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Auf Sonderfahrt 5: Mercedes S-Klasse In Blitzlichtgewittern

14.11.2011 ·  Zum ganz großen Auftritt gehört die ganz große Limousine. Wir fahren in einer S-Klasse zum roten Teppich der Bambi-Verleihung 2011 vor.

Von Rüdiger Abele
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© Rüdiger Abele Roter Teppich in Sicht: Nur noch wenige Meter sind es, dann steigt der Mensch aus der S-Klasse und in das Abendgeschehen

Die Autotür schließt sich ganz sanft. Der Geräuschpegel des geschäftigen abendlichen Wiesbadens bleibt außen vor. Durchatmen, ganz tief. Denn ein wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste Auftritt des Abends naht, auf dem roten Teppich des Bambi. 600 Meter sind es, nicht mehr, aber eben auch keinen Zentimeter weniger. Denn die Strecke kann nervenaufreibend sein, wenn sie mitten hinein führt ins volle Blitzlichtgewitter und gleißende Kameralicht der Weltpresse, die ihre unerbittlich scharfen Linsen auf das Geschehen vor dem Eingang der festlich illuminierten Preisverleihungshalle richtet. Doch das ist Zukunftsmusik, noch ganze 15 Minuten entfernt. So lange wird es vom Hotel bis zum Aussteigen dauern.

Nur prima, dass wenigstens hier und jetzt die Atmosphäre stimmt. Ja, das Gesamtruhige des Autos und die ersten Meter in ihm sind angenehm. Gedämpftes Licht. Sanfte Musik. Gute Sitze, beledert und dezent duftend. Der Chauffeur hat nach dem Einsteigen gegrüßt. Mit einer Stimme, die sofort das Gefühl vermittelte: Alles wird gut.

Der erste Eindruck ist immer der wichtigste

Was ist denn das diesmal für ein Auto? Aha, ein Mercedes. Der Stern glänzt im Dämmerlicht des Lenkrads ein wenig nach hinten rechts. Ehrensitz, danke schön, wenn alles so einfach wäre im Leben, hier muss man nur Platz nehmen, alles andere ist harte Arbeit. Die linke Hand fällt auf die Mittelarmlehne. Zwei Fläschchen Wasser stehen im Halter bereit. Eins wird herausgegriffen, um die Sinne etwas abzulenken: „Limousinade“. Ja, tatsächlich, so steht es auf dem Etikett, Eau Plate. Doch jetzt nicht, kein Durst. Oder doch, ein Schlückchen, um die trockene Kehle zu benetzen.

Man kann ja noch so sehr Profi sein. Aber diese kleine Nervosität vor einer derartigen Veranstaltung ist einfach nicht wegzukriegen. Vielleicht ist das ja anders bei manchem Kollegen des internationalen Glamour-Geschehens. Aber die Nervosität ist auch positiv, sie schärft die Sinne. Denn es geht ja heute um etwas. Für jeden, der in festlichster Kleidung hier ist und auf den roten Teppich des Bambi darf. Der erste Eindruck ist immer der wichtigste, heißt es, und das gilt auch jetzt: Es geht um den ersten Eindruck vor diesem Publikum und vor dieser Preisverleihung und damit um richtig gesetzte Schritte aus dem Auto auf den roten Teppich und über diesen hinein in die Tür zur Festhalle.

Edelausführung des Edelautos

Was liegt denn da vor den Wasserflaschen? Ein Handy. Es sei das neueste Gerät des Herstellers, sagt der Fahrer, und man könne es gern ausprobieren. Es hat, meint die Kurzbeschreibung in der Tasche an der Rückenlehne des Beifahrersitzes, ein „Amoled Advanced Display“. Was immer das auch ist. Das Display ist jedenfalls groß und leuchtet richtig hell. Nur mitnehmen kann man das Gerät nicht. Es ist mit einem dünnen Stahlseil ans Auto gebunden.

Was da noch in der Tasche ist? Der Prospekt zu diesem Auto. S-Klasse, steht drauf. Irgendwo hatte man gelesen: „Mercedes-Benz ist Hauptpartner der Bambi-Verleihung.“ Wie viele Fahrzeuge heute Abend im Einsatz sind, um Gäste zum Bambi zu fahren? 70 Stück, sagt der Chauffeur. Die meisten davon tragen das „S“ im Namen, alle schwarz bis auf zwei silberne Exemplare. Die weitere Nachfrage bringt die Information, dass es sich um den S 400 Hybrid in der langen Ausführung handelt. Platz hat man, das stimmt. „Designo“, schimmert von der Mittelkonsole ein Schriftzug herüber. Also sogar die Edelausführung des Edelautos, individuell ausgestattet. Na ja, so viel Zeit zum Umschauen ist nicht. Und, ehrlich gesagt, Autos sind gerade jetzt eher Nebensache.

Schultern herunter, Kopf hoch

Immer wieder bremst der Fahrer das Fahrzeug sanft ab, bleibt stehen. Stau vor dem Bambi, und das, obwohl die Straße vom Hotel bis dorthin großzügig abgesperrt ist. Aber das ist ja meist so bei derartigen Veranstaltungen. Vor uns schwarze Limousinen, hinter uns schwarze Limousinen, in langer Schlange vor der Auffahrt zur Halle. „Stop and Go“. Und der Automotor geht immer wieder aus, kaum merklich, und springt beim Anfahren wieder an, kaum merklich. Gut so, alles, was der Umwelt hilft, ist willkommen.

Der rote Teppich vor dem Eingang ist zwar großzügig ausgelegt. Doch es hat immer nur ein Fahrzeug dort Platz: volle Aufmerksamkeit allein für die Person und ihre Begleitung. Man kennt das ja: Die edel beschuhten Füße setzen sich sehr bedacht aus der offenen Autotür direkt auf den roten Teppich. Bei den Damen lässt sich so ein erster Blick auf ihre Mode des Abends erhaschen. Dann erhebt sich die Person aus dem Fahrzeug hinaus und in vollem Festornat in das erste Festlicht hinein, schenkt den drängenden Menschen am Eingang das schönste Lächeln - und vor allem den unzähligen Kameras jedweder Art, denn sie halten alles fest, tragen es in alle Welt hinein. Posieren, gleich nach dem Aussteigen, noch vor dem Auto. Schultern herunter, Kopf hoch, Blick nach rechts. Blick nach links. Partnerin noch dichter herangezogen. Dann ein paar Meter gehen. Wieder stehen bleiben, neuerliches Posieren.

Immenser Geräuschpegel gellender und rufender Stimmen

So wird es gleich sein. Die Festhalle ist fast erreicht. Gleißendes Licht macht den Vorplatz taghell. Polizei steht umfangreich bereit. Dicht gedrängt befinden sich Menschen hinter der Absperrung, recken Poster und Bücher und Blumen und Mützen in die Höhe. Wenn man ihre Münder richtig deutet, dann kreischen nicht wenige. Wer steigt da vorn gerade aus? Es ist nicht zu sehen und auch egal. Jeder kriegt hier seinen Auftritt, und der aus dieser Limousine liegt kurz bevor.

Aus der langen Linie der schwarzen Autos ist eine kurze geworden. Kleine Linkskurve. Noch eine Limousine vor dieser hier, deren grell leuchtende Bremslichter sind in dieser Situation mehr Start- als Stoppsignal. Jetzt biegt sie in die Zielgerade ein, ist weg. Der Chauffeur lässt sanft nachrollen. Herzklopfen, jetzt vor den letzten zwanzig Metern. Irgendwo von vorn kommt wohl ein Handzeichen. Wir rollen los - und fahren vor, dicht heran an einen Herrn, der den Endhaltepunkt markiert. Sinnigerweise trägt er den Funktionsnamen „Red Carpet“. Die rechten Reifen des Autos stehen auf dem roten Teppich. Klar, damit die Füße ihn auf keinen Fall verfehlen. Ein „Door Opener“ öffnet die Tür. Blick auf die Szene. Ein immenser Geräuschpegel gellender und rufender Stimmen wogt in das Auto hinein. Alles drum herum verschwimmt zur Kulisse. Nun nichts wie durch durch die Szenerie: Es tobt das Blitzlichtgewitter, soll man nach rechts schauen, nach links? Egal, nur freundlich muss es sein, und dann geht der Fußweg über den Bodenbelag, der die Welt bedeutet, sanft geradeaus und durch die Tür in die Halle und aus dem ersten Wirbel hinaus in einen zweiten Wirbel hinein. Der Abend hat begonnen.

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