28.08.2008 · Der unentbehrliche Kopfschutz hat eine Zusatzrolle als Kommunikationsapparat übernommen. Zu den Vorreitern zählt hier Dainese mit dem Bluetooth-Helm: Mikro im Kinnteil, Lautsprecher an den Seiten, Stecker für das Ladegerät.
Von Walter WilleDas Leben dreht sich mittlerweile häufig um die Frage, wie oft und wie lange welcher Knopf zu drücken ist, damit eine Elektronik etwas tut, was früher undenkbar war. Das Phänomen hat den Motorradhelm erreicht.
Der unentbehrliche Kopfschutz, außen hart und innen weich, hat eine Zusatzrolle als Kommunikationsapparat übernommen. Bluetooth erlaubt drahtlose Unterhaltungen während der Fahrt zwischen Fahrer und Sozius, ermöglicht das Mobiltelefonieren mittels Handy in der Jackentasche und überträgt die Anweisungen des an den Lenker geschraubten Navigationssystems ans Ohr. Es gibt Motorradfahrer, die all dies aus Prinzip ablehnen, sich nicht ablenken oder das pure Fahrerlebnis nicht überfrachten wollen. Aber auch dieser Fortschritt ist natürlich nicht aufzuhalten.
Wie oft muss welche Taste wie lange gedrückt werden?
Verschiedene Nachrüstsätze sind auf dem Markt, überdies einige Helme, bei denen das Notwendige - Kopfhörer, Mikrofon, Bedientasten, Akku, Kabel - von vornherein eingebaut ist. Zu den Vorreitern zählt hier Dainese, die Italiener haben bei ihrem D-Nect Infinity für 499 Euro die Komponenten unauffällig im Helminnern integriert: Mikro im Kinnteil, Lautsprecher an den Seiten, Stecker für das Ladegerät unter einem kurzen Reißverschluss an der Unterkante des Helms sowie an seiner linken Außenseite zwei mit Handschuhen gut zu ertastende, fühlbar rastende, blau blinkende Druckschalter.
Dass es nur zwei Knöpfe sind, ist einerseits gut, weil überschaubar. Andererseits macht es die Sache schwierig: Wie oft muss welche Taste wie lange gedrückt werden, damit passiert, was man vorhat? Eine Fülle an Funktionen ist allein über diese beiden Tasten zu steuern. Es dauert, bis sich Routine einstellt, immer wieder muss man die Anleitung zu Rate ziehen.
Im Bluetooth-Modus kann der Helm mit einem weiteren und/oder einem Handy und/oder einem Navigationsgerät verknüpft werden. Diverse Kombinationen sind möglich. Eine Akkuladung soll je nach Art der Nutzung zwischen sechs und zwölf Stunden reichen. Überdies kann laut Dainese über UKW-Helmfunk eine theoretisch beliebige Anzahl von Trägern eines solchen Helms in einem gewissen Umkreis palavern - immer drei können sprechen, der Rest darf zuhören. Herstellen und Unterbrechen von Verbindungen werde automatisch gesteuert, heißt es. Mangels einer größeren Anzahl von Testhelmen war das nicht zu überprüfen; wir hatten zwei im Einsatz.
Exzellentes Gesamtergebnis mit dem Motorrad-Navi Zumo 550
Dabei stellte sich heraus: Die Zusammenarbeit der Helme mit verschiedenen Bluetooth-Gerätschaften funktioniert sehr gut. Hat man sie erst einmal „gekoppelt“, also über Bluetooth gegenseitig bekanntgemacht, erkennen sie sich beim nächsten Einschalten wieder. Wir haben uns von Helm zu Helm unterhalten, haben uns überdies zum Beispiel die Anweisungen eines im Rucksack verstauten Nokia-E66-Handys mit integriertem Navi in den Helm übertragen lassen. Es wurde zwar deutlich, wie konfus die Ansagen des Nokia-Navis mitunter sind, aber dafür kann der Helm als Überbringer der Botschaft nichts.
Das erledigte er prima. Ein exzellentes Gesamtergebnis brachte die Kombination des Dainese mit dem Motorrad-Navi Zumo 550 von Garmin. Dieses 700 Euro kostende System überzeugt hinsichtlich Ausstattung, Ablesbarkeit des Bildschirms bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen, Bedienung mit Handschuhen und der Präzision der Anweisungen durch eine resolute Frauenstimme. Allein das unangenehm klirrende „Ping“ vor jeder Durchsage irritiert.
Tadellos funktioniert das Telefonieren während der Fahrt
Um sich auf Straße und Verkehr konzentrieren zu können, schaut man auf dem Motorrad seltener als im Auto auf den Monitor, lässt sich vor allem von den gesprochenen Anweisungen leiten. Deshalb sind deren Zuverlässigkeit sowie die richtige Lautstärke wichtig, und die muss ständig angepasst werden, weil je nach Geschwindigkeit - Landstraße, Ortsdurchfahrt, Autobahnstück - die Unterschiede der Fahrtgeräusche erheblich sind. Man kommt nicht umhin, sich zur Lautstärkeregelung immer wieder an den Kopf zu fassen. Die Dainese-Lösung - stufenweise auf Knopfdruck hoch und runter - ist noch nicht die optimale Lösung. Es dauert zu lange. Eine automatische Anpassung an den Lärm von außen wäre wünschenswert.
Tadellos funktioniert das Telefonieren während der Fahrt. Ein kurzer Knopfdruck bei eingehenden Gesprächen, ein weiterer zum Auflegen und dazwischen einwandfreie Hörbarkeit auf beiden Seiten ohne nennenswerte Störgeräusche, weder im Stadtverkehr noch bei Tempo 150 auf der Autobahn - schlicht beeindruckend. Für den D-Nect Infinity gilt im Übrigen, was wir für das Schwestermodell Performance Mugello (Technik und Motor vom 8. April) festgestellt haben: gute Passform, angenehmer Sitz, leichter Visierwechsel, mäßige Belüftungsfunktion. Sein Gewicht ist mit rund 1400 Gramm (Größe M) sehr akzeptabel. Zumal ja allerhand Zusatztechnik drinsteckt.