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BMW 5er GT Die Liebe zum feinen Rücken

16.11.2009 ·  Auf der Suche nach der nächsten Nische reklamiert BMW für sich die schräge Lösung: Der neue 5er GT ist eine stattliche Limousine für die große Reise (Gran Turismo) mit der großen Klappe im schrägen Heck - die erste Version der neuen 5er-Reihe.

Von Michael Kirchberger
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Auf der Suche nach der nächsten Nische reklamiert BMW für sich die schräge Lösung: Der neue 5er GT ist eine stattliche Limousine für die große Reise (Gran Turismo) mit der großen Klappe im schrägen Heck und gleichzeitig die erste Version der neuen, für 2010 eingeplanten 5er-Reihe.

Die Basisabmessungen für den Radstand (mit 3,07 Meter um 18 Zentimeter über dem derzeitigen 5er) und die Länge (4,99 Meter, also ein Plus von 15 Zentimeter) fügen sich gut ins Bild vom Reisewagen für die langen Distanzen. Auch die in Hubraum und Leistung schön proportionierten Motoren (Reihensechser für Diesel und Benziner sowie ein 4,4-Liter-V8) mit wuchtigem Drehmoment und leisem Lauf unterstreichen den BMW-Anspruch.

Spagat zwischen Limousinen-Coupé-Eleganz und dem Pragmatismus des Kombis

Mit dem GT-Kleid (der gesamte Vorderwagen ist der erste Ausblick auf den Bug des künftigen 5er-BMW) wagt das Design den Spagat zwischen Limousinen-Coupé-Eleganz und dem Pragmatismus des Kombis. Dafür das schräge Heck zu bemühen ist ein gutes, aber keineswegs neues Konzept. Es führt zu einem ungewöhnlich großzügigen Raumgefühl für die Hinterbänkler und zu unerwartet schlechten Sichtverhältnissen nach hinten für den Fahrer. Aber die dynamischen Aspekte dieser Formgebung überwiegen. Vielleicht gehörte dieses Karosseriekonzept deshalb immer wieder zum formalen Auftritt der BMW-Modellfamilie.

Ganz früher hießen diese Typen nämlich Touring, und das war längst vor den ersten Kombimodellen der 3er- und der 5er-Reihen, die noch heute diese romantische Bezeichnung tragen. Und dann gab es eine Baureihe, die wurde so bezeichnet, wie sie sich gab: BMW Compact. Zwei Beispiele für Karosseriekonzepte, die sich - aus unterschiedlichen Gründen - bei BMW nicht durchzusetzen vermochten.

Das war womöglich ein Fehler

Die ersten Touring-Modelle waren elegante Limousinen, die ihrer Zeit weit vorausgeeilt waren. Und die später angetretenen Compact-Versionen scheiterten schließlich an ihrer nicht mehr modernisierten Technik und daran, dass man dieses Konzept - vielleicht, weil man schon die dann im Sommer 2004 debütierende 1er-Reihe ausbrütete - nicht mehr pflegte. Das war womöglich ein Fehler, denn die Compact-Versionen waren aus der regulären 3er-Reihe heraus entstanden, mit allen Vorteilen des Baukastensystems.

Die ersten Touring-Modelle mit zwei Türen, kantigen Formen und einem kühn-schrägen Heck basierten auf der 02er-Modellreihe. Sie kamen als 1600, 1800, 2000 und 2000 tii Touring mit vier verschiedenen Vierzylinder-Triebwerken im Jahr 1971 auf den Markt. Der 1600 Touring wurde auf Anhieb ein Misserfolg und schon 1974 nicht mehr verkauft. Die anderen Versionen liefen auch nur ein einziges Jahr länger und kamen während ihres kurzen Lebens auf eine Gesamtzahl von rund 29 000 Einheiten. Sie fanden keine Nachfolger, und im Rückblick wird ihr Scheitern erklärlich: Die Autowelt hatte sich noch nicht zur Akzeptanz einer breiter aufgefächerten Modellfamilie von BMW entschlossen; die Basis-Limousine kam ausschließlich mit zwei Türen, und der Touring war so eher eine exotisch-elegante Erscheinung als eine pragmatische Ergänzung. Zu der 02er-Baureihe zählte auch die 2002 Turbo Limousine, deren eher halbstarker Auftritt mit Spiegelbildschrift auf dem Front-Spoiler (zwecks Beeindruckung des Vordermanns in dessen Rückspiegel) zu öffentlicher Empörung führte.

Allerdings waren die Preise nicht von schlechten Eltern

Die schräge BMW-Version hatte schon damals einige Details aufzuweisen, die Vorbildfunktion übernehmen sollten. So waren zum Beispiel die Sitze der Rückbank einzeln umzuklappen, es entstand eine topfebene Ladefläche. Allerdings waren die Preise nicht von schlechten Eltern: Die Basisversion kostete 10 940 Mark, der Touring 2002 tii mit 130 PS kam auf 15 100 Mark.

Auf dem Oldtimermarkt haben die nun betagten BMW-Spezialitäten mittlerweile an Wert gewonnen. Nach Angaben des BMW- 02-Clubs werden sie mit Preisen bis zu 10.000 Euro (!) gehandelt.

Als dann die Bezeichnung Touring bei BMW wieder auftauchte, handelte es sich um einen Kombi. Schon damals wollte BMW damit wohl den Abstand zum schnöden Transport von Kartoffeln oder Schweinehälften signalisieren, was sich bis auf den heutigen Tag bewährt hat. Deshalb musste das nächste Schrägheck-Modell auch anders getauft werden: Auf der Basis der im Jahr 1993 aktuellen 3er-Limousine (Baureihe E 36) ließ BMW den 3er Compact auffahren. Er wurde von April 1994 an verkauft und wurde in insgesamt fünf Versionen bis ins Jahr 1999 hinein verkauft. Der Compact wirkte zunächst wie ein Sparmodell für magerere Zeiten und war als Kontrapunkt zur damals fortschrittlicheren A-Klasse von Mercedes gedacht. Er rappelte sich aber alsbald in der Gunst der Käufer auf und bereitete den Boden vor für die aktuelle 1er-Reihe.

Es gab nicht wenige Kunden, die seine Einstellung bedauerten

Der Compact wurde mehreren Überarbeitungen unterzogen (Scheiben- statt Trommelbremsen hinten und die Open-Air-Version mit riesigem Stoff-Schiebedach), erfuhr etliche motorische Veränderungen (bis hin zu einer Erdgasvariante und zum Einsatz eines neuen 2,5-Liter-Sechszylinders im Compact 323 ti, der „rauschhafte“ Fahrerlebnisse ermöglichen sollte). Es gab nicht wenige Kunden, die seine Einstellung bedauerten: Für die Führung der Hinterräder war zwar die alte Achse der abgelösten E30-Baureihe zuständig, aber die etwa 23 Zentimeter kürzere Schrägheck-Karosse war praktisch und viel kompakter als die der 3er-Limousine.

Der neue GT wirkt neben einem Touring oder einem Compact aus der Vergangenheit wie ein automobiles Statement aus einer anderen Welt. Während es noch vor zehn Jahren einen neuen 318 tds für etwa 40.000 Mark gab, sind für den aktuellen 530d Gran Turismo rund 55.000 Euro nötig. Er steht für eine Auto-Philosophie, die der feineren Differenzierung dienen soll. Denn den 5er Touring gibt es ja auch noch, und dem Vernehmen nach wird diese Kombiversion auch wieder von der neuen 5er-Reihe aufgelegt. Im GT möchte BMW Limousinen-Prestige und Kombi-Kultur vereint sehen, und Versionen mit Allradantrieb sollen folgen.

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