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Auf Sonderfahrt (6) Jagd auf jedes Blatt

13.12.2011 ·  Der Busbahnhof muss heute noch tipptopp werden: Kompakte Kehrmaschinen sind die modernen Straßenfeger, sie bringen Gehwege und Radwege zum Blitzen.

Von Rüdiger Abele
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© Rüdiger Abele Da passt kein Blatt dazwischen: Mato Jelas und seine City Cat sind die Saubermänner vom Dienst

Das welke Blatt hat keine Chance. Der rotierende Besen rupft es mit robusten Kunststoffborsten aus der Gehwegfuge und befördert es mittig unter das Fahrzeug. Dort wird es an den Saugschlund übergeben, der es vom Boden reißt und mit der Kraft seiner starken Maschinenlunge in den Kehrgutbehälter wirft, zu Tausenden anderen welken Blättern, zu gleichfalls aufgenommenen Kleinpartikeln, zu Unrat unterschiedlicher Herkunft. Willkommen in einem ganz properen Maschinchen - in einer Kehrmaschine.

Heute steht der Busbahnhof in Sindelfingen auf dem Programm von Mato Jelas. „Normalerweise“, sagt er, „ist um 10 Uhr dort alles tipptopp. Tipptopp!“ Nur heute nicht, denn da hat zuvor noch diesen Reporter eingesammelt, der sich auf den schmalen Notsitz links von ihm in der engen Kabine quetscht. Jelas selbst sitzt rechts, um den Fahrbahnrand besser sehen zu können. Der heutige Zeitplan ist aus dem Lot, doch der Fachmann ist es nicht. Er ist Routinier auf der Kehrmaschine, fährt sie und andere Großgeräte für die Technischen Betriebsdienste der Städte Böblingen und Sindelfingen. Jelas beschleunigt das Gefährt auf 46,7 km/h, eine Digitalanzeige gibt genaueste Auskunft, und bringt es vom Bauhof an den Einsatzort. Auf der Strecke dorthin ist das kubische Fahrzeug ein Schlaglochsuchgerät - nicht unbedingt komfortabel gefedert, denn nicht nur der Fahrer wippt bei jeder Unebenheit auf seinem immerhin ordentlich gepolsterten Sitz auf und ab, das ganze Fahrzeug tut es. Es ist halt kein komfortabler Zubringer, sondern schlichtweg eine Arbeitsmaschine. Gebaut für einen bestimmten Zweck, den sie perfekt zu erfüllen hat.

Größere Äste mag die Maschine nicht

Kurz vor dem Busbahnhof bremst Jelas die rollende Maschine und steuert sie auf den Gehweg. Seine rechte Hand fällt auf den Joystick, die linke auf den Knauf am Lenkrad. Ein paar Knöpfe am Bedienfeld gedrückt, und die Besen von 80 Zentimeter Durchmesser nehmen ihre Drehtätigkeit auf. Sprühwasser wird hinzugeschaltet, sonst wäre die Angelegenheit gar zu trocken. Drei Kehrbesen gibt es: Jeweils einen rechts und links am Fahrzeug und dann vorn einen an einem sehr beweglichen Arm. Das Fahrprogramm ist mit einer niedrigen Schrittgeschwindigkeit festgelegt, und der Mann gibt mit dem rechten Fuß Gas. Mal 2,5 km/h, mal 3,7 km/h, höchstens 4,6 km/h zeigt das Display, während sich die City Cat 2020, wie es oben außen am Kehrgutbehälter prangt, auf ihren reinigenden Weg über den Bürgersteig macht. Die Stadtkatze hat das Mausen gelernt. Jelas zirkelt die City Cat den Gehweg entlang und immer auch den Frontbesen an dessen beweglichem Arm in seine optimale Stellung, um alles auf dem Boden Liegende heranzuschaffen, selbst wenn es etwas entfernt oder in einer Nische liegt.

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© Rüdiger Abele Wer wird denn gleich durchdrehen?

Doch das hat Grenzen: Ein Händler steht vor seinem Laden und deutet auf ein paar Blätter, die in der Ecke liegen. „Wie soll ich da dran kommen?“, sagt Jelas, schüttelt den Kopf und ist schon vorbei. Größere Blätterversammlungen löst er auf, indem er die Bürsten mehrere Male entlangkreiseln lässt. „Zu viel auf einmal packt die Maschine nicht.“ Und größere Äste mag sie auch nicht. Denn die verklemmen sich im Saugkanal und blockieren den freien Flug des Unrats in Richtung Kehrgutbehälter. Entweder springt Jelas dann selbst aus der Kabine und legt Äste aus dem Weg. Oder ein hilfreicher Kollege bereitet ihm den Weg, bläst mitunter per Handgerät auch schon Laub auf eine bessere Arbeitslinie.

Der Komfort bleibt nicht ganz außen vor

Ein Vierzylinder-Dieselmotor ist das Antriebsherz der City Cat, schadstoffarm nach Euro-5-Norm, mit 84 PS (62 kW). Auf die angetriebene Vorderachse wirkt er nicht direkt, sondern über ein Getriebe in hydrostatischer Bauart, elektronisch gesteuert: Das macht eine stufenlose und sehr präzise Einstellung der Fahrgeschwindigkeit möglich. Pro Jahr legt die Maschine an 220 Tagen 7000 Kilometer zurück, 2000 davon sind reine Kehrkilometer.

Das Gerät ist für seinen Hauptdaseinszweck mit einem „Programmable Sweeping System“ ausgestattet: Das Kehrsystem wird vom Fahrersitz aus bedient, ein kleiner Monitor und diverse Schalter geben die volle Kontrolle über sämtliche Funktionen und Auskunft über die Füllstände beispielsweise des Frischwassertanks, der die Wasserdüsen an den Besen versorgt. Der Komfort bleibt nicht ganz außen vor. Ein Radio hat das Gerät, eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber. Es habe sich viel getan in den vergangenen Jahren, sagt Jelas, er sei schon zufrieden mit der Kehrmaschine. Verbesserungsvorschläge? Ja - eine Ausbuchtung unterhalb des Lenkrads, bitte schön, für den linken Fuß, damit das Bein nicht stundenlag in Klammerstellung bleiben muss. Vielleicht mehr Federung. Und weniger Arbeitsgeräusch - Ohrenstöpsel sind Standard.

Mit höherer Fahrgeschwindigkeit in Richtung Entladenplatz

Stimmt: Die Stadtkatze faucht ganz schön laut. Sieben Stunden verbringt Jelas täglich in der Maschine. „So lange, wie ich in meinem Auto bis nach Kroatien brauche.“ Da ist jedes Komfortmerkmal kein Luxus, sondern macht den Arbeitsalltag schlichtweg angenehmer und zudem ermüdungsärmer. Denn der Fahrer muss nicht nur mit höchster Aufmerksamkeit die Maschine steuern, sondern auch auf andere Verkehrsteilnehmer achten. Auf Geh- und Radwegen unterschätzen die sich ebenfalls dort Tummelnden mitunter das leuchtend-orange Gefährt, trotz warnender Rundumleuchte - Jelas ist stets reaktionsbereit und mit seinen Augen nicht nur an den Besen, sondern ständig überall, auch über den Seitenspiegeln. Den Blick hinter die City Cat wirft eine Kamera, die ihr Bild auf einen großen Monitor in die Kabine schickt.

Mittlerweile hat die City Cat brav gearbeitet und sich gehörig Herumliegendes einverleibt. Sie ist fast voll - was Jelas vor allem am sich ändernden Geräusch der Saugturbine erkennt, denn deren Leistung lässt nach. Er rollt vom Bürgersteig hinunter, schaltet die höhere Fahrgeschwindigkeit ein und gibt Gas, in Richtung des Entladeplatzes. Dort drückt er einen Knopf, und 1,8 Kubikmeter Kehrgut fallen heraus, größtenteils welke und feuchte Blätter. Der Schlund klappt retour, und zurück geht es an den Busbahnhof. Denn der muss heute noch tipptopp werden.

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