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Buell CityX Spiel mir das Lied vom Donner

26.04.2005 ·  Shocking Blue: Die Buell Lightning CityX aus dem Hause Harley-Davidson ist ein Spaßbike für die Stadt und für die Landpartie.

Von Walter Wille
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Ein Motorrad darf alles sein, nur nicht langweilig. Mit einem solchen Attribut in Verbindung gebracht, reagiert der stolze Biker empfindlich. Der Industrie ist in diesem Zusammenhang zur Zeit kein Vorwurf zu machen. Da gibt es spritzige Ideen und einige aufregende Novitäten. Auch aus Amerika: Die Buell Motorcycle Company, die etwas schräge Harley-Davidson-Tochter, ist bei der Spaßbike-Entwicklung vorn dabei.

Bullernd und bebend biegt eine Buell mit ihrem urwüchsigen V2-Triebwerk von der Spur des Gewöhnlichen ab. Die neue Lightning CityX (verzichten wir auf die genaue Modellbezeichnung XB9SX) mit ihrem 1000er-Twin repräsentiert alles, was eine Maschine der Marke ausmacht: eigenständiges Design, eigenwillige technische Lösungen, hoher Will-ich-haben-Faktor. Ziemlich oft wird ein Buellenreiter gefragt, was denn das für ein scharfes Gerät sei. Die CityX sieht schon heute aus wie ein Motorrad von morgen, ein eng geschnürtes Kraftpaket wie aus einem Computerspiel.

Stadtkämpfer

Buell nennt seine unverkleidete Symbiose aus Supermoto und Sportmaschine einen "urbanen Fighter für die City". Beim öffentlichkeitswirksamen Eisdielen-Pendeln der Nacktdarstellerin fallen auf: der mächtige Leichtmetallrahmen, die massive Alu-Schwinge, das kaum vorhandene Heck, der breite Geländelenker mit Querstrebe und Handprotektoren, der mit Schutzgitter für den Straßenkampf präparierte Doppelscheinwerfer. Und - beides aus durchsichtigem Kunststoff in Schockblau - der Mini-Windschild sowie der Tank, der keiner ist: Unter der Attrappe befindet sich der Ansaugtrakt des Motors. Das Superbenzin wird im 14 Liter fassenden Rahmen gespeichert. Auch die Leichtmetall-Hinterradschwinge hat eine Doppelfunktion, sie ist zugleich Ölreservoir der Trockensumpfschmierung.

Diese Konstruktion verfolgt den Zweck einer Zentrierung der Massen und eines niedrigen Schwerpunkts, deshalb hängt auch der Schalldämpfer unter dem Motor. Statt einer Doppelscheibenbremse am Vorderrad hat die CityX eine einzelne, an der Felge montierte 375-Millimeter-Scheibe mit Sechskolbensattel, um die Bremswirkung ohne Torsionskräfte an den Speichen auf die Felge zu übertragen. Wirkung und Dosierbarkeit sind hervorragend, dagegen ist das Gefühl der Fußbremse fürs Hinterrad ein wenig taub. Die Federung (Upside-down-Gabel und Zentral-Federbein) ist in Federbasis, Druck- und Zugstufe einstellbar.

Gewaltiger Donner

Das 45-Grad-V-Triebwerk spielt dem Fahrer das Lied vom Donner, zumindest im unteren Drehzahlbereich, aus dem es sich mit Wucht nach oben arbeitet. Der luft-, öl- und gebläsegekühlte Zweizylinder-Einspritzer leistet 62 kW (84 PS) mit einem maximalen Drehmoment von 86 Newtonmeter bei 5600 Umdrehungen in der Minute und treibt das Hinterrad über einen Zahnriemen an. Schon mit knapp 2000/min geht es ruckelfrei voran, dann dreht der Motor munter bis gewaltig hoch, bis er bei 7000/min abrupt abgeregelt wird. Lediglich im fünften Gang auf der Autobahn jenseits von Tempo 170 km/h wird es zäher. Auch mit liegendem Piloten erreichte unser Exemplar die 200er-Marke auf dem Tacho nur mühsam. Angesichts des kaum vorhandenen Windschutzes kommt dabei ohnehin keine große Freude auf.

Für die Stadt und Landpartie

Um so mehr Spaß bringt die Buell in der Stadt und beim Sprint in die Provinz. Ein sehr kurzer Radstand und ein steiler Lenkkopfwinkel erzeugen ein knackiges Fahrgefühl, die vollgetankt gut 200 Kilogramm wiegende Maschine ist hochbeweglich und hat dennoch einen tadellosen Geradeauslauf. Selbst im Geschiebe von Ampel zu Ampel kommt keine Hektik auf dank unverkrampfter Sitzposition, bulligem Anfahrverhalten ohne Abwürgegefahr, präzise einrastender Gänge, bestens kontrollierbarer Leistungsabgabe und sanftem Lastwechselverhalten. Die kompakte Bauart allerdings hat auch Nachteile: Für Basketballspieler wird's eng auf der Buell, schon mit einer Körpergröße von einsfünfundachtzig würde man sich gern ein paar Zentimeter kleiner machen.

Blau ist Programm

Auch sollte man die Farbe Blau mögen. Die Zifferblätter der Instrumente, selbst der Zündschlüssel samt Anhänger sind in diesem Ton gehalten und obendrein ein wie ein Küchensieb gelöchertes Teil der Hinterradabdeckung. Dieser Bürzel-Einsatz ist ebenso schick wie unpraktisch, weil er Spritzwasser zum Rücken des Fahrers durchläßt. Bei Regen nimmt man also am besten einen Beifahrer mit, doch der wird sich aus einem weiteren Grund bedanken: Das Plätzchen für den Sozius ist nicht mehr als ein Notsitz. Was die Freude ebenfalls ein wenig trübt: der geringe Lenkeinschlag beim Rangieren, das Schwirren der Rückspiegel fast über das gesamte Drehzahlband sowie die Tatsache, daß einen die Benzin-Warnleuchte (eine Tankanzeige ist nicht vorhanden) bei einem Durchschnittsverbrauch von 6 bis 6,6 Liter auf 100 Kilometer schon nach rund 170 Kilometern, immer wenn es gerade am schönsten ist, an die Zapfsäule beordert. Man kann es durchaus länger drauf aushalten, denn die 9279 Euro kostende CityX ist alles, nur nicht langweilig.

Quelle: F.A.Z., 19.04.2005, Nr. 90 / Seite T4
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Geboren am 10. Dezember 1959, Redaktion „Technik und Motor“

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