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Auto-Salon Genf Die Lust am Auto ist zurückgekehrt

04.03.2011 ·  Die Krise ist überwunden. Noch bis zum Sonntag zeigt die Autoindustrie in Genf ihre Produkte. Das E-Auto ist Thema, doch die Stromer stehen nicht im Vordergrund. Überall ist Optimismus zu spüren. Ein Rundgang und die wichtigsten Neuheiten.

Von Holger Appel und Boris Schmidt
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Der kürzeste Weg zum automobilen Glück führt zu Alfa Romeo. In den Hallen des Genfer Salons stehen in diesem Jahr viele schöne Autos, das schönste ist der Alfa 4C. Den zweisitzigen Sportwagen befeuert ein Turbobenziner, der unter dem durchsichtigen Deckel im Heck auf seinen Einsatz wartet. Er holt aus 1,8 Liter Hubraum 172 kW (235 PS). Innen sind ein zentrales Rundinstrument und die schwebende Mittelkonsole für Information und Verführung zuständig. Der 4C ist ein Leichtgewicht von 850 Kilogramm und ein großes Versprechen: In der zweiten Jahreshälfte 2012 soll er auf die Straße rollen, zu Preisen von 45 000 Euro an.

Es gibt Konkurrenten, die meinen, weder das Gewicht noch den Preis noch das Auto werde Alfa jemals hinbekommen, die rassige Fiat-Tochter werde sich an solchen Phantastereien verheben und dann von VW geschluckt. Darauf antworten die Italiener: Im September auf der IAA in Frankfurt legen wir noch ein 4C Cabriolet nach. Und einen neuen Spider machen wir auch noch, der kommt dann 2013 oder 2014.

Wem die Menschentraube dort zu viel ist, geht nebenan zu Aston Martin. Der neue Virage ist auch bildhübsch und hat den Vorteil zweier Sitzschalen für den Nachwuchs im Fond. So lässt sich nun mit sechs Liter Hubraum, zwölf Zylindern und 365 kW (497 PS) standesgemäß an der Schule vorfahren, Ranzen passen ins Heck, wenn da nicht schon das Golfbag liegt.

Kombination aus einem Zweiliter-Vierzylinder und einer E-Maschine

Audi ist noch sehr auf den neuen A6 konzentriert, der in diesen Tagen in den Handel kommt. Noch warten muss man auf einen hybriden A6, und bis es soweit ist, darf der Q5 diese Technik „erproben“. Ende des Jahres kommt die Kombination aus einem Zweiliter-Vierzylinder und einer E-Maschine im Q5 auf den Markt, versprochen wird ein Normverbrauch von 6,9 Liter. Gut einen Liter mehr benötigt der neue RS 3 Sportback, der kurz vor dem Produktionsende der jetzigen A3-Generation für 49 900 Euro und mit 250 kW (340 PS) aus einem 2,5-Liter-Fünfzylinder die Baureihe krönt. Und künftig gibt es den A3 vielleicht auch als Stufenheck. In Genf steht eine solche Studie, die außer einem Kofferraum das „ganze technologische Knowhow der Marke“ mitbringt. Dazu gehört ein Hybrid-Antrieb offenbar nicht, denn unter der Haube arbeitet der gleiche Fünfzylinder, nur noch mit ein paar mehr kW.

Bei den Verwandten von Bentley gibt es ganz in der Nähe noch mehr Kraft und PS und noch mehr Blech, aber auch in Crewe weiß man längst, dass Öl ein endlicher Rohstoff ist. Der neue Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer zeigte sich vom elektrischen Ausrufezeichen der Ex-Mutter Rolls-Royce wenig beeindruckt. Man habe mit der E85-Strategie eine sehr gute Entscheidung getroffen, sagte er. Gleichzeitig kündigte er an, dass Bentley an einem neuen Konzept für 2020 arbeite.

In Sachen Nachhaltigkeit und Motoren-Effizienz

Rolls-Royce-Mutter BMW darf sich zur Recht als einer der Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und Motoren-Effizienz fühlen. In Genf unterstreicht man das mit dem BMW ActiveE (siehe Seite T4), dem ersten BMW mit rein elektrischem Antrieb, der aber noch ein „Erprobungsträger“ ist. Außerdem werden die Motoren immer noch sparsamer. Es debütiert unter anderem der 320d Touring (120 kW/163 PS), der nach der Norm nur 4,3 Liter Diesel benötigt. Glanzstück am Stand ist freilich die Studie „BMW Vision ConnectedDrive.“ In den futuristischen Zweisitzer ohne Dach hat BMW alles hineingepackt, was kommunikations-, sicherheits- und informationstechnisch möglich ist.

Gäbe es einen Preis für den leersten Stand, BYD aus China hätte beste Chancen. Die selbsternannten Elektropioniere scheinen mit Hartplastik und Plüschfußmatten nicht in die Herzen der Besucher fahren zu können.

Viel gute Laune versprüht hingegen Citron. Die Franzosen schaffen es mit der DS-Reihe tatsächlich, in die Gefühlswelt des Mini einzudringen. Das neueste Modell heißt DS 4, wildert mit frechem Auftritt in der Kompaktklasse, kaschiert die hinteren Türgriffe in der abfallenden Dachlinie und führt innen ein Doppelleben. Vorn ist alles schick angerichtet, hinten versinken Mitfahrer in einer dunklen Höhle.

Trefflicher über Karosserieformen lässt sich bei Ferrari streiten. Der FF ist ein Shooting Brake und tatsächlich ernst gemeint. Eine Reihe von Zutaten aus der Formel 1 fließen in den 660 PS starken Zwölfzylinder ein. Von „Wow“ bis „grässlich“ ist jeder Kommentar zu hören, der Viersitzer sieht aber letztlich doch besser aus als das längst lautlos entschlafene BMW Z3-Coupé.

Wie gut tut da das 500 Coupé von Zagato

Ein ähnliches Schicksal droht dem ein oder anderen Fiat. Die Italiener haben ein so gar nicht zu ihnen passendes SUV aus der Ehe mit Chrysler übernommen und lassen es als siebensitzigen Freemont auf die Menschheit los. In den nächsten 30 Monaten will Fiat seine Palette komplett erneuern, das ist hoffentlich keine Drohung. Wie gut tut da das 500 Coupé von Zagato. An dieser Stelle müssten wir etwas schmerzhaftes zu Lancia schreiben, wo man einige Chrysler umgebaut hat und behauptet, die taugten damit für die Fahrt „in die Berge des Chianti“. Der große Thema soll gar gegen Lexus und BMW 7er bestehen. Wenden wir uns lieber Ford zu. Die Kölner wissen, was Frauen wünschen, und geben mit der Studie „B-Max Concept“ einen Vorgeschmack auf einen vier Meter kurzen Van mit Schiebetüren, der 2012 auf den Markt kommen soll. Zur Besonderheit wird er nicht nur wegen fehlender B-Säulen, sondern auch wegen eines Einliter-Dreizylinders im Motorenangebot, der mit Hochdruck-Direkteinspritzung, Turboaufladung und doppelt variabel gesteuerten Nockenwellen aufwartet und sehr sparsam sein soll. Am anderen Ende der Modellpalette wird Ende des Jahres der Pick-up Ranger neu aufgelegt. Er heißt dann Ranger Wildtrak und soll dem VW Amarok Konkurrenz machen. Neben althergebrachten Pick-ups kann Ford freilich auch Zukunft: Ein elektrischer Focus ist in Vorbereitung, und auch die Hybrid-Technik wird in Europa Einzug halten.

Bei Hyundai fallen die Blicke auf den neuen i40, einen ausgewachsenen, 4,77 Meter langen Kombi, der ein Erfolg wird, wenn er nur halb so gut fährt, wie er auftritt. Hyundai hat in den 20 Jahren seiner Präsenz in Europa eine erstaunliche Entwicklung hinter sich gebracht. Was noch alles kommen könnte, zeigt die SUV-Studie Cur3. Nur Geländewagen und SUVs bietet Jeep, und das seit 70 Jahren. Für den im Herbst erneuerten Grand Cherokee gibt es jetzt einen Dreiliter-V6-Diesel (von VM aus Italien), der kleine Jeep Compass wurde gründlich überarbeitet.

Das kompakte Auto ist nicht wiederzuerkennen

Kia hat derweil den Rio umgekrempelt. Das kompakte Auto ist nicht wiederzuerkennen, wie Hyundai bewegt sich auch diese Marke auf hohem Niveau. Das gilt genauso für den ebenfalls neuen Kleinstwagen Picanto. Am zweiten Pressetag nahm sich VW-Chef Winterkorn ausgiebig Zeit, um beide Fahrzeuge in Augenschein zu nehmen.

Auf den Lamborghini Aventator LP700-4 hat allerdings noch kein Koreaner eine Antwort. Der tapferste Kampfstier in der Arena von Saragossa folgt im Sommer dem Murciélago. Ein V12-Motor ist weiter Programm, aber jetzt besorgen 515 kW (700 PS) aus 6,5 Liter Hubraum den Sprint von 0 auf 100 km/h in 2,9 Sekunden und ermöglichen 350 km/h. Noch wichtiger: Statt um einen Gitterrohr-Rahmen baut der neue Lamborghini jetzt um ein Karbon-Monocoque, an das Aluminium-Hilfsrahmen gesetzt werden. Der Preis dürfte bei rund 400 000 Euro liegen.

Noch keinerlei Preisvorstellung hat man bei Land Rover für den Range Rover Sport mit Plug-in-Hybrid-Technik (Dieselmotor, elektrisch angetriebene Hinterachse), der in zwei Jahren fertig sein soll und in Genf zum ersten Mal gezeigt wird. Dafür nennt man den Basis-Preis des neuen Range Rover Evoque (Debüt September): 33 100 Euro. Es gibt Front- und Allradantrieb. Bei Schwester Jaguar nebenan gibt es den alten E-Type und den neuen XK-RS. Den schönsten Jaguar hat aber Bertone: So wie diese Jaguar-Studie hätten wir uns den neuen XJ gewünscht.

Eine ebenso schicke wie seriennahe Studie

Mazda fährt den Minagi heran, eine ebenso schicke wie seriennahe Studie, aus der Anfang 2012 ein kompaktes SUV werden soll, es dürfte CX5 heißen. Der sportlich gezeichnete viertürige Shinagi wird gegen Jahresende 2012 den Mazda6 beerben. Mit dem CX5 werden neue Motoren und neue Getriebe (auch Automatik) in die Modellpalette Einzug halten, die mehr leisten und weniger verbrauchen sollen.

Mercedes-Benz feiert 125 Jahre Automobil. Mit dabei sind der brandneue SLK (siehe Seite T3), die neue C-Klasse inklusive des C 63 AMG und des neuen C-Coupés sowie die Zukunftsträger B-Klasse F-Cell. Den elektrischen Smart hat man natürlich auch auf die Bühne gefahren. Mini gleich neben Mercedes brilliert vor allem mit dem 3,45 Meter kurzen Rocketman, einer Mini-Mini-Studie. Zur Erinnerung: Der Ur-Mini war 3,05 Meter lang.

Mitsubishi nimmt wieder Abschied vom erst kürzlich eingeführten Jet-Kühlergrill und spendiert seinem Weltauto „Global Small“ eine gefälligere Form. Es wird in einem neuen Werk in Thailand gebaut und ersetzt im kommenden Jahr hierzulande den Kleinwagen Colt. Es wird Benziner mit 1,0 und 1,2 Liter Hubraum geben und Ende 2012 auch eine elektrische Version.

Da will Nissan nicht zurückstehen, schließlich hat sich die Schwestergesellschaft von Renault vorgenommen, Nummer 1 unter den japanischen Herstellern in Europa zu werden. Als Ansage surrt der Esflow heran, ein auf dem Elektroauto Leaf aufbauender Sportwagen, für den Nissan 200 km/h Spitze und 240 Kilometer Reichweite verspricht. Damit irdische Träume schon jetzt wahr werden, gibt es einen Benzin verbrennenden GTR mit jetzt 390 kW (530 PS) und fortan einen kleinen Micra, der dank Kompressor auf gute Fahrleistungen und unter vier Liter Verbrauch kommen soll.

Verkaufsstart zur IAA

Opel hat jetzt endlich, beim x-ten Messeauftritt des Hoffnungsträgers Ampera, die Serienversion dabei. Zur IAA wird dann wie versprochen der Verkaufsstart sein. Der Zafira Tourer ist nur ein „Konzept“. Im Frühjahr 2012 wird er die Minivan-Palette ergänzen, der jetzige Zafira bleibt im Programm.

Peugeot schiebt den 3008 Hybrid 4 ins Rampenlicht, den ersten Vollhybrid-Diesel der Welt. Thermischer Motor für die Vorderachse, E-Antrieb auf die Hinterachse, fertig ist der Allradantrieb à la franaise, der an Quattro oder X-Drive aber nicht heranreichen dürfte. 147 kW (200 PS) Systemleistung und 3,8 Liter Normverbrauch werden versprochen.

Renault hat seine langsam der Serienfertigung entgegenstrebende Elektroautopalette dabei, doch die große Show gebührt diesmal anderen. Der R-Space gibt Ausblick auf einen 4,20 Meter langen Familienvan mit gegenläufig öffnenden Türen, ähnlich wie die des Ford B-Max. Angetrieben wird der R-Space von einem neuartigen Dreizylinder-Benzinmotor mit 900 Kubikzentimeter Hubraum, der in Verbindung mit einem Doppelkupplungsgetriebe Fahrleistungen wie ein 1,6-Liter erlauben soll, sich aber mit 3,7 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer (95 g/km CO2) begnügen und 2012 Einzug in die Palette halten soll. Der Captur zeigt, was passiert, wenn Designer alles dürfen. In dem SUV schlägt ein Doppelturbo-Diesel mit 118 kW (160 PS), es wird Ende nächsten Jahres (hoffentlich) ziviler aussehen.

Entsprechende Studien sind zu sehen

Saab hat sich aus seiner Geschichte heraus schon immer der Fliegerei verpflichtet gefühlt, unter dem neuen Eigentümer Spyker sehen die Autos jetzt auch aus wie Jets. Seat und Škoda arbeiten gleichzeitig an einem neuen Markenauftritt, entsprechende Studien sind zu sehen.

Tata hat zwar keinen Nano für Europa dabei, zeigt aber mit dem kleinen Pixel, wohin die Reise geht. Die Inder haben sich eine frischere Zukunft vorgenommen und wollen etablierte Billigmarken wie Dacia nicht aus den Augen verlieren.

Toyota hat seine Pressekonferenz mit haufenweise Daten über Zuverlässigkeit und Qualität eröffnet, was zeigt, wie sehr die Japaner von der Bremspedal-Affäre getroffen sind. Fast wären die Autos zu kurz gekommen, doch dann fiel ihnen doch noch ein, dass sie einen Yaris mit Hybridantrieb dabei haben. Der HSD sei bis zu einer Fahrleistung von 25 000 Kilometer im Jahr günstiger als jeder Diesel. Wer ihn möchte: Mitte 2012 rollt er aus dem französischen Werk in Valenciennes. Und fürs Herz gibt es die Supersportwagen-Studie „FT-86 II concept.

Volkswagen zaubert als Überraschung die Studie „Bulli“ aus dem Hut. Der neue „Bus“ ist nur 3,99 Meter lang, hat aber sechs Sitze (2×3). Im übrigen schaut alles auf das neue Golf Cabriolet, nun endlich ohne Henkel.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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