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Veröffentlicht: 12.10.2016, 11:31 Uhr

Bugatti Chiron Jedes Rad eine halbe Million

Bugatti baut den teuersten Neuwagen der Welt. Der Innenraum des Chiron ist eine wahre Freude, seine Beschleunigung unheimlich und der Preis utopisch.

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© Bugatti Bullige Schönheit: Der Bugatti Chiron ist ein Auto der Superlative.

Das Ehepaar fährt im Rolls-Royce vor. Der Kies knirscht, das schöne, aber nicht zu opulente Schlösschen, vor dem der Wagen hält, passt perfekt ins Bild. „Im Autohaus kaufen die anderen, wir kaufen direkt an der Quelle“, mag das Ehepaar denken und beschäftigt sich für den Rest des Tages mit den Farben und der Inneneinrichtung seines neuen Bugatti Chiron. Das Auto, das sie jetzt bestellen wollen, wird noch einiges teurer sein als der Rolls-Royce. Und seltener. Nur 500 Chiron würden gebaut, verspricht Bugatti. Vom Vorgänger Veyron sind 450 Einheiten produziert worden. Keine Angst, es gibt noch Kapazitäten. Nur gut 200 Chiron sind bislang fest bestellt, noch keiner ist ausgeliefert.

Frank Boris Schmidt Folgen:

Die Kunden warten auf ein Auto der Superlative, einen Hypersportwagen. Wie schon im alten Veyron liefert ein W16-Motor den Vortrieb an alle Räder, der jetzt aber ein Viertel mehr Leistung als bisher hat. Fast jedes Teil im Motor wurde neu entwickelt. Jetzt gibt es nicht nur 1001 PS, wie ursprünglich im Veyron, sondern aus acht Litern Hubraum erschreckende 1500 PS. Das maximale Drehmoment von mehr als üppigen 1600 Newtonmeter erreicht der W16 dank einer Registeraufladung.

Die Beschleunigung endet jenseits der 400 km/h

Die zweistufig geschalteten vier Turbolader sorgen schon ab 2000 Umdrehungen für das maximale Drehmoment, das auf diesem Niveau bis 6000/min erhalten bleibt. Bei 3800/min schalten die Turbolader drei und vier zu, um das Drehmoment zu halten. Das Ergebnis ist eine unglaubliche Beschleunigung, die weit jenseits der 400 km/h ihr Ende findet. Theoretisch. In der Praxis und auf öffentlichen Straßen werden diese Geschwindigkeiten wohl nicht erreicht werden.

42816039 Herrliches Heck: markante Rückleuchten und Auspuffanlage des Chiron. © Bugatti Bilderstrecke 

Neu ist beim Chiron, dass die Karosserie um 30 Millimeter anzuheben ist (bis 40 km/h), um besser über Bordsteine zu kommen. Ab 200 km/h senkt sie sich ab, der Flügel fährt aus. Um die Kunden für die Leistung zu sensibilisieren, ist bei 380 km/h ein erstes Limit gesetzt. Wer wirklich alles aus dem Bugatti herausholen will, muss anhalten und mit einem Schlüssel unten links neben dem Fahrersitz den Topspeed-Modus einschalten. Erst dann sind 420 km/h drin. Wird aus hohen Geschwindigkeiten gebremst, stellt sich der Flügel quer (Airbrake) und hilft, das Auto zu verzögern. Der cW-Wert wird so auf einen Schlag um ein Drittel schlechter.

Bugatti-Kunden besitzen meist mehr als 40 Autos

Doch ums Rasen geht es den wenigsten Bugatti-Kunden. Zumindest war das bisher so. Nur rund zehn Prozent der Veyron-Besitzer fahren mit ihrem Schatz auf die Rennstrecke. Den allermeisten Bugattisti geht es schlicht ums Besitzen oder Sammeln. Weit mehr als 40 Autos sind im Fuhrpark eines durchschnittlichen Kunden, gefahren wird ein Bugatti nur rund 1500 Kilometer im Jahr. Es gibt aber Ausnahmen: Ein Veyron aus Chicago hat schon mehr als 52.000 Meilen auf dem Tacho.

Noch sind die Bugatti-Kunden nicht so zahlreich, dass man sie nicht alle kennen könnte. Zunächst hatte man bei der Wiederbelebung der Marke durch den VW-Konzern im Jahr 1998 gedacht, ein herkömmlicher Vertrieb oder ein Marketing sei gar nicht nötig, doch ganz so ist es dann doch nicht. Jeder Käufer schließt seinen Vertrag mit Bugatti direkt ab, das ist einmalig in der Markenwelt des VW-Konzerns. Die Händler, die es gibt (33 in 17 Ländern), treten als Agenten auf. Fast drei Viertel aller Verträge werden tatsächlich in Molsheim unterschrieben.

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