27.09.2004 · Renault führt Mitte nächsten Jahres die Stufenhecklimousine Logan in Deutschland ein. Der Viertürer wird unter der Marke Dacia vertrieben und soll um 7.500 Euro kosten.
Von Martina GöresRenault führt Mitte nächsten Jahres die Stufenhecklimousine Logan in Deutschland ein. Der Viertürer wird unter der Marke Dacia vertrieben und soll um 7500 Euro kosten. Gebaut wird das Fahrzeug im 1999 von Renault übernommenen Dacia-Werk in Rumänien; dort hat der Verkauf bereits begonnen, eine Basisversion ist für rund 5000 Euro erhältlich. Ursprünglich war das Billig-Auto ausschließlich für Mittel- und Osteuropa, Südamerika, Asien und Afrika vorgesehen; jetzt hat Renault entschieden, es auch in Westeuropa anzubieten.
Der 4,25 Meter lange Fünfsitzer basiert auf der verlängerten Plattform von Nissan Micra und Renault Modus. Das Design mit dem V-förmigen Kühlergrill, der breiten C-Säule und dem hohen, kantigen Heck soll vor allem auf den Märkten gefallen, wo Stufenhecklimousinen sehr geschätzt werden. Mit einem Radstand von 2,63 Meter ist der Logan recht geräumig, auch im Fond gibt es ausreichend Platz für Kopf und Knie. Die robust wirkenden Materialien im Innenraum scheinen gut verarbeitet zu sein, es gibt ein großes Handschuhfach und strapazierfähige Sitzpolster. Der Kofferraum faßt mit 510 Liter mehr Gepäck als ein Vel Satis; allerdings besteht keine Durchlademöglichkeit, und die Rücksitzbank ist starr eingebaut.
Vom neuen Clio stammt die Vorderachse, hinten kommen eine Verbundlenkerachse zum Einsatz. Mit langen Federwegen und der gegenüber anderen Renault-Modellen um 20 auf 155 Millimeter erhöhten Bodenfreiheit zeigt sich der rund 980 Kilogramm schwere Logan für schlechte Straßen gerüstet. Als Antriebsquellen stehen zwei Vierzylinder-Benziner zur Wahl, sie erfüllen die Abgasnorm Euro 4. Der 1,4-Liter leistet 55 kW (75 PS) und bietet ein maximales Drehmoment von 112 Nm bei 3000/min. Die Alternative ist ein 1,6-Liter-Triebwerk mit 64 kW (87 PS) und 128 Nm bei 3000/min. Die Kraftübertragung auf die Vorderräder erfolgt über eine manuelle Fünfgangschaltung; die unteren drei Gänge wurden für eine rasche Beschleunigung kürzer übersetzt. Ein 1,5-Liter-Diesel mit 48 kW (65 PS) soll später das Motorenprogramm ergänzen, eine Kombivariante sowie ein Kleintransporter sind für 2007 geplant.
Selbstverständlich fehlen bei dem Billigmodell alle elektronischen Helferlein: Die Außenspiegel müssen manuell eingestellt, die Seitenscheiben von Hand heruntergekurbelt werden. Servolenkung, ABS oder Klimaanlage - Fehlanzeige. In der rumänischen Basisversion sind aber ein Fahrerairbag, Dreipunktgurte auf allen Plätzen (vorn höhenverstellbar) und die Zentralverriegelung enthalten. In Deutschland wird der günstigste Logan serienmäßig mit ABS und zwei Airbags angeboten werden, weitere Ausstattungsdetails stehen noch nicht fest.
Um den konkurrenzlos günstigen Einstiegspreis zu erreichen, wurde der komplett in Frankreich konzipierte Logan unter strengsten Kostengesichtspunkten entwickelt. Die Investitionen hierfür betrugen rund 205 Millionen Euro, im Vergleich dazu verschlang die Entwicklung des Megane 500 Millionen. Durch intensiven Einsatz von Computersimulation konnte der Prototypenbau entfallen (Einsparung: 20 Millionen Euro). Rund ein Drittel aller Logan-Teile inklusive Motoren, Fahrwerk und Getriebe stammt aus anderen Modellen des Unternehmens. Weil die rumänischen Werker wenig verdienen (unter 200 Euro monatlich), ist es für Renault günstiger, sehr viele Arbeitsschritte im Produktionswerk in Pitesti manuell ausführen zu lassen als teure Roboter anzuschaffen, der Automatisierungsgrad ist daher sehr gering. So werden alle Schweißpunkte von Hand gesetzt. Ein weiteres Beispiel, wie sich leicht einige Euro einsparen lassen: Außenspiegel und Schutzleisten sind so ausgelegt, daß sie sich sowohl rechts wie links montieren lassen, die hinteren Seitenfenster werden aus einem Stück gefertigt.