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BMW GT Gran Coupé Die Liebe der Kunden zum Design

25.07.2010 ·  Das BMW-Design liegt wieder im Wind. Bangle-Phase und Perioden der Mutlosigkeit sind überwunden. In letzter Instanz ist das Design der Fahrzeuge der Kaufgrund Nummer Eins. Aktuelles Beispiel: das GT Gran Coupé.

Von Wolfgang Peters
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Im BMW-eigenen Forschungs- und Ingenieurzentrum (FIZ) brüten 300 Designer (davon hundert nur für die Marke BMW) über den formalen Auftritt der Produkte (Mini, Rolls-Royce, Motorräder) des weißblauen Konzerns. In Sachen Design treibt BMW zudem enge Kooperationen mit seinen ausgelagerten Stil-Dependancen und externen Formkünstlern voran. Das hat Methode, und für die Wertschätzung der Karosseriekünstler gibt es natürlich gute Gründe. Klaus Draeger, Entwicklungschef, und Adrian van Hooydonk, Leiter BMW Group Design nutzten die erste Europa-Präsentation des Concept Gran Coupé zur Erläuterung der gegenwärtigen und der künftigen Stilistik-Strategie.

Nicht zur Sprache kam jener Zeitabschnitt, in dem die BMW-Oberklasse unter der Design-Führung von Chris Bangle dabei war, den formalen Konsens der Marke aufzukündigen. Der vor etwa zwei Jahren aufs Altenteil beförderte große Siebener war zu einem Dickschiff mutiert und der einst schlanke Sport-Fünfer war in eine kantig-bauchige Rüstung gezwängt worden. Im Rückblick wollte niemand diese Design-Entscheidungen getroffen haben.

Aber sie führten doch dazu, dass BMW aus dem einstigen, immer stärker in die Nähe von saturierter Zufriedenheit rückenden Karosserie-Korsett ausbrechen und jetzt zu neuen Ufern aufbrechen konnte. Schon der Übergang zu den neuen Siebener- und Fünfer-Modellen hat sowohl konservativen als auch progressiven Kunden zu mehr Mut und Vertrauen in die Marke verholfen. Dass die früher betont vorgetragenen BMW-Werte wieder in den Mittelpunkt der formalen Auseinandersetzung rücken, soll die neue Sechser-Generation endgültig belegen.

Harmonisch-scharfe Coupé-Limousine mit vier Türen

Im nächsten Jahr werden zwei neue Sechser-Versionen erwartet, die Coupé und Cabrio der bisherigen, seit Herbst 2003 produzierten Baureihe ablösen. Abermals ein Jahr später – also etwa 2012 – wird dann ein BMW erwartet, wie es ihn noch nie gegeben hat: das Concept Gran Coupé (Debut zur Autoausstellung in Peking!) bewegt sich der Serienreife entgegen und ist dann eine harmonisch-scharfe Coupé-Limousine mit vier Türen und einem ordentlichen Kofferraum. Also eine weitere Version im weißblauen Reich der Vielfalt (BMW hat noch nie in seiner Geschichte mehr Modellreihen, mehr Varianten und Versionen geboten), deren Form allerdings von mindestens zwei Marken vorweggenommen wurde: bei Mercedes wird zur Zeit die Neuauflage des seit März 2004 offerierten und noch immer berückend schönen CLS vorbereitet. Und Volkswagen kann auf den seit Anfang 2008 produzierten Passat CC verweisen, der sich allmählich im Straßenbild bemerkbar macht.

Für Klaus Draeger, Entwicklungsvorstand von BMW, ist die Wertschätzung der Design-Ausrichtung seiner Marke eine konsequente Entscheidung. Denn aus Gesprächen und Marktforschung weiß er: „Es sind nicht die technisch-rationalen Gründe maßgebend für die Kaufentscheidung unserer Kunden. Es ist das Design der Fahrzeuge, das als Kaufgrund Nummer Eins genannt wird.“ Das ist für Draeger nicht weiter erstaunlich, denn: „Design-Kompetenz ist tief in den Genen von BMW verankert.“

„Spaß und Freude an individueller Mobilität“

Dass diese inneren Werte der Markenidentität wieder stärker betont werden, dafür steht Adrian van Hooydonk. Ein schmaler, hoch gewachsener Mann, der ungeachtet seiner landsmannschaftlichen Herkunft den BMW-Inhalt von Kindesbeinen an inhaliert haben muss. Er hält seine Hand über die gesamten Design-Aktivitäten der BMW-Gruppe und achtet besonders darauf, dass die Kernmarke den Anschluss an zeitgemäße und zukunftsorientierte Ausdrucksformen nicht verpasst. Zur Zeit treibt ihn und seine Design-Hundertschaft vor allem eine Frage von fast existentiellem Inhalt um: „Wie finden wir ein Design, das künftig noch Spaß und Freude an individueller Mobilität vermitteln kann?“ Wie könne BMW seine dynamischen Design-Inhalte mit den neuen Techniken verbinden? Denn auch auf das BMW-Design kommen künftig jene Autos zu, die ihre Energie aus dem Stromnetz und dann aus Batterien oder aus einem Hybrid- oder Wasserstoff-Antrieb beziehen werden. Dass das nicht mehr mit den traditionellen Stil-Details geht, bewegt zur Zeit eine ganze Branche: Breite Reifen auf fetten Rädern und üppige Karossen werden vor den Verbrauchsrichtern der Zukunft nicht mehr Bestand haben. Dennoch ist van Hooydonk sicher: „Die Form eines BMW muss auch in der Zukunft zeigen, dass es noch Raum gibt für Emotionen.“ Und deshalb analysiert er die Voraussetzungen und den Inhalt für BMW-Design und sieht dieses Emotions-Paket unmittelbar und fast idealiter verwirklicht am künftigen Gran Coupé.

Die Grundlage bildet eine auf den ersten Blick banale, aber dann doch buchstäblich richtungweisende Erkenntnis: „Es muss immer eindeutig sein, in welche Richtung ein BMW fährt“, sagt der Designchef und leitet daraus ab: lange Haube, langer Radstand, Keilform, niedriges und nach hinten versetztes Dach, knapper Überhang vorne und Dynamik, die nur eine Richtung, nämlich nach vorne, kennt und akzeptiert. Zu diesen Form-Prinzipien werden Form-Details („BMW-Ikonen“) addiert, die aus der Tradition der Marke stammen: der Kühlergrill (die „Nieren“) wird je nach Fahrzeugcharakter immer neu definiert, aber im Grundmuster erhalten; die runden Scheinwerfer mit einem geraden, abgeschnittenen oberen Abschluss; die fließenden Linien der Seitenfenster-Einfassungen, zuständig für eine schwebende Eleganz und schließlich das Einfangen der hinteren Seitenfenster-Linie, der sogenannte Hofmeister-Knick. Das sind nicht nur für van Hooydonk die typischen Details eines BMW. Dazu kommen – abhängig vom Charakter des Modells – wie im Falle des neuen Gran Coupés die sogenannte „shark nose“ (internationaler Designer-Jargon und bedeutet mehr als nur die wörtliche Übersetzung in Haifischnase), die hier nicht nach hinten flieht oder senkrecht steht, sondern sich mit einem Hauch von Aggressivität nach vorne neigt. Die Struktur der Flanke wird geprägt von einer starken Sicke, die sich schon vor vierzig Jahren am 3.0 CS durch die Türgriffe bewegte.

Das Gran Coupé fährt in Größe, Leistung und Form zwischen Fünfer und Siebener. Mit vier Türen und vier Sitzplätzen soll es die harmonisch-elegante Verbindung sein zwischen sportlichem Auftritt und seriösem Auftrag. Die Proportionen (bei einer Höhe von 1,40 Meter etwa hundert Millimeter flacher als ein Fünfer) sollen den neuen BMW auf den ersten Blick als Fortschreibung gewohnter Dynamik in die Zukunft definieren. Wie diese aussieht, das weiß niemand. Wie sie wird ist klar: spannend. Auch für BMW und das Design.

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