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Batmobil Ein Kindertraum für 4,2 Millionen

 ·  Ein schwarzes Ungetüm mit den grellroten Leuchtkanten: Fast 50 Jahre nach seiner TV-Premiere wechselt das originale Batmobil zum ersten Mal seinen Besitzer.

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© REUTERS Es wird gejubelt und gestaunt: Zuschauer der Batmobil-Auktion in Amerika

Dieses Auto war der Star in jedem Kinderzimmer. Wer in den Siebzigern, Achtzigern, ja sogar noch in den Neunzigern etwas auf sich hielt, der musste den schwarzen Riesen aus Hollywood einfach haben. Denn kein anderes Modellauto war so cool und klasse wie das Batmobil, das 1966 zum ersten Mal über den TV-Bildschirm flimmerte und seitdem in vielen verschiedenen Varianten zum vielleicht berühmtesten Filmauto der Welt geworden ist.

So oder so ähnlich sieht es wohl auch Rick Champagne, nur dass er mit einem Modell einfach nicht zufrieden sein wollte. Stattdessen hat der Millionär und Autonarr am vergangenen Wochenende bei der Barrett-Jackson-Auktion in Scottsdale im amerikanischen Bundesstaat Arizona das Original ersteigert - und sich diesen Kindheitstraum mal eben 4,2 Millionen Dollar kosten lassen, plus Steuern und Gebühren wohlgemerkt. Das Batmobil war der Star einer sechstägigen PS-Party, die sich mit rund 1400 Oldtimern, Hotrods, Muscle-Cars und Supersportwagen und 300.000 Besuchern selbst als „größte Klassiker-Auktion der Welt“ feiert und jedes Jahr im Januar den Reigen der Klassikerversteigerungen eröffnet.

Test der Bremsfallschirme mitten in Los Angeles

Was den schwarzen Straßenkreuzer von stolzen 5,70 Meter so einzigartig macht, sind nicht nur sein Fahrer und die jahrelange Präsenz im Fernsehen und später auch auf der Leinwand. Sondern es ist zudem die technische Ausstattung des riesigen Cabrios. Denn schon seit jeher hatten Adam West alias Batman und Burt Ward als Robin bereits Gimmicks an Bord, von denen normalsterbliche Autofahrer auch heute nur träumen können. Raketenwerfer, Düsenantrieb, Bremsfallschirme, Nebelkanonen, Ölspritzer, Radaraugen und das legendäre „Batphone“ auf der Mittelkonsole sind nur einige davon. Und welches Auto kann schon dank des „Batturns“ bei Vollgas auf der Stelle wenden?

„In der Comic-Vorlage stand, dass dieses Auto Paw!, Bam!, Boom! und Zoom! machen soll“, erinnert sich George Barris, „und daran haben wir uns gehalten.“ Barris nennt sich selbst den „King of Kustum“ und gilt als der Wagenmeister von Hollywood. Mittlerweile fast 90 Jahre alt, hat der Karosserie-Künstler neben dem Batmobil noch Hunderte andere Autos für Film und Fernsehen entworfen und allein mit den Rechten für die Spielzeugautos wahrscheinlich Millionen verdient.

Zwar arbeitet Barris auch heute noch fast täglich in seiner Garage im Riverside Drive in North Hollywood, die längst mehr Museum als Werkstatt ist. Doch auf seine Zunft gibt er nicht mehr viel. „Die haben keine eigenen Ideen mehr, sondern setzten nur noch um, was ihnen die Studiobosse, die Produzenten und Regisseure vorschreiben“, schimpft er auf die heutigen Hollywood-Dienstleister. Und viel handwerkliches Geschick brauchten sie auch nicht mehr, weil die Spezialeffekte alle nachträglich in den Film retuschiert würden oder die Autos gleich komplett im Computer entstehen. „Das war zu meiner Zeit noch ganz anders“, sagt Barris trotzig und zeigt Schwarzweißfotos, auf denen er mitten in Los Angeles die Bremsfallschirme des Batmobils testet. Und damit ihm auch jeder glaubt, fährt das schwarze Ungetüm mit den grellroten Leuchtkanten zur Auktion natürlich aus eigener Kraft auf die Bühne.

Seiner Zeit schon um Jahre voraus

Dabei hatte Barris für den Job nicht viel Zeit. Denn als er im Sommer 1965 den Anruf von der 20th Century Fox bekam, stellten ihm die Studiobosse eine harte Bedingung, erinnert er sich: „Du bekommst zwar 15.000 Dollar. Aber dafür muss das Auto auch in 15 Tagen fertig am Set stehen.“ Kein Wunder also, dass er in diesen Tagen nicht viel geschlafen hat.

Dass er überhaupt rechtzeitig fertig wurde, verdankt er einem glücklichen Zufall: Er hatte das perfekte Basisfahrzeug bereits in der Garage stehen. Denn irgendwie ist Barris ein paar Jahre vorher an die Designstudie Lincoln Futura gekommen, die ihre Weltpremiere 1955 auf der Motorshow in Chicago gefeiert hat. Gerade einmal einen Dollar hatte Barris damals für das Auto bezahlt, das nun sein Schicksal bestimmen sollte.

Zwar noch nicht ganz so visionär wie das Batmobil, war auch der Futura selbst - nomen est omen - seiner Zeit schon um Jahre voraus. Zwischen 1952 und 1954 vom Lincoln-Designchef Bill Schmidt entworfen und in drei Monaten von Ghia in Turin gebaut, hat das zweisitzige Cabrio mit den beiden Glaskuppeln die Formensprache jener Zeit bewusst überzeichnet und deshalb eine extreme Stromlinienkarosserie samt riesigen Heckflossen.

Eine Handvoll Kopien

Aber das von einem 6,4 Liter großen V8-Motor angetriebene Auto war auch eine Spielwiese für die technische Entwicklung. So haben die Ingenieure nicht nur sämtliche Instrumente in die Nabe des Lenkrads integriert, sondern auch den Schaltknauf durch ein paar simple Tasten ersetzt. Und damit man drinnen hören konnte, was draußen so alles passierte, gab es sogar Mikrophone im Blech und spezielle Lautsprecher im Innenraum. „Als ich den Anruf aus Hollywood bekam, war mir bei dem Design und dieser Ausstattung sofort klar, dass nur der Lincoln das Zeug zum Batmobil hat. Deshalb habe ich dem Studio ohne Zögern zugesagt“, erinnert sich Barris. Als das Batmobil dann von 1966 bis 1968 in Millionen Fernsehern rund um den Globus das Böse durch Gotham City jagte, war es dabei sogar schon im doppelten Sinne ein ziemlich betagter Gebrauchtwagen. Nicht nur, dass es bereits als Lincoln Futura oft genug im Rampenlicht gestanden hatte. Sondern selbst auf der Leinwand war der Wagen schon einmal zu sehen - feuerrot lackiert im Streifen „It started with a kiss“ mit Debbie Reynolds und Glenn Ford.

Dem Erfolg des Batmobils hat das keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: „Es wurde zur Ikone, hat die Macher aller neuen Batmobile inspiriert und ist sicher eines der berühmtesten Filmautos aller Zeiten“, sagt Auktionschef Craig Jackson, bevor nach einem riesigen Spektakel der nur wenige Minuten lange Bieterstreit von Scottsdale gleich mit Millionenschritten beginnt. Deshalb ist es kein Wunder, dass George Barris drei Jahre mit sich gerungen hat, bevor er das Original unter den Hammer brachte. Was ihm den Abschied etwas leichter machen dürfte, sind nicht nur die 4,2 Millionen Dollar, die er bald auf dem Konto haben wird. Sondern weil das Auto ständig im Studio war und von einer Ausstellung zur nächsten tingelte, hat er davon eine Handvoll Kopien angefertigt und mindestens eine noch daheim in der Garage stehen.

Alle anderen Batman-Fans müssen jetzt in ihren Erinnerungen graben, aus dem Keller die Kiste mit den alten Spielzeugautos heraussuchen oder im Internet nach alten Filmausschnitten stöbern. Zumindest alle außer Rick Champagne. Denn der will den Wagen jetzt erst einmal mitten in sein Wohnzimmer stellen.

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