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Auf Sonderfahrt 3: Land Rover Das Weltauto von Format und Würde

17.09.2011 ·  Den klassischen Land Rover wirft im Gelände so schnell nichts um. Ein Ausflug in Extremlagen, im „Land Rover Experience Center“ in Wülfrath bei Neuss.

Von Rüdiger Abele
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© Rüdiger Abele Land Rover: Der Defender ist ein Partner fürs harte Gelände

Was für eine Rumpelbude. Aber sie ist extrem liebenswert. Von Stock zu Stein geht die Fahrt, und keiner wird ausgelassen. Das Auto neigt sich nach links, kippt jäh nach rechts, wippt nach vorn und nach hinten. Manchmal ächzt es zart im Gebälk des urbritischen Gefährts. Und stets singt der Dieselmotor sein Lied, ist der brummelnde Bariton mit Wärme in der Stimme, zugleich das akustische Fundament für diesen Ausflug ins Gelände mit einem Auto, das nicht zuletzt über diese sonore Note absolute Verlässlichkeit verheißt. Der Diesel zieht das Auto in die übelsten Lebenslagen hinein. Freundlicherweise aber auch wieder hinaus. Der Wagenlenker am Volant von großzügigem Durchmesser ist der Gewinner. Zumindest an diesem Tag und in diesem Terrain.

Willkommen in der rauhen Welt des Land Rover Defender, dort zu Hause seit 1948, damals noch in der ersten Form namens "Series 1". Er war ursprünglich vor allem als landwirtschaftliches Nutzfahrzeug gebaut, doch schon bald machte er sich auf in alle Welt, die für ihn kaum Grenzen kannte, eigentlich nur politische. Land Rover, der durch die Gegend Streunende. Der Name ist Programm, Berufung und Ritterschlag zugleich, Letzterer verpasst von professionellen und selbstberufenen Weltenbummlern, die mit ihm auch unmöglichste Ziele auf dem Landweg erreichten. Das Grundkonzept des Fahrzeugs ist seit mehr als 60 Jahren umrissen: auch in extremen Situationen die extreme Geländefähigkeit zu bieten, die ein Vorankommen unter allen Umständen ermöglicht. Sicherlich, moderne Technik vor allem bei Assistenzsystemen und Fahrwerk lassen den Urvater heute ein wenig ältlich aussehen - andere Geländewagen kommen längst noch besser voran und geben den Insassen sogar Komfort hinzu. Damit verwöhnt der Defender nicht unbedingt, doch seine Fans lieben ihn auch deshalb. Er ist der Ungefilterte in einer Autowelt, in der breitgefächerte Filterung als Verdienst des technischen Fortschritts angesehen wird.

Monument, an dem man so schnell nichts ändert

Der Defender ist die vierte Baureihe vom Ur-Land-Rover, er löste die dritte 1983 ab. Seitdem hat ein Land Rover permanenten Allradantrieb, zuvor war er zuschaltbar. Die letzte Überarbeitung war Ende 2006, und es sagt schon alles, dass selbst die Pressemappe seitdem nahezu unverändert ist. Bei anderen Fahrzeugen wird sie im Jahresrhythmus aktualisiert, weil sich frische Dinge ins Fahrzeug einschleichen. Hier schleicht nichts.

Der Defender ist ein Monument, an dem man so schnell nichts ändert. Wenn, dann prallt etwas auf und in ihn, wie 2006 ein Dieselmotor mit frischen Abgas-Eckwerten, die damals bedeutendste Neuerung, neben etwas Kleinkram, der freilich die Gemeinde gleichfalls in höchste Unruhe versetzte. Mancher sah den Untergang eines nicht eben kleinen Weltreichs, doch das ist nicht passiert. Der Defender ist sich treu geblieben, und er ist immer noch der urwüchsige Kraxelmeister. Und jetzt wird der Motor schon wieder aktualisiert und dann die Euro-5-Norm erfüllen. Wir blicken bereits gespannt auf das Jahr 2015, für das der von Grund auf neue Defender angekündigt ist. Erste Studien stehen gerade auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt, er wird ein anderes Kleid tragen, die Bestimmungen zum Fußgängerschutz erfordern es. Aber im Kern wird er alle klassischen Tugenden pflegen.

Kletterfähigkeit für bergigstes und unwegsamstes Gelände

Wir spüren den Tugenden im "Land Rover Experience Center" in Wülfrath bei Neuss nach, ein riesiger aufgelassener Steinbruch und damit das perfekte Terrain für Geländewagen-Freunde. Hier können sie sich und ihr Auto in Schieflagen und an Grenzen diverser Art und Intensität bringen - Gefälle mit bis zu 110 Prozent, Schrägfahrten mit 35 Grad Neigung -, Hindernisse umsteuern, verschiedene Oberflächen inklusive Sand im Auto meistern. Sie können all das üben, was im echten Leben mit kernigen Geländewagen auftreten könnte - oder nur hier, weil man sonst ausschließlich über Asphalt rollt und in Wülfrath das Hobby pflegt. "Artgerechte Haltung" nennt es unser Guide durch das weitläufige und eben vielfältige Trainingsgelände. Er scheint jeden Zentimeter hier zu kennen und setzt den Defender millimetergenau in die Fahrlandschaft hinein.

Zum Erfolg des Defender trug und trägt stets bei, dass es ihn in zahllosen Ausführungen gleich ab Werk gibt. So kann man sich das für einen bestimmten Zweck maßgeschneiderte Gefährt bestellen, was ihn für Profi-Einsätze aller Art prädestiniert. Elf Grundvarianten in drei Radständen verzeichnet die aktuelle Preisliste. Die meisten Möglichkeiten bieten die Chassis-Fahrzeuge: Auf das bloße Fahrgestell lässt sich alles aufsetzen, was das Herz des Käufers begehrt - Hebebühne, Transportkoffer verschiedener Höhe und Länge, Pritsche lang und kurz, mit Soft- oder Hardtop, Dreiseitenkipper, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. So wird aus dem Land Rover beispielsweise ein Feuerwehrwagen, ein Winterräumfahrzeug oder ein Forstfahrzeug, jeweils inklusive der Kletterfähigkeit für bergigstes und unwegsamstes Gelände. Denn das ist und bleibt seine Ureigenschaft. Für den Nachfolger steht die Variabilität auch im Anforderungskatalog.

Mischung aus Erde und Wasser

Wir nähern uns bereits dem Finale. Aus der Hügellandschaft führt der Weg in einen Tunnel. Der Guide gibt Gas in der Röhre, und ein Lachen gluckst aus dem Gesicht eines Mannes, der weiß, was kommt: eine riesige Pfütze, effektvoll gleich am Tunnelausgang plaziert. Der fachkundige Fahrer betont noch, dass man sich normalerweise keinen Gigantoplatscher erlauben würde, wegen der Natur, wegen des Autos, wegen dosiertem Fahren, wegen allgemeiner Geländewagenfahrer-Ethik, nur hier könne man das tun, in diesem Spielplatz, der eigens für solche und noch viele andere Eskapaden gepflegt wird.

Der Wagen schießt aus der Röhre, von oben trifft ihn grelles Sonnenlicht, von unten ein mächtiger Wasserschwall. Der schwappt hoch, bis über die Motorhaube. Ein bräunlicher Feuchtbelag setzt sich auf die Windschutzscheibe und macht für kurze Zeit ein Hindurchsehen unmöglich. Doch dann verrichten die Scheibenwischer brav ihre Arbeit und schieben die Mischung aus Erde und Wasser zur Seite. Der Tag ist wieder da, und wir sind es auch.

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