23.05.2008 · Die Tendenz geht zur selbstzündenden Vielfalt: Ein Dieselmotor im Kabriolett ist keine Sünde mehr. Eher schon eine Verlockung. Denn das offene Auto und der Diesel sind wie geschaffen füreinander. FAZ.NET sagt Ihnen, warum das so ist.
Von Michael KirchbergerDer Selbstzünder hat sich längst als hoffähig erwiesen. Jetzt taugt er auch für die offene Gesellschaft und erobert die Cabrio-Szene. Kaum ein Hersteller bietet seine Offen-Versionen ohne den dieselnden Muskelmann an. Die Tendenz geht zur selbstzündenden Vielfalt. Fast alle Marken bauen das Angebot der Diesel weiter aus, zur leistungsstarken Maschine gesellt sich eine Basis-Motorisierung zu günstigerem Preis oder umgekehrt. Wir haben eine Übersicht der wichtigsten Modelle zusammengestellt.
Dabei ist es unerheblich, ob das Dach als Stahl und zum Klappen ist oder ob es sich um einen Hut aus Stoff handelt, der nach hinten gefaltet und verstaut wird. Der Diesel arbeitet im zweisitzigen Roadster, im knappen Minicabrio oder im opulenteren Viersitzer. Das ist nicht wirklich verwunderlich: Die einstigen Diesel-Nachteile wurden von der technischen Entwicklung ausgemerzt, und die Vorteile dieser Motorart putzen besonders das offene Auto. Weil hier ohnehin Gleiten statt Hetzen angesagt ist, legt sich der Diesel mit artentypisch niedrigen Drehzahlen und hohen Durchzugswerten ins Zeug.
Eine ganze Reihe italienischer Momente
Daraus resultiert eine entspannte und entspannende Form des Fahrens. Mit der Folge, dass niedrige Verbräuche und große Reichweiten entstehen. Zudem laufen moderne Diesel zunehmend vibrationsärmer und leiser, und nur selten weht ein sanfter Duft des zur Verbrennung geeigneten Öls in das offene Auto. So zwingt der geringere Verbrauch allenfalls zum Zweck des Sonnencreme-Kaufs an die Tank-Station. Und der Langstrecken-Bonus kommt beim Überbrücken von Distanzen voll zum Tragen. Denn reisetauglich sind die meisten Cabrios der Neuzeit allemal, selbst wenn sie „nur“ ein Stoffverdeck haben. Mehrere textile Lagen reduzieren Windgeräusche zuverlässig.
Bei Alfa Romeo heißt das Offenfahren Spider. Und der birgt eine ganze Reihe italienischer Momente. Mit einem sportlich gestalteten Armaturenbrett, viel Leder und zwei Sitzen. Deshalb darf man den Alfa auch Roadster nennen: Sein Dieselmotor liefert in Verbindung mit dem manuellen Sechsganggetriebe 154 kW (210 PS). Die Automatikversion bringt es nur auf 147 kW (200 PS), Planetensatz und Wandler vertragen nicht das volle Pfund. Typisch sind die beiden Höcker hinter den wohlgeformten Sitzen, zusammen mit den beiden Edelstahlbügeln sollen sie bei einem Unfall die Insassen schützen. Der Frontantrieb erhöht nicht gerade die Handlichkeit, er mindert das pure Roadster-Gefühl, zumal der Diesel schwer auf der Vorderachse lastet. Dennoch ist der Alfa ein Genuss für den italophilen Chauffeur.
Audi A4 Cabrio in drei verschiedenen Dieselangeboten
Formal in gewohnter Strenge präsentiert Audi seine offenen Autos. Der A3, noch ganz frisch, steht in zwei selbstzündenden Leistungsstufen bereit: 1,9 Liter Hubraum sind gut für 77 kW (105 PS), aus der Zweiliter-Maschine galoppieren 103 kW (140 PS). Das Stoffverdeck liegt ordentlich und wie ein „Z“ zusammengefaltet und mit einer Abdeckung hinter den vier Sitzen des Innenraums, im Basismodell wird es manuell geöffnet, in der rund 800 Euro teureren, höheren Ausstattungsversion übernimmt die Arbeit ein Elektromotor. Im Fond ist das Platzangebot knapp bemessen, der Radstand von nur 2,58 Meter fordert Tribut. Alltagstauglichkeit verleihen dem A3 Cabrio umklappbare Rückenlehnen. Von 260 auf 674 Liter kann das Kofferraumvolumen so gesteigert werden. Für Insassenschutz sorgen feststehende Überrollbügel.
Gleich mit drei verschiedenen Dieselangeboten gibt es den vollwertigen Viersitzer, das Audi A4 Cabrio. Das Leistungsspektrum beginnt bei 103 kW (140 PS) mit dem Zweiliter-Vierzylinder, die V6-Maschinen mit 2,7 und drei Liter Volumen bringen es auf 132 kW (180 PS) und 171 kW (232 PS). Die Spitzenversion ist mit permanentem Allradantrieb kombiniert, statt des manuellen Sechsganggetriebes kann die sechsstufige Tiptronic gewählt werden. Ungewöhnlich ist die stufenlose Multitronic, die zum 2,7-Liter-V6 gehört. Das aktuelle Modell basiert noch auf der vorigen Generation des A4, was seiner Attraktivität freilich keinen Abbruch tut. Den Dieselpartikelfilter gibt es in allen Versionen serienmäßig.
Keiner ist umfangreicher als der Bayer
Das umfangreichste Angebot von Diesel-Cabrios ist im Portfolio der zweiten Bayern-Marke zu finden. BMW stattet gleich drei Baureihen, die 1er-, 3er- und 6er-Serie, mit selbstzündenden Maschinen aus. Der Jüngste im Trio ist das 1er- Cabrio, hier sorgt ein Zweiliter-Vierzylinder mit 130 kW (177 PS) für nachhaltigen Vortrieb. Die Münchner Leistungsgesellschaft markiert den Rekordwert in der Kompaktklasse. Auch im 3er-BMW steht dieses Triebwerk zur Wahl, außerdem gibt es zwei Reihensechszylinder mit drei Liter Hubraum und 145 kW (197 PS) im 325d und 170 kW (231 PS) im 330d. Das 3er-Cabrio ist zum ersten Mal mit einem soliden Blechdach ausgestattet, im 1er und beim 6er schützt ein Stoffverdeck vor dem Wetter. Der 6er tritt mit dem auf 210 kW (286 PS) erstarkten Reihensechser im Dieselformat an, die tailliert geschneiderte Stoffmütze zeichnet sich durch zwei Finnen hinter den C-Säulen aus und hat eine elektrisch versenkbare Heckscheibe.
Der cabriofahrende Dieselfreund wird sogar bei Chrysler fündig. Die amerikanische Marke hält das mittlerweile in Ehren ergraute Sebring Cabrio vor. Motorisiert ist es mit einem Zweiliter-Vierzylinder, der es auf 110 kW (150 PS) bringt. Citroën nennt seine offene Version des C3 nicht etwa Cabrio, sondern schmückt ihn mit dem hübschen Namen Pluriel. Der Umbau vor dem Offenfahren ist eher umständlich, das Stoffverdeck öffnet elektrisch, dann aber müssen zwei mächtige Holme entfernt werden, die bei vier Insassen nur in einer wohlbemessenen Garage sicher gelagert werden können. Wenn dunkle Wolken drohen, bleibt das Dach also besser zu. 50 kW (68 PS), erarbeitet von einem 1,4-Liter-Diesel, müssen dem leichten Kompakt-Cabrio genügen.
Peugeot zeigt Zähne
Mit einem Stahldach ist das Ford Focus Cabriolet ausgerüstet. Es ist der einzige offene Ford und wird von einer Zweiliter-Maschine mit 100 kW (136 PS) angetrieben.
In der CLK-Klasse findet sich das Cabrio-Angebot von Mercedes-Benz. Der Viersitzer ist zumindest als Diesel nur in einer einzigen Version zu haben, im 320 CDI arbeitet ein V6-Motor mit 165 kW (224 PS). Die Stern-Marke übt sich bei der Cabrio-Ausstattung mit einem einzigen Selbstzünder in vornehmer Zurückhaltung. Selbst bei Opel wird mehr Vielfalt geboten. Zwei Sitze und 51 kW (70 PS) gibt es im Tigra Twin Top Diesel, der kleine Roadster ist damit flott unterwegs. Kräftiger ist das Astra Cabrio motorisiert. 110 kW (150 PS) liefert der 1,9-Liter-Vierzylinder. Beide offenen Opel haben Stahldächer, die elektrisch zusammengefaltet und im Kofferraum abgelegt werden.
Bei Peugeot steht ebenfalls ein Diesel-Cabrio-Pärchen bereit. Der 207 CC mit seinem nach Luft schnappenden Haifischmaul ist mit 80 kW (109 PS) unterwegs, die Zähne zeigt er also nur zum Schein. Kaum weniger aggressiv gestaltet ist sein größerer Bruder. Dem 307 CC fehlt zwar die spitze Nase seiner - zumindest schon als Limousine und SW gestarteten - Nachfolger-Generation 308. Seine Figur passt aber gut zum gemütlichen Diesel mit 100 kW (136 PS). Peugeot pflegt die Kultur des soliden Blechdachs mit elektrischem Klappmechanismus, wir hoffen, dass die künftige 308-Offen-Variante eine weniger schräg stehende und beim Ein- oder Aussteigen störende A-Säule haben wird.
Die schlanke Linie des Skandinavischen
Renault setzt als dritte französische Marke auf das Mégane Coupé-Cabrio. Die Bezeichnung soll auch hier auf die Lösung mit Stahlklappdach hinweisen, das Modell ist das solitäre Angebot bei offenen Autos mit der Raute. Bietet aber Wahlmöglichkeit bei der Motorisierung. Neben dem 1,9-Liter-Diesel mit 96 kW (130 PS) findet sich eine Version mit einem Zweiliter-Aggregat im Programm, dessen Leistungsausbeute 110 kW (150 PS) ergibt. Das pummelige Heck des Mégane wirkt dabei etwas barock.
Die schlanke Linie des Skandinavischen repräsentiert die GM-Marke Saab mit dem 9-3. Zwar wirkt funktionsbedingt sein Hinterteil ebenfalls recht massiv, doch bringt ihn das nicht aus dem ästhetischen Gleichgewicht. Zwei Diesel haben die Schweden hier im Programm, beide mit vier Zylindern und 1,9 Liter Hubraum. Ihre Leistungen liegen bei 110 kW (150 PS) und 132 kW (180 PS). En miniature geht es bei Smart zu. Das Fortwo Cabrio ist der kürzeste offene Wagen, hat nur zwei Sitze, den kleinsten Kofferraum und mit 33 kW (45 PS) die geringste Leistung. Aber auch den niedrigsten Verbrauch. Und billiger geht Cabrio fahren kaum, da kann man schon in Kauf nehmen, dass das wahre Frischluftvergnügen von dem starren Heckteil eingeschränkt wird.
Die zweite Schwedenmarke hat ihr Cabrio-Angebot jüngst ausgebaut. Neben den bisherigen Fünfzylinder-Diesel mit 132 kW (180 PS) stellt Volvo eine selbstzündende Einstiegsversion. Der Vierzylinder bringt es auf 100 kW (136 PS), elektrisch aufklappende Stahldächer haben alle C 70-Varianten.
An die Technik des Origami erinnert der Faltmechanismus
VW beschließt das überraschend üppige Diesel-Angebot bei Cabrios mit zwei Vertretern der Frischluft-Gilde. Fast schon betagt steht das New Beetle Cabrio mit seinem 1,9-Liter-Diesel und 77 kW (105 PS) auf dem Boulevard, die Vase fürs Sträußchen am Armaturenbrett hält auch bei hohem, offen gefahrenem Tempo, denn die Luftverwirbelungen im Innenraum sind gering. An die Technik des Origami erinnert der Faltmechanismus beim Golf-Ableger Eos, der das Stahldach einklappt und hinter der Rückbank ablegt. 103 kW (140 PS) leistet sein Zweiliter-Vierzylinder. Vier Menschen können recht komfortabel im Eos reisen, nur der Einstieg nach hinten fällt wie bei fast allen Konkurrenten zumindest bei geschlossenem Dach nicht leicht.
Dies aber wird sich so bald nicht ändern, denn obwohl der Einzug des Dieselmotors in dieser Fahrzeugklasse durchaus innovativen Charakter hat, so wird es auf absehbare Zeit Geschick und Gelenkigkeit erfordern, um auf die Rückbank zu gelangen.
Das viertürige Kabriolett ist trotz allen Erfinder-Geistes in der Gegenwart zumindest für die Serienproduktion noch nicht entwickelt worden. Und wenn es kommt, dann ganz bestimmt auch mit einem Diesel.
Einspruch!
Stephan Theiss (stephantheiss)
- 23.05.2008, 14:15 Uhr
Widerspruch, Herr Theiss
Marvin Parsons (mapar)
- 23.05.2008, 19:07 Uhr
Normalerweise verkneif ich mir sowas!
Erwin Löffler (turbooeko)
- 23.05.2008, 19:38 Uhr
Pluriel
Thomas Padberg (padbergthomas)
- 24.05.2008, 13:59 Uhr
Abgase und Lärm auch für die Verursacher
Henriette Kaschulke (Wissibesser)
- 24.05.2008, 14:20 Uhr