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British International Motor Show Swinging London und die Träume vom Elektro-Auto

01.08.2008 ·  Die British International Motor Show in London ist schon wegen der Weltpremiere des Opel Insignia ein Pflichttermin. Obwohl es manch Interessantes zu entdecken gibt, fällt vor allem das Fehlen vieler Hersteller auf.

Von Boris Schmidt
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London erstickt im Verkehr. Nicht zuletzt deshalb wurde unlängst eine City-Maut eingeführt. Aber wer ein Elektroauto fährt, zahlt keine Maut, und da sehen einige Unternehmen einen Markt: So viele Elektroautos wie in London (die Messe dauert noch bis zum kommenden Sonntag) sind noch auf kaum einer Automesse zu sehen gewesen.

Und dass man sich so intensiv mit ihnen beschäftigen kann, hat einen weiteren Grund: Viele große Hersteller haben auf einen Auftritt in den neuen Messehallen an den Docklands verzichtet: Es fehlen Volkswagen, Skoda, Audi, BMW, Volvo, Porsche, Mitsubishi und Fiat (gleichwohl feiert der kleine Alfa Romeo Mito seine Weltpremiere). BMW begründet sein Fernbleiben mit einer dreijährigen Dauerausstellung in der ebenfalls neuen „O2-Arena“, das bringe fünf bis sechs Millionen Kontakte, während die Messe maximal 500.000 Besucher anziehe. Andere (VW) stufen die Messe als regional und deshalb in Zeiten knapper Marketing-Budgets als nicht so wichtig ein.

Das Geheimnis um das neue Projekt „Eagle“

Opel/Vauxhall kann sich das natürlich nicht leisten - der britische Markt trägt fast ein Viertel zum Opel-Volumen in Europa bei -, der neue Insignia ist der Star der Messe und Hoffnungsträger der GM-Marke für eine bessere Zukunft. Und es gibt durchaus noch einige weitere Premieren zu vermelden: Nissan hat den Qasqai+2 mitgebracht, Ford stellt wie erwartet den neuen Fiesta groß in den Mittelpunkt und bietet dazu den besonders sparsamen Fiesta Econetic.

Honda will mit dem in Deutschland entworfenen Prototyp „Open Study Model“ beweisen, das man einen schnittigen, offenen 2+2-Sitzer bauen könnte, und Renault adelt den Mégane auf seine alten Tage noch mit einer sportlichen Studie „R26.R“. Lotus - auch nicht mehr wirklich britisch, weil in malaysischer Hand - lüftet das Geheimnis um das neue Projekt „Eagle“. Evora heißt ein neuer Lotus, es ist ein schnittiger, geschlossener 2+2-Sitzer, wie man ihn von der Marke erwartet. Der 3,5-Liter-V6-Motor (von Toyota) und nur 1400 Kilo Gewicht versprechen sehr gute Fahrleistungen.

In zwei Prototypen läuft die Technik schon

Land Rover nutzt das Heimspiel, um weitere Fortschritte in Sachen „Lande“ zu verkünden. Den wackeren Briten ist sehr wohl bewusst, dass sie sich für die Zukunft etwas einfallen lassen müssen, um ihre Offroad-Autos ökologisch attraktiv zu machen. Neben einer Start-Stopp-Automatik, die 2009 für alle Freelander-Modelle mit Dieselmotor und Schaltgetriebe zum Einsatz kommt (Automatik folgt später), arbeitet man mit Hochdruck an einem Hybrid-Land-Rover, dessen Verbrennungsmotor ein Selbstzünder sein soll. Um bis zu 35 Prozent können man so den Kraftstoffverbrauch verringern (schon Start-Stopp bringt gute acht Prozent). Zwar ist mit einem Einsatz in der Großserie frühestens in der nächsten Generation des Freelander zu rechnen, aber in zwei Prototypen läuft die Technik schon.

Um die 4×4-Kompetenz nicht zu verlieren, hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen: An der Hinterachse sitzt ein Elektromotor, der bei Bedarf zugeschaltet wird, ein weiterer E-Motor arbeitet vorne. Dank aufwendiger Allrad-Technik sind alle Möglichkeiten abgedeckt: Der Hybrid-Freelander kann im reinen E-Betrieb mit zwei angetriebenen Achsen fahren oder nur mit einer, reiner Dieselbetrieb mit Allrad ist möglich, und natürlich lassen sich beide Antriebsquellen kombinieren, so kommt mehr Drehmoment auf die Räder, was die Offroad-Möglichkeiten sogar noch verbessert.

Das erste wirklich marktfähige Elektro-Auto

Doch langfristig gesehen wird die aufwendige Hybrid-Technik nur ein Zwischenschritt bleiben. Bob Lutz, Vize-Chef bei GM und verantwortlich für die Produktentwicklung, versprach für 2010 nicht nur den „stunning new“ Chevrolet Camaro mit Sechs- oder Achtzylinder-Motor, sondern auch den neuen „Volt“ das erste wirklich marktfähige Elektro-Auto zu einem Preis von rund 30.000 Dollar.

In Amerika und vor allem in Kalifornien wird reinen E-Autos große Aufmerksamkeit entgegengebracht, so liegen für den Tesla-Roadster (ein Zweisitzer, dessen Form an den Lotus Elise erinnert) schon mehr als 1000 Bestellungen vor. In London wird um europäische Kunden geworben. Wer jetzt bestelle, habe den Wagen im Mai 2009. Er kostet (ohne Steuer) 99.000 Euro, die Hälfte ist anzuzahlen. Montiert werden die europäischen Tesla bei Lotus, die E-Technik kommt aus Amerika. Mit 294 kW (400 PS) und einer Reichweite von 365 Kilometer wird geworben, der Strom wird in einer 405 Kilo schweren Lithium-Ionen-Batterie gespeichert. Im August wird die Redaktion den Tesla auf europäischen Straßen fahren können.

Die „Nice Car Company“

Für Otto Normalverbraucher weitaus eher erreichbar sind die anderen, zweifelsohne weniger aufregenden E-Autos der Messe. Die „Nice Car Company“ hat sich vor zwei Jahren gegründet, zu Preisen ab 11.500 Pfund wird etwa der „Mega City“ angeboten. Die Basis ist ein französisches Kleinstauto, die Reichweite von 60 Kilometer kann nicht überzeugen. Auch die anderen „Nice Cars“ kommen nicht viel weiter. Die Karossen stammen aus Hongkong oder China, man kann aber auch den Fiat 500 mit einem E-Motor haben.

Der „G-Wiz“ ist schon seit vier Jahren in Großbritannien im Verkauf, 1000 Einheiten wurden bisher abgesetzt, auch seine Reichweite liegt bei weniger als 100 Kilometer. Das reicht nicht, um aus der Nische herauszustromern.

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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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