Home
http://www.faz.net/-gya-79ioa
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

China Der teuerste BMW 7er aller Zeiten

Robert Cao ist einer der 200 reichsten Männer in China. Deshalb fährt er auch kein normales Auto, sondern einen BMW 760iL. Allein die Goldintarsien haben 25.000 Euro gekostet.

© Debus Vergrößern Den azuritschwarzen Sonderlack erkennen nur Kenner. Die 9 ist wichtig

Keine Angst vor harter Arbeit, sich nicht unterkriegen lassen und immer ein bisschen mehr tun als die anderen - mit dieser Lebensweisheit hat es die chinesische Familie Cao weit gebracht. Ziemlich weit sogar. Denn statt wie einst sein Vater in einer Hinterhoffabrik für Christbaumkerzen sitzt sein Sohn Robert jetzt im Fond eines BMW 760iL und schaut auf genau jene Lebensweisheit, die als Intarsie aus massivem Gold in die Pianolack-Konsolen der Luxuslimousine eingelassen wurde.

Das ist aber nicht das einzige Extra an dem Münchner Dickschiff. Jedes, aber wirklich jedes Fitzelchen Kunststoff, das im Serienmodell noch zu sehen ist, hat Cao nachträglich beziehen lassen: Der Wählhebel, die Lüftungsdüsen und die Becherhalter, die unteren Teile von A- und B-Säulen, Kleiderhaken, Haltegriffe, Schminkspiegel, Monitor-Rahmen und der Griff des Handschuhkastendeckels - all das trägt jetzt wie die mit Goldfäden vernähten Sitze ein weiches, warmes Leder in Amaro-Braun. Wohin man blickt, sieht man Zierleisten mit Pianolack, und selbst das Lenkrad hat Holzintarsien bekommen. Dieser individuelle Geschmack hat seinen Preis: Allein die Goldintarsien haben 25000 Euro gekostet, die Lederarbeiten schlugen mit 30000 Euro zu Buche. Mit Steuern und Gebühren hat Cao am Ende rund 3,6 Millionen RMB oder nach damaligem Kurs umgerechnet rund 360000 Euro an die M GmbH überwiesen, die seine Limousine binnen eines Jahres zum Einzelstück aufgerüstet hat. „Das sind allein 100000 Euro für die Individualisierung und macht den Wagen zum teuersten Siebener aller Zeiten“, bestätigt ein Sprecher in München.

24581852 © Debus Vergrößern Robert Cao sitzt hinten, im Fond des BMW 760 iL.

Cao kann das verschmerzen. Schließlich ist aus der Produktion von Christbaumkerzen mittlerweile ein gigantisches Industriekonsortium geworden. Der 44-jährige Chinese ist Immobilienmagnat, betreibt Hotels, Restaurants und Einkaufszentren und baut Krankenhäuser. Er ist Partner in Gemeinschaftsunternehmen und Industriezulieferer für Kunststoffteile, fertigt Komponenten für Windkraftanlagen, baut Verpackungsmaschinen für Amerika - und zählt zu den 200 reichsten Chinesen. Da kann man sich seinen Siebener auch ein bisschen vergolden lassen.

Übernommen hat der Geschäftsmann die Limousine zwar vor drei Jahren ganz normal vom Händler in Peking. Doch bestellt und besprochen hat er ihn in München persönlich - schließlich ist er ohnehin alle paar Wochen in Deutschland und hat in Düsseldorf mittlerweile einen zweiten Wohnsitz. An den Termin bei der M GmbH in Garching erinnert er sich noch gut: „Wir haben lange zusammengesessen und überlegt, was und wie man es machen kann“, sagt Cao. Fast alles war möglich, ein paar Wünsche blieben unerfüllt, und an einem Punkt musste er den Kunsthandwerkern in der M-Manufaktur sogar selbst zur Hand gehen. „Für die chinesischen Schriftzeichen gab es keine Vorlage, die haben sie mit meiner Hilfe von Hand gezeichnet, bevor sie im Holz eingearbeitet wurden“, erzählt der Industrielle in fließendem Deutsch mit wunderbar singendem Akzent.

Innen ist der Siebener ein Prunkschiff. Doch von außen sieht der Wagen eher unscheinbar aus. Den azuritschwarzen Sonderlack können nur Kenner unterscheiden, und auf Standarten oder anderen Zierrat hat Cao verzichtet. „Wir tragen den Pelz lieber nach innen“, sagt der Milliardär. Doch dass in diesem Auto kein Allerweltsreicher fährt, erkennen zumindest Chinesen schon am Kennzeichen B PY 999. „Die Neun steht in China für Macht.“

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fahrbericht BMW 218d Active T. Das ist der Vansinn

Der erste Dreizylinder, der erste Frontantrieb, das erste Nutzfahrzeug. Vor der Fahrt konnten wir kaum glauben, dass dies die Zukunft von BMW sein soll. Hinterher auch nicht. Mehr Von Holger Appel

26.02.2015, 16:50 Uhr | Technik-Motor
Goldene Runkelrübe Louis Internet

Besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht, war hier wohl der Vater des Gedanken. Hier wird versucht, die EDEKA-Werbung zu kopieren (zumindest wird dieser Eindruck erweckt). Da ist von supergeilen Stellenangeboten die Rede, die dieses Unternehmen bietet, was daran so supergeil ist, bleibt leider offen und wird auch nicht auf der Website beantwortet. Fazit: Nicht supergeil, sondern superschlecht. Mehr

02.12.2014, 10:19 Uhr | Wirtschaft
Designerin Iris von Arnim Sie hat durchgehalten

Iris von Arnim ist eine Designerin – und sie ist eine Marke. Eine überaus erfolgreiche im hart umkämpften Modemarkt. Und das seit 35 Jahren. Mehr Von Anke Schipp

03.03.2015, 10:34 Uhr | Stil
Bayern-Trainer stimmt mit ab Auch Pep Guardiola für autonomes Katalonien

Am Sonntag waren im Nordosten Spaniens die Bürger der autonomen Gemeinschaft Katalonien zur symbolischen Abstimmung über die Unabhängigkeit ihrer Region aufgerufen. Selbst FC-Bayern Trainer Pep Guardiola ließ sich seine Teilnahme nicht nehmen und stand brav in der Schlange an. Mehr

10.11.2014, 17:07 Uhr | Politik
FSV Frankfurt Der Höhenflug des FSV

In der Rückrunde der Zweiten Fußball-Bundesliga ist keine Mannschaft erfolgreicher als Frankfurt. Siege gegen Nürnberg, Leipzig und Kaiserslautern sind die Frucht harter Arbeit. Eine Analyse. Mehr Von Jörg Daniels

24.02.2015, 08:18 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.06.2013, 07:00 Uhr

Vive la révolution

Von Holger Appel

Der Hybridantrieb, mithin die Ehe aus Verbrennungsmotor und Elektromaschine, sei nur eine Übergangstechnik, ließ Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn lange Zeit verbreiten. Mehr 3

Hinweis
Die Redaktion