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Autonomes Fahren Fahrer denkt, Auto lenkt

Der Wunsch nach selbsttätig lenkenden Straßenfahrzeugen ist fast so alt wie die Erfindung des Automobils. Viele Hersteller entwickeln Prototypen. Mercedes-Benz lädt zum automatischen Überholen ein.

© Hersteller Vergrößern Noch nicht serienreif: Der Zusatzmonitor ist nur ein Provisorium für den Versuchsbetrieb

Mit einem zuvor eingestellten Tempo von 120 km/h nähert sich unser Auto einem vorausfahrenden Lastwagen, in sicherem Abstand wird der Blinker gesetzt und auf die freie linke Spur gewechselt. Unter Beachtung des Rechtsfahrgebots ordnet sich der Wagen anschließend wieder rechts ein, folgt dabei dem Radius der langgezogenen Linkskurve und setzt die Fahrt mit unverminderter Geschwindigkeit fort. Was im ersten Moment unspektakulär klingt, beschreibt den Beginn des Zeitalters autonomer Automobile: Denn das Auto hat das beschriebene Manöver vollkommen selbsttätig durchgeführt - nicht auf einer abgesperrten Teststrecke, sondern auf einer öffentlichen Autobahn.

„Wir nennen es Autobahnpilot“, verrät Ralf Herrtwich, bei Mercedes-Benz für die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen zuständig. „Wenn Sie mich fragen, ob diese Technik in 15 oder fünf Jahren serienreif ist, lautet meine Antwort: eher in sieben.“ Stehen wir wirklich kurz vor dem automatisch fahrenden Automobil? Für Flugzeugpiloten ist so etwas Alltag: Kurz nach dem Start wird das Kommando per Knopfdruck an die Elektronik übergeben, der sogenannte Autopilot bringt die Maschine auf die gewünschte Reiseflughöhe und hält den vorgegebenen Kurs. Auch in der Seefahrt sind automatische Steuerungsanlagen seit vielen Jahrzehnten selbstverständlich.

Rechtliche Hürden und mangelnde Akzeptanz

Ein Lokomotivführer verbringt die meiste Zeit seines Arbeitstages mit dem regelmäßigen Drücken des Totmannknopfes - damit bestätigt er dem automatisch fahrenden System seine Anwesenheit. Aber beim Auto? Der Wunsch nach selbsttätig lenkenden Straßenfahrzeugen ist fast so alt wie die Erfindung des Automobils. Was lange Zeit ausschließlich in der Welt der Phantasie zu Hause war und allenfalls Stoff für Science-Fiction-Filme bot, ist durch die Vernetzung von präziser Lokalisierung und sensibler Sensorik in greifbare Nähe gerückt. Doch abgesehen von einigen universitären Versuchsprojekten hielt sich die Nachrichtenlage in Sachen Autonomes Fahren bis Ende 2011 in überschaubaren Grenzen.

Dann gab der Internetriese Google bekannt, mit seiner Testflotte mehrere tausend Meilen vollständig ohne Einwirkung eines menschlichen Fahrers zurückgelegt zu haben. Seither überbieten sich die Autohersteller mit Meldungen von erfolgreichen Versuchsfahrten ohne Menschen hinter dem Lenkrad und überarbeiten die Gesetzgeber eilig ihre veralteten Verkehrsordnungen. Auch wenn es technisch möglich ist, eine vor Fahrtbeginn eingegebene Strecke völlig ohne Fahrereingriff zurückzulegen, bleiben roboterartige Verkehrsteilnehmer weiterhin Zukunftsmusik. Bestehende rechtliche Hürden und die mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung wirken hier als Bremsfaktoren.

Vor dem vollautonomen Auto steht die teilautonome Variante: Unfallvermeidung und eine weitere Entlastung des Fahrers durch elektronische Helfer sind die entscheidenden Schlagworte. Dass wir das Lenkrad dabei für kurze Zeit aus der Hand geben können, ist sehr wahrscheinlich. Schon heute sind in Fahrzeugen der gehobenen Preisklasse elektronische Systeme an Bord, die den Fahrer nicht nur warnen, sondern aktiv eingreifen, wenn er von der Fahrbahn abzukommen oder auf ein Fahrzeug aufzufahren droht. Radarsensoren und Kameras überwachen den vorausfahrenden und nachfließenden Verkehr, halten Abstand zum Vordermann und passen die vom Fahrer gewählte Geschwindigkeit bei Bedarf an.

Einige davon sind mit einem regulierenden Lenkeingriff kombiniert: Für wenige Augenblicke übernimmt die Elektronik die Steuerung des Fahrzeugs - um Unfälle im letzten Moment zu verhindern. Inzwischen ist vieles davon auch für etwas kleinere, weniger teure Autos verfügbar, zusätzlich senken Totwinkel-Warnsysteme und elektronische Helfer zum Spurhalten das Unfallrisiko. Die nächste Stufe des teilautonomen Fahrens dient ebenfalls der Unfallvermeidung: Sogenannte Staufolge-Assistenten kümmern sich bei gemächlichem Tempo nicht nur um Bremse und Beschleunigung, sondern halten das Auto zusätzlich in der richtigen Spur.

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Die Anzahl klassischer Auffahrunfälle - meist durch eine kurze Unachtsamkeit des Fahrers verursacht - könnte so deutlich verringert werden. Zum Jahresbeginn demonstrierte Audi in Las Vegas ein System, das im Geschwindigkeitsbereich zwischen 0 und 60 km/h unter gewissen Voraussetzungen auch die Lenkarbeit übernimmt. Audi-Vorstandschef Rupert Stadler hält „ein Serienautomobil mit pilotierter Fahrfunktion noch in diesem Jahrzehnt“ für technisch realisierbar. Diese Einschätzung teilt man bei der Konkurrenz aus Stuttgart: Mercedes-Benz rüstet die überarbeitete E-Klasse und die im Sommer kommende neue S-Klasse mit einem Technikpaket für teilautonomes Fahren aus.

Der darin enthaltene aktive Lenk-Assistent hilft dem Fahrer in jeder Kurve und hält das Auto auf der sicheren Ideallinie. Aufgrund ungeklärter Haftungsfragen müssen die Hände dabei allerdings immer am Lenkrad bleiben. Der von Mercedes-Benz entwickelte und jetzt erstmals präsentierte Autobahnpilot ist der logische nächste Schritt: Das Auto hält nicht nur die Spur und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug, sondern überholt bei Bedarf selbsttätig - ganz ohne Eingriff des Fahrers. In dem mit entsprechender Radar- und Regeltechnik ausgestatteten Versuchsträger auf Basis der bisherigen E-Klasse funktioniert das bereits zuverlässig.

Quelle: F.A.S.

 
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Veröffentlicht: 10.04.2013, 06:00 Uhr

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