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BMW „Connected Drive“ Der rollende Access-Point und sein neuer Store

 ·  Kommunikation und Kauderwelsch: BMW bringt jetzt den App Store ins Fahrzeug und gestaltet sein Kommunikationssystem „Connected Drive“ neu.

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© Hersteller Vergrößern Die Neuerwerbungen gelangen direkt ins Auto

„Der Erfolg der Apps ist essentiell zum Überleben in der Automobilindustrie.“ Dass die kleinen Smartphone-Programme immer öfter im Auto mitfahren, ist nicht neu. Neu ist, dass sich nun führende Automobilhersteller klipp und klar zum vernetzen Fahrzeug bekennen. Und dann kommen im Vortrag von Elmar Frickenstein, der bei BMW die gesamte Elektronik verantwortet, Sätze wie Paukenschläge: „BMW wird Teil der Cloud. Das Auto wird zu einem mobilen Access-Point im Netz. Der Kunde will seine Internet-Ökosysteme überall nutzen. Zu Hause, im Büro und natürlich im Auto.“

So wundert kaum, dass BMW jetzt den App Store ins Fahrzeug bringt und sein Kommunikationssystem „Connected Drive“ neu gestaltet. Im Connected Drive Store, der nicht beim BMW-Händler um die Ecke, sondern allein im Internet zu finden ist, kann man sein Fahrzeug auch nach dem Kauf mit allen nur denkbaren Angeboten und Dienstleistungen rund um die Kommunikationstechnik aktualisieren. Man kauft also beispielsweise Premium-Verkehrsinformationen nach, entweder zum Dauereinsatz oder befristet für zwei Wochen Italienurlaub. Das erfolgt über ein Web-Interface, etwa zu Hause, oder direkt am Bordsystem, also im Fahrzeug.

Zugriff auf mehr als zwölf Millionen Musiktitel

Die Neuerwerbungen wie „ein Jahr Verkehrsdaten für 70 Euro“ oder den Concierge-Dienst am Telefon gelangen unmittelbar ins Auto. Denn jeder BMW mit Connected Drive hat seine eigene Sim-Karte fest eingebaut, BMW übernimmt alle Kosten beim jeweiligen Netzbetreiber, derzeit ist das Vodafone. So kann man also Dienste bereitstellen, die vollkommen unabhängig von der Smartphone- oder Mobilfunk-Infrastruktur des Kunden laufen. Dieser schöne Komfort hat allerdings seinen Preis. Das neue Musik-Streamingangebot (Online Entertainment), das den Zugriff auf mehr als zwölf Millionen Musiktitel und 250 redaktionell betreute Musikkanäle im Auto erlaubt, kostet im ersten Jahr 390 Euro.

Darin enthalten ist die Datenflatrate für sechs europäische Länder und den Musik-Serviceprovider, derzeit ist das Rara, denkbar sind aber auch andere Anbieter, etwa Spotify. Beim Streaming erwirbt man die Musikstücke nicht, man hat während der Vertragslaufzeit allein das Recht, sie zu hören. Nach zwölf Monaten sinkt zwar die Abo-Gebühr auf 220 Euro im Jahr, aber günstig ist das noch immer nicht. Zum Vergleich: Spotfiy kostet 120 Euro im Jahr, wobei allerdings die Datengebühren extra mit dem eigenen Mobilfunkvertrag zu bezahlen sind.

Andere Dienste und Apps werden unentgeltlich bereitgestellt, neben den hauseigenen Programmen stellt BMW den Drittanbietern ein SDK (Software Development Kit) zur Verfügung, das die Entwicklung von fahrzeugoptimierten Apps erlaubt. Dropbox, Xing, Evernote, Pandora, Napster oder Glympse sind neue Apps, die als nächstes im BMW mitfahren.

Das gesamte Angebot rund um Connected Drive ist künftig modular gestaltet, und es verlangt zudem nicht mehr den (teuren) Unterbau des Navigationssystems „Professional“. Allerdings entfällt die bisherige Praxis, dass man viele Connected-Drive-Dienste in Neufahrzeugen im Zeitraum von sechs Monaten bis hin zu drei Jahren (je nach Ausstattung) unentgeltlich ausprobieren kann.

In den kommenden BMW-i-Modellen mit Elektroantrieb gehört das renovierte Connected Drive in einer Spezialversion sogar zur Pflichtausstattung. Denn die begrenzte Reichweite, der zeitaufwendige Ladevorgang der Batterie und die geringe Zahl der zur Verfügung stehenden Ladestationen erfordern ein aufwendigeres Fahrzeug- und Routen-Management. BMW fällt auf den uralten Gedanken mancher Verkehrsplaner von der „modalen Verkehrsmittelwahl“ zurück.

Dahinter steckte in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Hoffnung, dass typischerweise bei jeder einzelnen Fahrt die Verkehrsmittel so kombiniert werden, dass der motorisierte Individualverkehr zurücktritt. Mit dem Auto zum Bahnhof und dann mit Bus oder Bahn weiterreisen, war die Idee. Das alles hat sich nur bei Pendlern in Ballungsräumen und nur in Ansätzen durchgesetzt. Flugzeug und Fahrrad wachsen in Deutschland seit zehn Jahren bei der Beförderungsleistung am stärksten, der Anteil des öffentlichen Straßenpersonenverkehrs schrumpft.

Aber BMW will nun dem öffentlichen Personennahverkehr neuen Schwung verleihen, wenn die Mobilität des Elektroautos an Grenzen stößt. So sieht man in einer Navigations-App für die elektrobetriebenen i-Modelle nicht nur die errechnete Reichweite des Autos auf der Navi-Karte, sondern gleich die ÖPNV-Anbindung ringsum, falls das E-Mobil im Stau so viel Energie verbraucht hat, dass es bis zum Ziel nicht mehr reicht.

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20.06.2013, 17:12 Uhr

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Von Michael Spehr

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