Bugatti legt nach und hat seinen Veyron nochmals schneller gemacht. Er schafft jetzt 415 km/h Spitzengeschwindigkeit und kann für 1,95 Millionen Euro käuflich erworben werden. 30 Veyron 16.4 Super Sport (16 steht für die Zylinderzahl seines Motors, die 4 weist auf die Anzahl seiner Turbolader hin) sollen in den kommenden zwei Jahren in Handarbeit entstehen. Dass wenige Wochen nach dessen Produktionsfreigabe schon 20 Personen mit einer deftigen Anzahlung geordert haben, zeigt das Interesse zahlungskräftiger Kunden.
Wer seinen Veyron 16.4 Super Sport nicht gleich nach der Auslieferung ins Privatmuseum fährt, sondern ab und zu von seiner Leistungsfähigkeit kostet, muss kein Rennfahrer sein. Die Leichtigkeit, mit der sich der 1,8-Tonnen-Zweisitzer bewegen lässt, ist überraschend und trägt entscheidend zur Wahrnehmung als automobiles Gesamtkunstwerk bei. Allerdings verlangt die Ausfahrt nach einem disziplinierten Fahrer mit Respekt vor den Grenzen der Fahrphysik.
Auf öffentlichen Straßen gleitet man tief in Sitzschalen gebettet mit selten mehr als 2000 Touren dahin. Das Powermeter, ein Rundinstrument links neben dem zentralen Tourenzähler, informiert über die momentan abgerufene Motorleistung und bewegt sich meistens zwischen 200 und 300 PS. Nur beim Beschleunigen wischt die Nadel darüber hinaus. Einen Augenaufschlag lang werden dann 600, 700 PS angezeigt.
Das ist der Moment, wenn 1500 Newtonmeter Drehmoment zwischen 3000 und 5000 Kurbelwellenumdrehungen nach den Achsen greifen, während im Maschinenraum hinter den Sitzen ein Inferno anhebt. Alles passiert extrem verdichtet: Der Fahrer tritt aufs Gaspedal, hört die Turbolader schlürfend Luft verdichten und wird vom Schub mitgerissen, vergleichbar einem Schlag in den Rücken, während die Fliehkraft den Kopf nach hinten gegen die Stütze presst.
Alles Irdische scheint in Bedeutungslosigkeit abzudriften
Vermutlich fühlt ein Astronaut im startenden Space-Shuttle ähnlich. Alles Irdische scheint in Bedeutungslosigkeit abzudriften, wenn die Kraft des kehlig gurgelnden Triebwerks explodiert und den Bugatti in nur 6,7 Sekunden aus dem Stand auf 200 km/h katapultiert. 2,5 Sekunden bis zum Überspringen der 100-km/h-Marke - das ginge mangels Traktion nicht einmal ein Formel-1-Bolide mit. Dass der Fahrer diesem Veyron auch nach zügiger Kurvenhatz nicht schweißnass entsteigt, liegt einerseits an dessen zugfreier Klimaanlage, vorrangig aber an seiner famosen Fahrstabilität.
Die Bugatti-Entwickler um Wolfgang Schreiber, der ansonsten die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen leitet, haben den Super Sport gegenüber dem „Basis-Veyron“ mit 1001 PS Motorleistung durch eine Vielzahl aerodynamischer Maßnahmen optimiert. Dazu zählt das nun weit über den Mittelmotor reichende Dach mit sogenannten Naca-Düsen. Sie ersetzen die stilprägenden zwei Luftkanäle des 1001-PS-Boliden und wirken als Vorverdichter der Verbrennungsluft, womit sie die Turbolader unterstützen.
Die Mehrleistung von knapp 200 PS des neuen Veyron Super Sport gehen einher mit zusätzlicher Abwärme. Sie abzuführen, schnitten die Ingenieure weitere Öffnungen und die Kohlefaser-Karosserie und passten die Funktionsweise der Heckflügel an. Unterwegs hört man in Abhängigkeit von der gefahrenen Geschwindigkeit am leisen Klicken, wie Klappen öffnen und schließen, und man ahnt, wie dieses Zeugnis hoher Ingenieurskunst die Lernkurve des aktiven Aerodynamikmanagements im Automobilbau nach oben treiben wird.
Denn kommende Sportwagen-Generationen sollen mit weniger Leistung ihrer Verbrennungsmotoren auskommen, ohne auf hohe Fahrdynamik verzichten zu müssen. Für deren Optimierung in den Disziplinen Leichtbau und Aerodynamikmanagement leistet der Bugatti Veyron 16.4 Super Sport wichtige Grundlagenforschung.
Wichtige Grundlagenforschung...
Moritz Mantei (moritzmantei)
- 21.10.2010, 18:49 Uhr
@stepken
Hans Meier (MeierHansi)
- 21.10.2010, 20:49 Uhr
Das Auto ist das Nonplusultra
(Fass4)
- 21.10.2010, 21:31 Uhr
Ich glaub....
karl mojave (derger)
- 22.10.2010, 00:50 Uhr
Imageträger
Michael Leising (GSLEX99)
- 22.10.2010, 10:09 Uhr
