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Audi S3 quattro Sportback Fast wie eine getunte S-Bahn

25.02.2009 ·  Der Audi S3 Sportback spielt die Rolle eines Sportlers im Flanellanzug. Motor und Allradantrieb sind Quellen der Freude. Die turbogestärkte Zweilitermaschine begeistert mit einer hohen Laufkultur und einem Drang zum Vorwärtsstürmen.

Von Michael Kirchberger
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Das gehört offenbar schon zum guten Ton bei vielen Automobilherstellern: ein starkes Wägelchen als Krönung einer Baureihe, das seinem Besitzer kaum weniger zur Ehre gereicht als seinen geistigen Vätern. Bei Audi bekommen die flinken Limousinen den Buchstaben „S“ statt eines „A“ vor die Baureihenbezeichnung gesetzt. Das mag für Stärke, Schnelligkeit oder Sport stehen, im Fall des Audi S3 steht es jedoch überraschend auch für Sanftmut.

Denn bei allem Biss erfreut die turbogestärkte Zweilitermaschine mit einer hohen Laufkultur und einem nachhaltigen Drang zum Vorwärtsstürmen. Vielleicht so, wie man sich eine getunte S-Bahn vorstellen könnte. Und in der Version Sportback mit einer nach hinten verlängerten Dachlinie für mehr Stauraum und Platzangebot kann der schnelle Audi all jene mit hoher Alltagstauglichkeit erfreuen, die bereit sind, für 195 kW (265 PS) und vier Türen samt Heckklappe 37.850 Euro auszugeben.

Ein Auftritt, der Eindruck schindet, aber kein Spektakel ist

Dafür gibt es den Zweiliter-High-Tech-Vierzylinder unter der Haube, den quattro-Allradantrieb und einen Auftritt, der Eindruck schindet, aber kein Spektakel ist. Ein Chromrahmen ziert den mächtigen Kühlergrill, große Lufteinlässe im ausladenden Frontspoiler sorgen für die Beatmung und Kühlung der Maschine, die Seitenschweller unter den Türen sind nicht zu mächtig gezeichnet. Das ist nicht zu dick aufgetragen, und selbst die dicken Endrohre der Auspuffanlage unter der mit Diffusoren ausgestattete Heckschürze machen aus dem S3 keinen Krawallbruder.

Hochwertige Autos zu bauen, beherrscht man in Ingolstadt schon seit einiger Zeit mit höchster Stilsicherheit. Das prägt den Innenraum. Feines Leder dort, wo es der Optik oder der schmeichelnden Berührung dient, gebürstetes Aluminium andernorts, wo es wirkungsvolle Kontrapunkte zum dunklen Interieur setzt. Die Instrumente vermitteln mit filigranen Skalen und Chromeinlagen Präzision, die Sitze versprechen besten Seitenhalt dank ausgeprägter Wangen an Fläche und Lehne. Allerdings ist das muntere Heraushüpfen beim Zeitungskauf an der Tankstelle keine leichte Übung. Ohne den haltsuchenden Griff zum mit weichem Leder bezogenen, unten abgeflachten Lenkrad gelingt der Ausstieg nur mit Mühe.

Die 100-km/h-Marke wird eiligst nach 5,7 Sekunden passiert

Ganz konventionell mit einem Dreh am Zündschlüssel startet der Motor. Danach aber bleibt manch herkömmliche Erwartung auf der Strecke. Sachte röhrend springt die Maschine an, kehlig und dunkel, ein vorderer Platz im Wettbewerb der Hirschrufer wäre dem S3 gewiss. Die sechs Gänge rasten mit feinster Präzision ein, der Knauf des kurzen Hebels liegt mit seiner Verkleidung aus Aluminium und Leder kühl in der Hand. Das Spiel mit Kupplung und Gaspedal ist kinderleicht, mit beeindruckender Beschleunigung und ohne Traktionsschwierigkeiten (quattro!) prescht der S3 voran, die 100-km/h-Marke wird eiligst nach 5,7 Sekunden passiert, kaum mehr als doppelt so lange dauert es bis 200 km/h.

Das Triebwerk summt und zischt, dreht sehr befreit bis über 6000 Umdrehungen in der Minute und zeigt in keiner Millisekunde des Beschleunigungsvorgangs eine Spur von Schwäche. Die Getriebeauslegung passt vortrefflich, die Anschlüsse der Übersetzungen sitzen perfekt.

Beinahe stoisch zieht der S3 seine Bahn

Abgeregelt wird der Vorwärtstrieb bei 250 km/h, die Winterreifen erlaubten uns ein Spitzentempo von gemäßigten 210 km/h, bei dem weder ungebührliche Windgeräusche noch ein Mangel an Linientreue auffielen. Beinahe stoisch zieht der S3 dann seine Bahn, nimmt Kurven ohne nennenswerte Neigungen der Karosserie, quittiert Unebenheiten jedoch mit kurzem, herzhaften Schütteln. Seine Karosserie hockt 2,5 Zentimeter dichter über der Straße als die des A3, die straffere Abstimmung von Federn und Dämpfern wird den hohen Fahrleistungen gerecht, nicht immer jedoch dem Komfortanspruch des reiferen Automobilisten. Die Lenkung begeistert mit herrlicher Genauigkeit, die dicken Bremsen in den 18 Zoll großen Leichtmetallrädern stoppen die schnelle Fahrt mühelos und bestens dosierbar.

Der starke Auftritt allein ist es jedoch nicht, was den Charme des S3 ausmacht. Das hohe Drehmoment des Vierzylinders von 320 Newtonmeter liegt bereits bei nur 2500/min an und steht bis 5000/min bereit. Das erinnert an die Leistungscharakteristik eines wohl abgestimmten Dieselmotors modernster Bauart und erlaubt, den S3 ganz gemächlich, aber dennoch schwungvoll entspannt durch die Landschaft gleiten zu lassen. In die Kurven schlüpft er wie die gepflegte Hand der Liebsten in einen sorgsam verarbeiteten Nappaleder-Handschuh, für mittleren Fahrspaß muss die Glut der aufgeladenen Zweiliter-Maschine nicht unbedingt entfacht werden.

Kein Alltagsauto, aber durchaus eines für alle Tage

So kann der Chauffeur selber sehr genau über den Treibstoffkonsum entscheiden. Die Messnorm liegt bei 8,5 Liter Super Plus für 100 Kilometer, aber wer den kleinen, schnellen Audi fordert, kommt damit nicht aus. Zehn bis elf Liter sind beim strammen Marsch einzukalkulieren. Aber es geht mühelos genügsamer. Gemäßigtes Tempo und verhaltenere Beschleunigung senken den Verbrauch auf beachtliche 7,2 Liter für 100 Kilometer, 55 Liter Tankinhalt sind angemessen.

Ungern haben wir uns vom S3 Sportback verabschiedet. Unaufgeregt hat er uns über weite Strecken erfreut, sicher und einfach zu bedienen und mit glutvoller Leidenschaft, wenn der Spieltrieb die Oberhand gewonnen hatte. Er ist kein Alltagsauto, aber durchaus eines für alle Tage.

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