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Audi R8 Spyder Das offene Glück

16.03.2010 ·  Mancher Lockruf ist trügerisch. Südfrankreich im März: Der neue Audi R8 Spyder steht bereit. Eigentlich ein Frühlingsversprechen. Es nahte die „Oben-ohne“-Chance. Aber alles kommt ganz anders.

Von Eckhard Schimpf
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Denn diesmal krümmte der kalte Mistral die Palmen, das Meer warf schroffe, weiße Kämme, und der Regen trommelte am Flughafen Nizza derart auf den Parkplatz, dass die Nässe von oben in die Schuhe rann. Offen fahren? Nein, danke. Der Audi R8 muss nicht unbedingt als „Skulptur auf Rädern“ gelten, wie es die Werbetexter formulieren. Aber er ist einer im roten Bereich. Was das bedeutet? Ferrari-Nähe. Als 2007 in Las Vegas das R8-Coupé präsentiert wurde, stoppte uns in den ockergelben Muddy Mountains ein Ranger, schob den braunen Hut aus der Stirn und brummte: „Whooow. Ferrari.“ Der Mann lag falsch, aber nicht völlig daneben. Der R8, zumal in Rot, könnte tatsächlich ein Ferrari sein. So kraftvoll sind seine Proportionen, so italienisch die Silhouette, so rassig das Heck und das Brabbeln aus den vier Auspuffrohren. All das gilt auch für die Frischluft-Variante dieses Audi-Supersportwagens, den R8 Spyder.

Das Kürzel R8 krönt ein beachtliches Stück Motorsportgeschichte. In den Jahren 2000 bis 2005 gewannen Audis R8-Heuler mit den V8-Benzindirekteinspritzern im Heck 63 Rennen, darunter fünfmal die 24 Stunden von Le Mans. Diese Dominanz erinnert an Porsches legendäre Siegertypen wie 908, 917, 935, 936, 956. Audis silbergraue „Achter“ verschwanden zwar 2005 von der Rennbühne, und anschließend bescherte der R10 TDI der Marke mit den vier Ringen am Bug den ersten Sieg eines Diesels in Le Mans. Doch die Karriere des R8 ging weiter. Der Rennprototyp wandelte sich zuerst ein straßentaugliches Coupé, dann in das GT-Renngerät R8 LMS für den Privatfahrersport, und nun rollt der R8 als Spyder zu den Kunden.

Audi glückte, jeder weiß es, seit 1980 einen grandioser Imagewandel. Aber von einem Mythos, wie ihn der Name Ferrari verströmt, sind Audi-Sportwagen noch ein Stück entfernt. Allerdings: Die Fahrfreude in einem Ferrari 430-Spider (die Italiener schreiben dies Wort mit i) ist keinesfalls geringer als in einem R8-Spyder. Für Menschen mit Benzin im Blut sind derartige Vergleiche mit Porsche, Ferrari, Maserati heiße, unerschöpfliche Themen. Zumal, wenn Regenstürme die R8-Testtour eher zur Espresso-Pause als zum Fahren animieren.

„Oben-ohne“-Chance für den R8-Spyder

Doch am nächsten Morgen war der Himmel über der „Côte“ blau gefegt. Vom Cap d’Antibes aus sah man in nordöstlicher Richtung die schneebepackten Gipfel der Seealpen glitzern, und Nizza lag in sonniger Schönheit ausgestreckt wie eine schlafende Frau. So nahte doch noch die „Oben-ohne“-Chance für den R8-Spyder. In knapp 20 Sekunden lässt sich das Softtop aus Stoff per Knopfdruck öffnen (und schließen). Ab ging’s. Vorbei an den Spaziergängern auf der Promenade des Anglais, vorüber an Skatern, buntbedressten Radlern und in Pelzmäntel gehüllten Damen, die ihre Pudel an der Leine führten. Der Duft von Meer, von Blüten und feuchter Erde waberte in das von Leder, Alu, Kohlefaser geprägte Cockpit. Und wenn der Gasfuß den V10 zu vehementem Schub zwang, dann brach sich ein dumpf-heiserer Auspuffsound an Mauern und Tunnelwänden. Spyder-Fahren, so ließ sich später bei einem Glas Bellet sinnieren, kann Glücksgefühle freisetzen.

Muss man sich für Fahrspaß im heraufdämmernden Zeitalter lautloser Elektrowagen schämen? Nein. Es wird auch künftig Menschen geben, die sich für ein High-Tech-Juwel wie den Audi R8 Spyder begeistern. Bei einer komplizierten Armbanduhr von Lange oder Patek Philippe ist es ähnlich. Man braucht sie eigentlich nicht, aber es macht Spaß, sie zu besitzen. Der R8 Spyder, dieses starke Stück aus Aluminium und Kohlefaser, bietet alle Zutaten, die in der Champions League der Sportwagen zählen: Eine Walter-de-Silva-Karosserie, nach der man sich umsieht, einen V10-Mittelmotor mit 525 PS/386 kW, sechs Gänge (manuell oder automatisch), Allradantrieb und ausreichend Power (0-100 in vier Sekunden und Spitze 313 km/h). Nur eine bittere Reiseerkenntnis blieb: Mehr als ein Trolli und ein Prada-Täschchen sind im Bug nicht unterzubringen. Denn der Platz hinter den beiden Sitzen, wo im R8-Coupé noch zwei Golftaschen Platz finden, gehört dem aufwendigen Verdeckmechanismus. Der Preis? 156.400 Euro. So bleibt nur noch die Frage: Mini-Appartement auf Sylt oder R8 Spyder?

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