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Veröffentlicht: 09.02.2013, 16:00 Uhr

BMW R 1200 GS Wie es sich auf der Strecke anfühlt

Am Thron der BMW R 1200 GS wird schon seit längerem gerüttelt. Doch BMW stellt sich mit neuer Leichtigkeit gegen den Ansturm der Konkurrenz.

von Michael Kutschke
© Hersteller Alles neu, gewohnter Anblick: R 1200 GS der Generation 2013

Als BMW vor mehr als drei Jahrzehnten mit der R 80 G/S die Groß-Enduro „erfunden“ hat, wäre niemand auf die Idee gekommen, dass aus diesem Motorradkonzept einmal ein heiß umkämpfter Massenmarkt werden könnte. Seit mehr als 30 Jahren steht „die GS“ für die Lust aufs Abenteuer, wenn auch nicht mehr mit Alleinvertretungsanspruch. Die Meute der Herausforderer aus England, Japan, Italien wächst kontinuierlich, jetzt wagen es auch noch die Österreicher mit ihrer neuen KTM 1190 Adventure, am Thron der BMW R 1200 GS zu rütteln. Die Ansage aus der Alpenrepublik: 110 kW (150 PS).

BMW stieß mit seinem bewährten luftgekühlten Boxermotor beim Thema Leistungssteigerung an Grenzen. Daher nun ein neues, wassergekühltes Triebwerk. Das schließt mit 81 kW (125 PS) zwar nicht ganz zur KTM, zur Ducati Multistrada, zur Triumph Tiger Explorer auf, bietet aber 13 Prozent mehr Leistung als bisher und im Grunde mehr als genug. Im Gegensatz zum harten Schnitt in Sachen Technik ging man beim Design der neuen R 1200 GS behutsam vor. Sie lässt die Vorgängerin nicht auf Anhieb alt aussehen, wirkt dennoch frisch und modern. Störende Schläuche und ausladende Kühler sind nicht zu sehen. Bei der sogenannten Präzisionskühlung werden ausschließlich thermisch besonders beanspruchte Motorteile durch die Flüssigkeit gekühlt (siehe weiteren Bericht auf dieser Seite). 65 Prozent der Wärmeabfuhr übernimmt noch immer die nun martialisch wirkende, grobe Verrippung der Zylinder. Deshalb konnten die Wasserkühler relativ klein gehalten werden.

BMW R 1200 GS © Hersteller Vergrößern Auf losem Grund können dank der Unterstützung der Regelsysteme selbst nicht so erfahrene Piloten sehr schnell viel Spaß haben

Die Route führt von George an der südafrikanischen Küste aus in die Halbwüstenlandschaft der Karoo. Ein echter Härtetest, mehr als 500 Kilometer lang ist die Runde, vorbei an den Swartbergen, zum Bavianskloof und zurück über die Garden-Route nach George. Sengende Sonne, 38 Grad Celsius, flimmernder Asphalt, schnelle Kurven, Serpentinen, lange Geraden, unbefestigte Wege, Schotter und auch eine Enduro-Runde gehören zu den Herausforderungen des Tages. Doch manchmal muss man nicht erst lange schwitzen für ein Aha-Erlebnis: Schon während der ersten Meter fällt die markant gesteigerte Handlichkeit der GS im Vergleich zur Vorgängerin auf. Unerwartet deutlich ist der Gewinn an Agilität als Folge der Veränderungen an Rahmen und Fahrwerk. Das Ansprechverhalten der Federbeine vorn und hinten wirkt feinfühliger, die Lenkpräzision verbessert, die Rückmeldung transparenter.

Einen nicht minder großen Schritt macht BMW hinsichtlich der Fahrassistenzsysteme. Fünf Fahrmodi wurden vorkonfiguriert, darunter drei Straßenmodi (“Rain“, „Road“, „Dynamic), die sich mit drei verschiedenen Modi für das Dosierverhalten des elektronischen Gasgriffs (E-Gas), mit drei Einstellungen der Traktionskontrolle (abschaltbar), sowie drei Kennfeldern des elektronischen Fahrwerks ESA den persönlichen Vorlieben entsprechend miteinander kombinieren lassen. Das ABS (ebenfalls abschaltbar) ist im Straßenmodus (anders als in den Enduro-Einstellungen) immer auf die optimale Verzögerung ausgelegt. Im Geländebetrieb (“Enduro“ und „Enduro Pro“) hat das ESA nur eine harte oder weiche Abstimmung in petto, jedoch bekommt man dafür zwei ABS-Optionen fürs Offroad-Fahren zur Auswahl. Wer beispielsweise im Enduro-Pro-Modus nur die Fußbremse betätigt, hat am Hinterrad keinen Eingriff der Antiblockierhilfe. So ist beim Anbremsen ein Drift möglich, während das ABS am Vorderrad weiterhin für beste Verzögerungswerte ohne Sturzrisiko sorgt.

BMW R 1200 GS © Hersteller Vergrößern Diese Maschine kann alles besser als das bisherige Modell

Die Sitzbank fällt schmaler, aber nicht unbequemer aus. Kleinere Fahrer erreichen den Boden besser, obwohl die Bodenfreiheit sogar zugenommen hat. Der höhenverstellbare Fahrersitz ist auch in der Neigung einstellbar, und der Soziussitz weist eine Längenverstellung auf, für einen besseren Kontakt zwischen Fahrer und Passagier. Die Taille der GS ist jetzt schmaler. Das hat den Vorteil, dass die Fußrasten etwas tiefer und weiter ins Fahrzeug versetzt werden konnten. All das erleichtert zudem das stehende Fahren im Gelände.

Dort, auf losem Untergrund, können dank der Unterstützung der Regelsysteme selbst nicht so erfahrene Piloten sehr schnell viel Spaß haben, ohne dass sich deshalb die Experten langweilen müssten. Denn die Bandbreite des Multitools GS ist weiter denn je. Die vielen Verbesserungen zur ohnehin schon sehr guten 2012er-Generation - mehr Sitzkomfort, optimierte Einhand-Verstellung des Windschilds per Handrad, leichtgängigere Kupplung, Bordcomputer samt Tempomat und der Lustgewinn durch das leichtfüßige Handling - sind von jedem sofort erlebbar. Das gilt gleichermaßen für die gestiegene Leistung und das über den gesamten Drehzahlbereich höhere Drehmoment (maximal 125 Nm bei 6500/min), das ein betont entspanntes, schaltfaules Fahren erlaubt. Schon der bisherige Boxer war ein Bulle. Sein Nachfolger jedoch schiebt ab 2000 Touren spürbar besser und beweist gesteigerte Drehfreude.

Nichts auszusetzen? Doch. Hinter der Windschutzscheibe sind störende Verwirbelungen zu spüren. Der Klang wird, wenn eine GS vorbeifährt, als wohltönend und weniger krawallig als beim Vormodell empfunden. Bloß kommt bei der Besatzung davon nicht viel an. Da scheint sich das Sound-Engineering wenig Mühe gegeben zu haben.

Ansonsten kann diese Maschine alles besser als das bisherige Modell. Egal, was man macht, es geht eine Spur leichter von der Hand. Um sich dem Ansturm der wachsenden Konkurrenz zu erwehren, haben die Münchener offensichtlich alle Register gezogen.

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Ein Unfall überschattet die Premiere

Für manchen handelt es sich um die Neuerscheinung des Jahres. Eine der bedeutsamsten ist es in jedem Fall. Die neue BMW R 1200 GS wird seit ihrer Enthüllung auf der Kölner „Intermot“ im vergangenen Herbst mit Spannung erwartet. Die Fragen, die sich viele Motorradfreunde stellen: Macht BMW mit der nächsten Generation seines Bestsellers, technisch rundum verändert, tatsächlich noch einmal einen so großen Schritt nach vorn, wie angekündigt wurde? Wie fährt sich diese große Reiseenduro? Wird sie an den Erfolg der Vorgängerin anknüpfen und sich gegen die zunehmende Konkurrenz behaupten? Erste Antworten sollten jetzt auf der internationalen Pressevorstellung gefunden werden. Nahezu 200 Journalisten aus aller Welt sollten in Südafrika Gelegenheit bekommen, die GS ausgiebig auf Asphaltstraßen zu testen sowie unterschiedliche Offroad-Passagen damit zu bewältigen. Diese Zeitung hatte ebenfalls eine Teilnahme geplant, um darüber zu berichten. Doch gleich zu Beginn der dreiwöchigen Veranstaltung kam es zu einem Unfall, bei dem ein englischer Motorradjournalist sein Leben verlor. Er stürzte auf einer Schotterstraße und starb an der Unglücksstelle. BMW brach die Veranstaltung ab. Die Klärung der Unfallursache habe Vorrang, hieß es, der Bericht der südafrikanischen Polizei stehe noch aus, ebenso eine Bewertung von herbeigerufenen Unfallexperten. Schwierig ist die Analyse offenbar deshalb, weil es nach Angaben von BMW keine Augenzeugen gibt. Die 30 Fahrer der ersten Journalistengruppe waren in sechs Gruppen unterteilt; jeder war ein mit den Örtlichkeiten vertrauter Guide zugeteilt. Wegen der Staubentwicklung auf Schotterstrecken werden innerhalb der Gruppen üblicherweise größere Abstände eingehalten. Am Zeitpunkt der Markteinführung des neuen Modells - Anfang März - ändert sich nach Angaben von BMW nichts. Zu den Journalisten, die bis zum Abbruch der Testfahrten Gelegenheit hatten, die neue BMW kennenzulernen, zählt Michael Kutschke von der Schweizer Zeitschrift „Töff“. Er schildert an dieser Stelle seine ersten Eindrücke, die er ausführlicher in der am 13. Februar erscheinenden „Töff“Ausgabe wiedergeben wird. (fbn.)

Quelle: F.A.Z.

 

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