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Audi A6 Avant quattro Muskeltier unter den Musketieren

 ·  Das Leben ist zu kurz, um es mit mittelmäßigen Autos zu verbringen. Deshalb muss es der Hightech-Diesel mit Topausstattung im Audi A6 Avant mit Allradantrieb sein.

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© Hersteller Vergrößern Man gönnt sich ja sonst nichts: Audi A6 Avant quattro mit allem

Der flüchtige Blick auf die Preisliste des A6 Avant lässt noch nicht den finanziellen Ruin befürchten. Die bescheidenen 38 850 Euro für die Einstiegsvariante 2.0 TFSI (Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum, Frontantrieb, Sechsganggetriebe, 132 kW/180 PS) hat Omilein längst im Sparstrumpf. Aber dann verliert Omi die Contenance.

Denn für den Avant 3.0 TDI mit dem stärksten Dreiliter-V6 und quattro-Antrieb sowie etlichen Nettigkeiten aus der Extra-Liste müssten mehrere Großmütterchen schon länger stricken: Zum Grundpreis von 58750 Euro summierten sich bei dem von uns zu Prüfzwecken bewegten Testwagen die Aufpreise zu einem Endpreis von 95455 Euro: ein Audi-Kombi mit Dieselmotor für fast 100000 Euro. Das ist manchem sein Ganzes. Vielen aber noch zu wenig. Und genau diese Spanne von Basis zu Luxus ist der natürliche Lebensraum für die deutsche Autoindustrie: Selbst prima Kleinwagen finden in Zeiten wie diesen zu wenig Käufer, und wäre Audi vor drei, vier Jahren den Forderungen gewisser Politiker nach Spar-Minis gefolgt, dann gäbe es bald riesige Industriebrachen in Ingolstadt und Heilbronn und nicht nur dort. Zurück zum Nobel-Avant.

Vorne ist das Platzangebot fürstlich

Die Design-Philosophie einer sinnlichen Sachlichkeit passt zu keinem anderen Audi besser. Der Avant ist je nach Betrachtungswinkel mal Kombi, Coupé oder Limousine, immer aber Audi: ein gestreckter Körper hinter einem markanten, nicht mehr (nach kosmetischen Korrekturen) zu schweren Bug, ein technoider (aber innerhalb seiner Familie verwechselbarer) Kühlergrill und Hightech-Scheinwerfer, puristische Radhäuser eine ruhige Flankenansicht, und die scharfe Messerkante entlang der gesamten Seite führt mit einem chirurgischen Schnitt direkt zum Heck, das sehr schräg angelegt ist, deshalb der Forderung nach Stauvolumen trotzt, aber für Dynamik sorgt. 4,93 Meter Länge und nur 1,43 Meter in der Höhe lassen den Audi nicht klotzen, sondern kauern. Kein Wunder, dass es im Innenraum lediglich ein ausreichendes Platzangebot gibt. Vorn ist es zwar fürstlich, aber hinten sind nur zwei Figuren erwünscht, und die sollten diszipliniert sitzen, dann haben sie es gut. Lümmeln ist nicht erlaubt, die vom Design signalisierte Strenge im Avant-Auftritt gilt auch für die Disziplin, aufrechte Haltung mit demütig geneigtem Kopf ist für Sitzriesen hinten gefragt. Bei dreien ist einer zu viel, denn der Platz in der Mitte ist unangenehm hart und gewölbt gepolstert.

Auch das Volumen des mit der Akribie eines Handarbeitskästchens von Oma ausgekleideten Gepäckraums ist mit 565 Liter eher knapp (Mercedes E-Klasse fast 700 Liter) bemessen. Dass es bei geklappter Rücksitzbank dann fast 1700 Liter Stauraum gibt, ist nur dann ein Trost, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder vom Storch noch nicht geliefert wurden. Zwar sind die Raumofferten für Passagiere und Gepäck im Avant eher enttäuschend, doch die Wohlfühl-Atmosphäre ist für Menschen, die gern in klarer Umgebung leben, kaum zu toppen. Verarbeitung und Materialwahl übertreffen in diesem Avant den Audi-Standard, das kann kein anderer Serien-Kombi besser, Interieur-Design wirkt hier als Visitenkarte für den Markencharakter.

Dampfmaschinenhaftes Drehmoment

Der von uns ausprobierte 3.0 TDI quattro war das Muskeltier unter Audis drei hubraumgleichen (2967 Kubikzentimeter) TDI-Musketieren, die V6 geben je nach Konfiguration 150, 180 oder 230 kW (313 PS) ab. Die stärkste Version bietet zudem das dampfmaschinenhafte Drehmoment von 650 Nm bei 1450/min, und da braucht es nicht viel Phantasie, um sich das Temperament dieses noblen Zweitonners vorzustellen. Die ebenso komfortabel wie sportlich-schnell agierende Achtgangautomatik zögert überhaupt nicht, im Bummeltempo von 130 km/h auf Gaspedalbefehl oder Tastendruck um zwei oder auch drei Stufen zurückzuschalten. Dann ändert die Maschine lediglich um Nuancen die Tonlage und wird um den Hauch eines milden Windes im Frühling präsenter. Ohne deshalb ihre dezente Position der Andersartigkeit unter den modernen Verbrennern zu verlassen: Die Audi-Triebwerkmänner haben einen Diesel konstruiert, der sich bei der Entwicklung von Leistung und Lärm von den Prinzipien der einstigen „Schüttelhuber“ (Felix Wankel) entfernt hat. Fast ohne Vibrationen, kaum zu hören und mit unerhörter Gleichmäßigkeit wird die Kraft auf die Räder gegeben. Schub, Druck und Traktion sind wie selbstverständlich vorhanden, es scheint, als seien sie auch nicht abhängig von der Tourenzahl des Motors.

Der Diesel klingt fast wie ein V8-Benziner, nur weniger polternd und doch nie einschläfernd, bei scharfem Beschleunigen mit dem Klang der Kesselpauke unter den Händen eines wirren Künstlers: Ergebnisse des Audi-Sound-Engineering, zum Teil elektronisch manipuliert, aber jederzeit ohne Künstlichkeit. Der Nachteil dieser großen Oper der dunklen Töne zeigt sich an der Tankstelle: Zwischen 8,6 und 9,4 Liter Diesel für 100 Kilometer wurden konsumiert, im Durchschnitt kamen wir auf 9,1 Liter. Auf einem Teilabschnitt signalisierte der Bordrechner 7,1 Liter, das war eine Probe auf die Charakterfestigkeit des Fahrers. Sonst erlag er häufig der Versuchung und rief die unter seinem Gasfuß schlummernden Kräfte auf: Aus dem Stand kam der A6 Avant 3.0 TDI in 5,4 Sekunden auf 100 km/h, und ungeachtet der Winterreifen bewegte sich die Tachonadel zügig für kurze Zeit bis knapp 260 km/h. Wobei selbst dieses Tempo vom Fahrwerk ebenso sicher akzeptiert wird wie das Durcheilen kritisch geschnittener Landstraßen und verspielt angelegter Gebirgspässe. Natürlich langsamer, denn Sicherheit hat immer Vorfahrt. Und die Oma hat es gern etwas gemütlicher. Wenn sie schon ihren Sparstrumpf geöffnet hat.

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