankwart, einmal voll bedeutet die Überreichung von 160 Euro. Bevor jemand nachrechnen muss: 14,8 Liter Super flossen im Durchschnitt aus dem Tank, man kann auch mehr schaffen. Immerhin sind trotz Leichtbaus zwei Tonnen Lebendgewicht zu bewegen, und weil acht Zylinder mit 515 Nm Drehmoment unter der Haube auf ihre Freilassung warten, sind spätestens dann alle nachhaltig guten Vorsätze dahin, sobald das Ortsschild passiert ist.

Gelassen unterwegs in höheren Bereichen

Bricht der Orkan los, ist es von gewissem Vorteil, hie und da einen Blick auf den Tachometer zu werfen, bevor die Flensburger Emissäre nach dem Lappen greifen. Auf seine Ohren könnte sich der Pilot vielleicht verlassen, wäre er nicht binnen kurzer Zeit von dem sonoren Sound benebelt. Wer an kraftvollen, sich nicht verstellenden Autos keinen Spaß hat, ist hier falsch. Wer daran Spaß hat, ist indes goldrichtig. Aus dem Stand auf hundert vergehen 5,7 Sekunden. Noch wichtiger mag, falls mal ein Lufthansa-Jet überholt werden muss, der Durchzug von 80 auf 120 km/h sein, der in 3,8 Sekunden erledigt ist. Das extra scharf gewürzte Achtgangautomatikgetriebe wirft die nächste Stufe mit sanfter Entschlossenheit und feiner Präzision ein. Es soll verbrauchsmindernde Gene in sich tragen, wir glauben das mal.

Bild / Porsche Chayenne GTS Innen Das Cockpit des Cayenne GTS © Hersteller Bilderstrecke 

Als Höchstgeschwindigkeit gibt Porsche 261 km/h an, was unser Testexemplar als leichte Beleidigung aufgefasst und per Bordcomputer 267 km/h gemeldet hat. An dieser Stelle sei an die Vernunft der Eigner appelliert, im GTS ist man schnell zu schnell, elektronische Regelsysteme hin oder her. Geradezu erschreckend ist die Gelassenheit, mit welcher der mächtige Cayenne in den höchsten Geschwindigkeitsregionen unterwegs ist. Nur die Windgeräusche nehmen störend zu, so einem rasenden Scheunentor fehlt es eben doch an Schlüpfrigkeit.

Gut in der Kurve mit viel Stauraum

Allradantrieb und die brettharte Abstimmung, die schon im Modus „Normal“ des einstellbaren Fahrwerks die handwerkliche Kunst des Zahnarztes einer schweren Prüfung unterzieht, sind Garanten für sauberen Geradeauslauf und außergewöhnlich hohe Kurvengeschwindigkeiten. Wer auf die Bremse tritt, merkt, dass schweres Geschütz unterwegs ist, aber auch, warum Porsche in dieser Disziplin traditionell Bestnoten erhält. Irgendwie deppert ist die Möglichkeit, den Geländewagen auf Geländewagenniveau hochzupumpen, gleichzeitig aber den Sportmodus aktivieren zu können. Wir haben es angesichts des Preisschilds von 137 529 Euro unterlassen, die sportliche Tauglichkeitsprüfung abseits befestigter Pisten abzunehmen. Jetzt nicht erschrecken, den GTS gibt es schon von 90 774 Euro an, aber wer will sich schon mit der Grundausstattung zufriedengeben.

Blieben noch einige Worte zur praktischen Seite. Es sitzt sich im Cayenne hoch und bequem und mit schöner Übersicht, einfach gut. Auch der Zustieg auf die hinteren Plätze gelingt ohne Verrenkungen. Zur Erfüllung allfälliger Transportaufgaben eignet sich das ausreichend große Gepäckabteil, dessen Erweiterung durch einfaches Umlegen der Rückbank möglich ist, das dann aber keine ebene Fläche feilbietet. Unter dem Ladeboden wäre eigentlich weiterer Platz, weil ein Reserverad nicht an Bord ist, doch in dessen Raum haust ein größerer Teil der Burmester-Musikanlage, die auch im Cayenne wieder vorzüglichen Klang abliefert. Etwas zu mäkeln wäre dann aber doch: Die Taste zur Bedienung der elektrischen Heckklappe liegt genau an der zuständigen Beleuchtung, die nachts so ins Auge sticht, dass die Taste nicht mehr erkennbar ist. Und sonst? Man könnte einen Porsche Cayenne Diesel nehmen, der ist vernünftiger als der GTS. Ja, vernünftiger wäre der wohl.

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Quelle: F.A.Z.

 
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