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BMW 320d So macht Sparen richtig Spaß

05.05.2010 ·  Es ist verblüffend, aber der sparsamste BMW im Programm ist alles andere als eine Spaßbremse. Der Motor des 320d liebt niedertouriges Fahren geradezu. Bemängeln mag man den der Sportlichkeit geopferten Fahrkomfort.

Von Boris Schmidt
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Zu einem muss man BMW wirklich gratulieren: Mit dem vor knapp drei Jahren gestarteten Efficient-Dynamics-Programm haben die Münchner als erster Automobilhersteller die Zeichen der Zeit nicht nur erkannt, sondern auch umgesetzt. Weniger Verbrauch bei höherer Leistung war und ist das ausgegebene Ziel, und im brandneuen 320d EfficientDynamics Edition ist diese Entwicklung auf einem ersten Höhepunkt.

Mit einem Normverbrauch von nur 4,1 Liter Diesel und einem CO2-Wert von 109 g/km ist er damit „das verbrauchsgünstigste und emissionsärmste Fahrzeug im aktuellen Modellprogramm von BMW, ohne auch nur die geringsten Abstriche bei der Fahrfreude zu machen.“ Ausnahmsweise zitieren wir hier wörtlich den Presse-Text, denn er sagt die Wahrheit.

120 kW (163 PS) bietet der zwei Liter große, direkteinspritzende Vierzylinder-Turbodiesel. Das Triebwerk wurde jetzt noch einmal gezielt auf weniger Verbrauch hin modifiziert. Zu den Maßnahmen für eine effiziente Dynamik gehören ein optimierter Luftwiderstandsbeiwert von 0,27 (spezielle Räder, Tieferlegung um 15 Millimeter), ein geändertes Übersetzungsverhältnis an der Hinterachse samt optimierter Schaltpunktanzeige sowie rollwiderstandsreduzierte Reifen. Und natürlich Start-Stopp sowie Bremsenergie-Rückgewinnung nebst weiteren Maßnahmen.

Gewicht von 1,5 Tonnen

Lohn der Mühen in der Praxis: Ein Durchschnittsverbrauch von maximal 6,5 Liter im Stadt- und Regionalverkehr. Auf der Autobahn kamen wir selbst unter weidlichem Ausnutzen der 163 Pferde nicht über 5,9 Liter auf 100 Kilometer, und wenn man konsequent maximal 120 km/h fährt, genügen 4,5 Liter Diesel (die Autobahn-Werte wurden dazu noch voll beladen erzielt). Der Gesamtschnitt von 5,9 Liter ist zwar deutlich über dem Normwert - der ja bekanntermaßen unter Laborbedingungen entsteht und mit der Realität kaum etwas zu tun hat. Er ist aber immer noch ziemlich sensationell für eine vollwertige, 4,53 Meter lange Kompakt-Limousine mit einem Gewicht von 1,5 Tonnen und einer Spitzengeschwindigkeit von knapp 230 km/h.

Das Triebwerk bietet mehr als ordentliche Kraftreserven. Allerdings nagelt es nach dem Kaltstart ziemlich unhöflich und ist auch sonst akustisch präsent, ohne wirklich laut zu werden. Nach Angaben von BMW soll der Motor in der Lage sein, den Wagen in glatt acht Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Diesen Wert können wir nicht ganz bestätigen, wohl aber, dass man zu keiner Zeit ein Leistungsdefizit verspürt, dafür sorgt schon das üppige Drehmoment von 380 Newtonmeter bei 1900 Umdrehungen. Selbst die Gänge 4 und 5 taugen noch zum Beschleunigen, was 9,7 (15,7) Sekunden für den Spurt von 50 auf 100 km/h im 4. (5.) Gang beweisen. Stufe 6 ist fürs Rollen auf der Autobahn gedacht, 29,7 Sekunden für unsere obligatorische Elastizitäts-Übung sind nur ein statistischer Wert.

Der Motor liebt niedertouriges Fahren geradezu

Der lange Gang sorgt dafür, dass bei Höchstgeschwindigkeit nur 3500/min anliegen, bescheidet man sich mit Tacho 140, sind es gar nur 2050/min. Der Motor liebt niedertouriges Fahren geradezu. Selbst aus 1000/min ist Beschleunigen ohne Ruckeln möglich. Der technische Kniff dahinter ist ein Fliehkraftpendel, das in das Zweimassen-Schwungrad integriert wurde. Diese Technik setzt die Schaltdrehzahl um bis zu 400 Umdrehungen herab, die Schaltpunkt-Empfehlung wurde dementsprechend modifiziert. Tatsächlich kommt die Anweisung, in den höheren Gang zu wechseln (oder gleich einen zu überspringen), dem Gehör nach extrem früh. Das Schalten selbst ist eine Pracht. Wunderbar leicht und flüssig lassen sich die einzelnen Schaltstufen einlegen, die Kupplung tritt sich spielerisch. Auch Start-Stopp funktioniert ohne Tadel, allerdings schüttelt sich der Motor immer ein wenig beim Wiederanlaufen.

Im Übrigen ist auch dieser 3er trotz aller Sparmaßnahmen ein wunderbar fahraktives, sportliches Auto mit einer präzisen Lenkung, vorzüglichem Geradeauslauf und exzellentem Fahr- und Kurvenverhalten. Angetriebene Hinterräder bieten nun mal aus Prinzip mehr Fahrkomfort, weil es nicht zu Antriebseinflüssen in der Lenkung kommen kann.

Auf Fahrbahnunebenheiten reagiert der Wagen mit gepflegter Härte

Wer es auf kurvenreichen Strecken übertreibt, kann auf das ESP vertrauen (von BMW DSC genannt). Bis es eingreift, muss man aber schon einen wirklich heißen Reifen fahren. Bemängeln mag man den der Sportlichkeit (und dem Tieferlegen) geopferten Fahrkomfort. Auf Fahrbahnunebenheiten reagiert der Wagen mit gepflegter Härte, aber damit kann man sich durchaus arrangieren.

Das Tieferlegen steht dem Öko-320 sehr gut, unser schneeweißer Testwagen sah sehr schick aus. Dank dem im Herbst 2008 erfolgten leichten Facelift hat der 3er wieder an Statur gewonnen, vor allem die Rückleuchten sehen jetzt nicht mehr nach Zubehör aus. Das Layout des Innenraums blieb unverändert, vier Menschen kommen relativ gut unter, für drei Mitfahrer wird es hinten sehr eng. Der Kofferraum hat mit einem Volumen von 460 Liter eine akzeptable Größe, durchladen kann man jedoch nur, wenn man zusätzliches Geld dafür ausgegeben hat.

Die Grundausstattung des 3er ist so schlecht nicht

Wir empfehlen das Komfort-Paket, das für 1990 Euro zur Durchlademöglichkeit (asymmetrisch geteilt, mit Skisack) unter anderem noch eine Armauflage vorn, Park Distance Control für hinten, einen Regensensor, Klimaautomatik (statt einfacher Anlage), einen Tempomaten und ein CD-Radio mitbringt. Dazu werden andere Sonderausstattungen billiger, so kostet das Navigationssystem Professional mit dem wunderbar breiten Monitor 3760 statt 3960 Euro (inklusive Handyvorbereitung mit Bluetooth).

Die Grundausstattung des 3er ist so schlecht nicht, aber BMW wäre nicht BMW, gäbe es nicht etliche Verführungen, den Wagen noch besser auszustatten. Mit einem Grundpreis von 34 100 Euro kostet der Spritspar-3er exakt dasselbe wie der herkömmliche 320d, der mit dem im Prinzip gleichen Motor auf 135 kW (184 PS) kommt, nach der Norm 0,6 Liter mehr verbraucht und in der Spitze um 7 km/h schneller (235 statt 228 km/) ist.

46 693 Euro war der Listen-Endpreis unseres Wagens, da bekommt der Gedanke ans Sparen schon einen anderen Stellenwert. Mit dabei waren unter anderem die Lederausstattung Dakota (1820 Euro) sowie das teure Navi-System. BMW lässt sich aber auch die Armlehne hinten mit 90 Euro bezahlen und verlangt den gleichen Obolus von Rauchern (Aschenbecher vorn, Zigarettenanzünder mit klappbarer Dekorblende). Dennoch, dieser 3er ist jetzt unser Favorit bei BMW, noch nie war Sparen schöner, schicker und sportlicher.

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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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