20.06.2011 · Der Porsche Panamera S fährt in Frankfurt VIPs zu ihren Privatjets. Am Flughafen steht eine kleine und feine Flotte von Limousinen zur Verfügung, in denen man über die Betonbahnen chauffiert wird - allerdings nur mit Tempo 30.
Von Rüdiger AbeleHeute mal ein König sein. Zumindest fast. Den Weg zum Flugzeug nicht per pedes zurücklegend, dabei kilometerweit durchs Terminal marschierend und dann doch nur im Wartebereich endend und dort Zeit totschlagend. Nein, heute werden wir, König unserer eigenen Gnaden, direkt an das Flugzeug gebracht, sogar an einen Privatjet. Höchstpersönlich, auf kürzestem Weg direkt an den Einstieg, pünktlich und genau passend zum Abflug - in der Summe eine Annehmlichkeit pur. Für diese Dienstleistung des VIP-Service am Flughafen Frankfurt steht eine kleine und feine Flotte von Limousinen zur Verfügung, in denen man über die Betonbahnen des Flugfelds chauffiert wird.
Der Fußweg aus dem VIP-Terminal ist kurz. Kleine Flaggenparade rechts und links der Glastür, der heimliche König grüßt sie nur aus dem Augenwinkel, dann ein wenig roter Teppich, über den zu schreiten er beliebt. Eine freundliche Dame im gedeckten Hosenanzug öffnet die Tür hinten rechts des weißen Porsche Panamera S mit der Vorfeldnummer KLH 1322, der in diesem Fall dem royalen Dienst zugedacht ist.
Hineingleiten und Fühlung aufnehmen mit dem Lederfauteuil. Angenehmes Auto, denkt das selbstgekrönte Haupt. Währenddessen hat die VIP-Betreuerin, Begleitung für den gesamten Aufenthalt, vorn links Platz genommen und den Motor gestartet. Nur sanft ist die Maschine zu hören, doch das Markensignet am Lenkrad transportiert die Botschaften von Sportlichkeit und Kraft. Ob man das Fahrzeug denn hier auf dem Gelände ausfahren könne? Die Betreuerin verneint, und es schwingt Bedauern in ihrer Stimme. Auf dem Flughafengelände gelte Tempo 30, streng werde das Einhalten überwacht, über versteckte Messschleifen im Asphalt. Wer zu schnell fahre, werde wie draußen im öffentlichen Land zur Rechenschaft gezogen, mit Folgen mindestens fürs Portemonnaie, in schlimmeren Fällen auch für den Führerscheinbesitz. Der König zieht eine Augenbraue hoch. So viel Auto und so wenig km/h - eine traurige Korrelation. Er teilt aufrichtig das Bedauern der Fahrerin.
Der Zeitplan ist entspannt
Die Frau kennt den Weg zum Jet, der Standort wurde ihr zuvor von der Flughafenkontrolle bestätigt. Einmal auf die andere Seite des Frankfurter Airports führt die Fahrt, zum GAT, dem General Aviation Terminal, das dem individuellen Flugverkehr mit meist kleineren Maschinen zugedacht ist. Die Fahrerin wählt den Weg rechts herum auf der Ringstraße. Ungefähr eine Viertelstunde wird man unterwegs sein, mit größeren Staus ist nicht zu rechnen, niemals. Der Zeitplan ist entspannt. Privatpilot und Privatcopilot haben einen Abflug-Slot in 25 Minuten zugeteilt bekommen, die Maschine ist schon vorbereitet, das Gepäck des Fluggastes in Empfang genommen und verstaut, die Hors d'oeuvres quittiert.
Dennoch, viel Verkehr knubbelt sich hier vor Terminal 1. Versorgungsfahrzeuge eilen zu ihren temporären Arbeitsstellen an einzelnen Flugzeugen, Kerosin zu liefern, Gepäck abzuholen, Speisen für 400 Passagiere anzuliefern. Volle Busse bringen Passagiere auf volksnähere Weise als im Porsche geübt herbei. „Follow me“-Fahrzeuge rollen zum nächsten Lotsenauftrag.
Tägliche Routine eines Großflughafens
Ganz zu schweigen vom Flugzeugverkehr an sich. Er hat am Boden absoluten Vorrang. Wenn ein Pusher, wie diese kompakten und kräftigen Schlepper heißen, sich einen Jumbojet gegriffen hat, um ihn aus der Parklücke am Terminal zu bugsieren, und die Megafuhre quer über die Fahrbahnmarkierung des Vorfelds rollt, hat der Autoverkehr dort zu warten.
So kommt der Panamera mehr als einmal zum Stehen, und ein kreuzendes Verkehrsflugzeug füllt die Windschutzscheibe überragend aus. Doch die Dame am Lenkrad ist eine Meisterin ihres Fachs. Sie führt das Auto durch dieses Gewimmel, Teil der täglichen Routine eines Großflughafens, mit sanftem Griff, ruckartige Bewegungen initiiert sie niemals am Lenkrad des Porsche, dessen Quer- und Längsdynamik, solchermaßen bewegt, kaum spürbar ist. Die Start-Stopp-Automatik der Sportlimousine unterstreicht bei jedem Stehenbleiben die Ruhe der Fahrt. Wäre sie nicht so kurzweilig - der König würde sich angenehmem Dösen hingeben.
Verabschiedender Blick auf den Porsche
Nach fünf Minuten gleitet der Panamera aus dem Getümmel heraus, schwingt sich auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h und fährt sich frei, zumindest im kleinen Verhältnis gesehen zum vorherigen Stop-and-Go-Verkehr. Rechts der Flughafenzaun, links die ganze Weite von Rollfeld, Start- und -Landebahnen, so rollt der edle Zubringer seinem Ziel zu. Eine Allee gibt dem Auge für wenige Meter grüne Erholung. Ein Tunnel wird durchfahren. Für monumentale Abwechslung sorgen die Hangars einer großen deutschen Fluggesellschaft, die hier ihre zentrale Wartung unterhält. Ein Airbus A380 steht davor, einen größeren Kunstvogel gibt es derzeit nicht, und doch wirkt das opulente Gerät ein klein wenig verloren in dieser grandiosen Szenerie.
Der Panamera hat schon fast zu seinem eigenen kleinen Landeanflug angesetzt. Eine elegante Kurve noch vor dem zweistrahligen Jet, dessen Treppe ausgeklappt ist. Dann kommt die Limousine zum Stehen. Der König ist die Ruhe selbst. Der Schlag wird ihm von der freundlichen VIP-Betreuerin geöffnet, er zupft das Beinkleid zurecht und steigt aus, wird noch bis an die Treppe begleitet, ein verabschiedender Blick auf den Porsche. Der Passagier würde die Stufen sanft hinauffedern, eintreten und sich für den Abflug niederlassen und anschnallen. Vielleicht wieder hinten rechts. Wenn - ja, wenn er König wäre.
VIP-Service: Kosten, Spielregeln, Autos
Der VIP-Service der Fraport AG in Frankfurt steht jedem Reisenden zur Verfügung, der bereit ist, dafür 298 Euro plus Mehrwertsteuer zu zahlen, 110 Euro für jede weitere Person. Er sorgt für einen effizienten Zubringerdienst, ob bei Abflug, Ankunft oder Umsteigen, ob bei Linien- oder Privatflug, und stellt zudem alle Annehmlichkeiten einer separaten Lounge zur Verfügung, die in Terminal 1 angesiedelt ist. Stets fährt der Shuttle direkt am Flugzeug vor und bringt den Gast außerhalb der üblichen Terminalwege zur nächsten Station. Das Gepäck reist ähnlich bevorzugt, aber in einem separaten Fahrzeug. Der VIP-Service erledigt zudem alle gesetzlich vorgeschriebenen Formalitäten.
Diverse Autohersteller stellen Shuttlefahrzeuge zur Verfügung: Neben dem Porsche Panamera sind VW Phaeton, BMW 7er, Audi A8, Jaguar XJ und auch Skoda Superb vertreten, stets fein ausgestattet. Die Marken versprechen sich einen Werbeeffekt. 25.000 Personen - auch aus dem HON-Circle der Lufthansa, die zusätzlich eine Flotte betreibt - nehmen jährlich diese Dienstleistung in Anspruch, von der Fraport sagt, sie kein Luxus, sondern Lebensqualität für die Kunden. Die eine Hälfte von ihnen sind Staatsoberhäupter, Außenminister und Monarchen, die andere Geschäftsleute, Sportler und Künstler. Aber auch Privatpersonen gönnen sich diesen Service.
Frevel, Frevel.
Wolfgang Wüst (nicht_hilfreich)
- 20.06.2011, 13:13 Uhr
@Wuest: Ja genau.
Nina Wunderlich (nihao75)
- 20.06.2011, 15:58 Uhr
Um das Auto geht es hier doch gar nicht!
Erwin Lindemann (elinde)
- 21.06.2011, 23:49 Uhr