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China Der teuerste BMW 7er aller Zeiten

Robert Cao ist einer der 200 reichsten Männer in China. Deshalb fährt er auch kein normales Auto, sondern einen BMW 760iL. Allein die Goldintarsien haben 25.000 Euro gekostet.

© Debus Den azuritschwarzen Sonderlack erkennen nur Kenner. Die 9 ist wichtig

Keine Angst vor harter Arbeit, sich nicht unterkriegen lassen und immer ein bisschen mehr tun als die anderen - mit dieser Lebensweisheit hat es die chinesische Familie Cao weit gebracht. Ziemlich weit sogar. Denn statt wie einst sein Vater in einer Hinterhoffabrik für Christbaumkerzen sitzt sein Sohn Robert jetzt im Fond eines BMW 760iL und schaut auf genau jene Lebensweisheit, die als Intarsie aus massivem Gold in die Pianolack-Konsolen der Luxuslimousine eingelassen wurde.

Das ist aber nicht das einzige Extra an dem Münchner Dickschiff. Jedes, aber wirklich jedes Fitzelchen Kunststoff, das im Serienmodell noch zu sehen ist, hat Cao nachträglich beziehen lassen: Der Wählhebel, die Lüftungsdüsen und die Becherhalter, die unteren Teile von A- und B-Säulen, Kleiderhaken, Haltegriffe, Schminkspiegel, Monitor-Rahmen und der Griff des Handschuhkastendeckels - all das trägt jetzt wie die mit Goldfäden vernähten Sitze ein weiches, warmes Leder in Amaro-Braun. Wohin man blickt, sieht man Zierleisten mit Pianolack, und selbst das Lenkrad hat Holzintarsien bekommen. Dieser individuelle Geschmack hat seinen Preis: Allein die Goldintarsien haben 25000 Euro gekostet, die Lederarbeiten schlugen mit 30000 Euro zu Buche. Mit Steuern und Gebühren hat Cao am Ende rund 3,6 Millionen RMB oder nach damaligem Kurs umgerechnet rund 360000 Euro an die M GmbH überwiesen, die seine Limousine binnen eines Jahres zum Einzelstück aufgerüstet hat. „Das sind allein 100000 Euro für die Individualisierung und macht den Wagen zum teuersten Siebener aller Zeiten“, bestätigt ein Sprecher in München.

24581852 © Debus Vergrößern Robert Cao sitzt hinten, im Fond des BMW 760 iL.

Cao kann das verschmerzen. Schließlich ist aus der Produktion von Christbaumkerzen mittlerweile ein gigantisches Industriekonsortium geworden. Der 44-jährige Chinese ist Immobilienmagnat, betreibt Hotels, Restaurants und Einkaufszentren und baut Krankenhäuser. Er ist Partner in Gemeinschaftsunternehmen und Industriezulieferer für Kunststoffteile, fertigt Komponenten für Windkraftanlagen, baut Verpackungsmaschinen für Amerika - und zählt zu den 200 reichsten Chinesen. Da kann man sich seinen Siebener auch ein bisschen vergolden lassen.

Übernommen hat der Geschäftsmann die Limousine zwar vor drei Jahren ganz normal vom Händler in Peking. Doch bestellt und besprochen hat er ihn in München persönlich - schließlich ist er ohnehin alle paar Wochen in Deutschland und hat in Düsseldorf mittlerweile einen zweiten Wohnsitz. An den Termin bei der M GmbH in Garching erinnert er sich noch gut: „Wir haben lange zusammengesessen und überlegt, was und wie man es machen kann“, sagt Cao. Fast alles war möglich, ein paar Wünsche blieben unerfüllt, und an einem Punkt musste er den Kunsthandwerkern in der M-Manufaktur sogar selbst zur Hand gehen. „Für die chinesischen Schriftzeichen gab es keine Vorlage, die haben sie mit meiner Hilfe von Hand gezeichnet, bevor sie im Holz eingearbeitet wurden“, erzählt der Industrielle in fließendem Deutsch mit wunderbar singendem Akzent.

Innen ist der Siebener ein Prunkschiff. Doch von außen sieht der Wagen eher unscheinbar aus. Den azuritschwarzen Sonderlack können nur Kenner unterscheiden, und auf Standarten oder anderen Zierrat hat Cao verzichtet. „Wir tragen den Pelz lieber nach innen“, sagt der Milliardär. Doch dass in diesem Auto kein Allerweltsreicher fährt, erkennen zumindest Chinesen schon am Kennzeichen B PY 999. „Die Neun steht in China für Macht.“

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