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Caravan-Salon Düsseldorf Wohnmobil oder Caravan - das ist hier die Frage

29.08.2008 ·  Das Angebot ist riesig: Wenn sich das Parkgelände der Düsseldorfer Messe in den größten Campingplatz Deutschlands verwandelt, dann ist Caravan-Salon-Zeit. Ab diesem Samstag dreht sich hier für eine Woche alles um die mobile Freizeit.

Von Monika Schramm
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Glaubt man den Freizeitforschern, würde ein großer Teil der deutschen Bevölkerung gern einmal Caravaning-Urlaub machen. Leider - oder glücklicherweise - verwirklichen nur deutlich weniger diesen Traum, denn sonst wäre es in der Ferienzeit auf den Campingplätzen noch voller. Die Hersteller klagen nicht, sie haben einige fette Jahre hinter sich, die sie vor allem der wachsenden Beliebtheit von Reisemobilen verdanken. Diese haben die Wohnwagen bei den Neuzulassungen jetzt dauerhaft und nachhaltig überholt.

Das Angebot in den elf klimatisierten Hallen der Düsseldorfer Messe ist riesig: Zweitausend Fahrzeuge wollen besichtigt werden, viele Besucher werden zumindest einen Blick ins Innere der meisten werfen wollen. Da reicht ein Tag kaum aus, denn auch im Freigelände und in den Hallen für Zubehör und Touristik kann man sich stundenlang aufhalten, um zu stöbern, neue Ideen zu bewundern oder mit fachmännischer Miene zu verwerfen, denn ein echter Camper weiß, was Sache ist. Hier kann man „dem Volk so richtig aufs Maul schauen“, die Kommentare kommen schnell und treffend, da geht der Daumen nach dem ersten Rundumblick von der Eingangsstufe in den Wagen schon hoch oder runter, hier entscheidet sich, ob dem Blick der Schritt ins Innere folgt.

Entweder klein und sparsam oder Luxus pur

Für den Zug der Zeit gibt es derzeit wie bei Autos auch bei Reisemobilen zwei Richtungen: entweder klein und sparsam oder Luxus pur. Aber es sind nicht nur steigende Kraftstoffpreise oder etwa Umweltzonen, die den kleinen Mobilen Auftrieb geben, sondern auch ganz handfeste Führerscheingründe: Immer mehr jüngere Leute dürfen nur Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen bewegen, und außerdem kann man einen kompakten Kastenwagen durchaus als Alleinfahrzeug nutzen. Daher hat sich diese Klasse epidemieartig vermehrt, kaum ein Hersteller ist noch ohne, wer ihn nicht selber ausbaut, kauft ihn zu, denn der Kastenwagenausbau ist eine Kunst an sich und unterscheidet sich grundsätzlich vom üblichen Reisemobilbau. Hymer erweitert sein Angebot, Bürstner schickt den City Car ins Rennen, LMC den Tourer. Sie kommen alle aus einem Hymer-Werk im Elsass und haben als Basis den Fiat Ducato.

Auch viele der sogenannten teilintegrierten Modelle (klassische Zwei-Personen-Mobile), die nur ein kleines „Mützchen“ über dem Fahrerhaus tragen, bleiben unterhalb dieser Gewichtsgrenze und zudem diesseits der Sechs-Meter-Marke. Die ist eine Art Schallmauer, weil jenseits Einschränkungen etwa auf Fähren drohen. Außerdem wächst mit der Länge die Unhandlichkeit. Daher gibt es bei diesen Gattungen die meisten Neuheiten. Fendt hat eine schicke Baureihe aufgelegt, Hobby macht den Siesta Exclusive zum Nachfolger des legendären Modells 600, bei Dethleffs kommt der Globeline auf Mercedes-Benz. Ebenso beliebt sind die sogenannten Vans, besonders schmale und wendige Fahrzeuge mit automotiver Anmutung, die eigentlich besonders kompakte Teilintegrierte sind.

Küche ein Schwerpunkt bei Ausstattung und Design

Was ihnen an Länge und damit an Raum fehlt, machen sie mit einem erfindungsreichen Innenleben wett. Selbst hier gibt es mittlerweile Hubbetten, die an die Decke hochschwingen, unter festen Betten im Heck öffnen sich Garagen für Sperriges, in Kastenwagen kann man über die Hecktüren Fahrräder einladen, weil sich das dort installierte Bett seitwärts hochklappen lässt. Beim möglichst optimalen Ausnutzen des beschränkten Raums helfen neuerdings moderne Kraftstoffheizungen: Sie hängen unterflur, der Raum für eine große Gasflasche kann anderweitig genutzt werden, denn fürs gelegentliche Kochen reicht eine kleine.

In größeren Mobilen und in den Caravans ist die Küche derzeit ein Schwerpunkt bei Ausstattung und Design. Sie wird farblich abgesetzt, komfortabel ausgestattet, mit neuen Beleuchtungskonzepten ins rechte Licht gesetzt. Ganz wichtig: der riesige Kühlschrank. Offenbar brauchen die heutigen Camper 150-Liter-Boliden, wenn möglich, mit herausnehmbarem Eisfach. Da kommt mancher Zweipersonenhaushalt mit weniger aus. Wo das Gewicht keine Rolle spielt, können die Designer für Küche und Bad schwerere Materialien einsetzen, daher werden derzeit in der Luxusklasse quadratmeterweise Marmorarbeitsflächen, haushaltsübliche Duschwannen und gläserne Trennwände sowie Porzellan-Toiletten verbaut, selbst die Kassetten-Ausführungen für die Mittelklasse sind bereits aus diesem Material zu haben.

Andeutungen an die Zeiten des legendären Bulli

In der integrierten Oberklasse verschärft sich der Wettbewerb, denn der Flair von Niesmann & Bischoff tritt gegen einen technisch verwandten Hymer Liner an, auch von Dethleffs ist ein Liner angekündigt, alle in der Preisklasse um 150.000 Euro. Das wird Concorde zu spüren bekommen.

Womit sich die Hersteller beschäftigen, zeigen sie immer öfter in interessanten Studien. Thomas Fritz, der experimentierfreudige Geschäftsführer von Dethleffs, hat das Büro h&h design mit einem Entwurf für einen besonders kompakten Integrierten beauftragt, und Günter Hartmann hat den „Trapper“ abgeliefert, der auf dem Salon zu sehen sein wird: Außen mit Andeutungen an die Zeiten des legendären Bulli von VW, der genau in der Zeit populär war, als die heute angepeilte Kundschaft um 50 ihre prägenden Erfahrungen machte. Innen strotzt der nur 5,5 Meter lange Trapper vor innovativen Ideen, und selbst wenn er nie gebaut wird, dürfte doch die eine oder andere ihren Weg in die Serie finden. TEC zeigt eine Studie für das erste allradgetriebene Wohnmobil auf Basis des Ford Transit. Der Cross-Tec sieht noch recht martialisch aus, ist aber nicht für den Offroad-Einsatz gedacht, sondern eher für die nasse Wiese.

Das Interieur schwelgt in Mahagoni und Leder

Auch wenn der Wohnwagen langsam, aber sicher an Bedeutung verliert, lassen sich die Hersteller doch einiges einfallen. Bei Tabbert wird der Paganini Premiere haben, ein Luxus-Caravan mit allen Schikanen, der sich schon äußerlich mit seinem flächenbündigen schwarzen Fensterband vom Üblichen absetzt, Dethleffs hat an seinem Family Caravan ähnliche Designelemente verwendet. Dieser ist mit ungewöhnlichen Einrichtungsdetails wie herausnehmbaren Fächern auf die Bedürfnisse einer Familie hin optimiert, der Paganini spielt in der Luxus-Liga für das verwöhnte Camper-Paar. Das Interieur schwelgt in Mahagoni und Leder und soll Maßstäbe setzen. Am anderen Ende der Preisskala etwas Bemerkenswertes anzubieten ist dagegen viel schwieriger, aber Eifelland hat es geschafft: In den Lifestyle-Caravans gibt es eine moderne Lounge-Ausstattung wie nirgendwo sonst. Das war ein mutiger Schritt auf designorientierte junge Familien und Paare zu.

Wer in Düsseldorf nichts findet, muss es sich selber bauen (lassen). Und auch dafür findet man auf dem Salon die richtigen Ansprechpartner.

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Jahrgang 1950, Redakteurin im Ressort „Technik und Motor“.

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