30.05.2010 · Wem ein VW Golf nicht vornehm genug ist, der kaufe sich einen Audi A3. Hier gibt es die Golf-Technik etwas schicker verpackt. Allerdings darf man keinen Sportwagen erwarten. Der A3 1.6 TDI Attraction im Fahrtbericht.
Von Boris SchmidtNahezu alle Autohersteller haben sich inzwischen dem sparsamen Umgang mit Kraftstoff verschrieben. Audis Sparer Nummer 1 ist zurzeit der A3 1.6 TDI, der mit einem CO2-Wert von nur 99 g/km aufwartet. Dabei setzen die Ingolstädter auf die gleiche Technik wie im Bluemotion-Golf, also auf aerodynamische und technische Kniffe wie Dachspoiler, reduzierte Luftdurchströmung des Motorraums, Tieferlegung, lang übersetzte Gänge, Start-Stopp-Automatik, Energierückgewinnung, Reifen mit geringem Rollwiderstand sowie auf den optimierten 1,6-Liter-Turbodiesel mit 77 kW (105 PS). Das reicht für einen Normverbrauch von nur 3,8 Liter, was wiederum den plakativen 99 Gramm entspricht.
Aber wieder einmal bestätigte sich nach zwei Wochen mit dem Audi und mehr als 2400 Kilometern, dass die Normwerte nur zum Vergleichen untereinander taugen, mit der täglichen Fahrpraxis haben sie nichts zu tun. Immerhin kamen wir auf einer Sparfahrt (nicht schneller als 120 km/h auf der Autobahn) auf 4,3 Liter für 100 Kilometer.
Doch der Gesamtschnitt von 5,6 Liter ist sehr gut, schließlich ist der A3 kein Kleinwagen, sondern immerhin 4,24 Meter lang und knapp 1,4 Tonnen schwer. Forsch auf der Autobahn gefahren, lag der Verbrauch bei 6,4 Liter, und das ist immer noch ein guter Wert. Dass Audi auf einen sechsten Gang verzichtet, ist mehr als schade. Bei Tacho 140 liegen im fünften Gang 2400 Umdrehungen in der Minute an. Eine sechste Stufe könnte diesen Wert und damit den Verbrauch nochmals reduzieren.
Allerdings darf man keinen Sportwagen erwarten. Der A3 kann gut im Verkehr mitschwimmen, und er schwingt sich maximal zu 194 km/h auf. Vom Temperament her ist der Motor allenfalls Mittelklasse.
Im vierten Gang geschieht das wesentlich flotter
Dank des maximalen Drehmoments von 250 Newtonmeter bei 1500/min lässt sich der Audi einigermaßen schaltfaul bewegen, der fünfte Gang taugt jedoch kaum noch zum Beschleunigen. 27,2 Sekunden vergehen, bis von 50 km/h aus 100 km/h erreicht sind. Im vierten Gang geschieht das wesentlich flotter: in 14,3 Sekunden. Aufpassen muss man beim Anfahren, weil der Motor in dieser Hinsicht eine kleine Schwäche hat. Es gilt, ordentlich Gas zu geben. Das Start-Stopp-System funktioniert klaglos. Sobald man vor der Ampel den Gang herausnimmt und die Kupplung kommen lässt, stoppt die Maschine. Bis man den Gang wieder eingelegt hat, läuft sie auch schon wieder. Bei den modernen Motoren lohnt sich das Abstellen schon nach drei Sekunden. Soll der Motor nicht ausgehen, bleibt der Fuß auf der Kupplung, oder man schaltet das System ganz ab.
So weit, so gut. Der Audi A3 ist immer noch ein guter Kauf, obwohl die zweite Generation schon im achten Modelljahr ist. Fahrerisch lässt er nichts anbrennen, sicher umrundet er Kurven, die Bremsen packen ordentlich zu, ESP, ABS und etliche Airbags gehören wie die Klimaanlage zur Serienausstattung. Auch mit dem Federungskomfort kann man zufrieden sein. Aber Armaturenbrettgestaltung wie das gesamte Interieur wirken schon etwas ältlich, funktional ist jedoch nichts daran auszusetzen. Gleiches gilt für das Karosserie-Design, doch der neue A3 steht ja schon in den Startlöchern (angekündigt für 2011).
Das Platzangebot ist gut, selbst hinter einem großgewachsenen Fahrer kommt man noch relativ kommod unter. Für drei wird es auf der Sitzbank freilich eng. Als Zweitürer kann der A3 nur einen beschwerlichen Einstieg in den Fond bieten, außerdem fühlt man sich dort etwas eingesperrt, zumal da die hinteren Seitenfenster starr sind. Wer einen A3 mit vier Türen will, muss zum Sportback greifen, der 900 Euro mehr kostet und dessen Heck anders gestaltet ist. Der Kofferraum des Zweitürers hat mit 350 Liter Fassungsvermögen Kompaktklasseformat. Die Rückbanklehne kann asymmetrisch geteilt umgeklappt werden. Es entsteht aber keine ebene Ladefläche.
Der Öko-A3 ist stets ein „Attraction“
Der 99-Gramm-Diesel ist auch als Viertürer zu bekommen (er emittiert dann aber offiziell 102 g/km), mit zwei Türen stehen für diesen A3 23 750 Euro in der Preisliste. Die höherwertigen Ausstattungslinien Ambition und Ambiente sind leider nicht zu haben, der Öko-A3 ist stets ein „Attraction“, und bestimmte Sonderausstattungen wie Ledersitze, Schiebedach, Standheizung, Sportfahrwerk, Anhängerkupplung oder größere Räder können nicht geordert werden.
Das ist zum Teil verständlich, weil sonst die 99 Gramm gefährdet wären. Und offenbar glaubt man, dass Sparwütige ohnehin nicht gern auf Leder sitzen. Wie dem auch sei, schon wegen des geringen Kraftstoffbedarfs ist dieser A3 ein bemerkenswertes Auto.
Klimaanlage NICHT serienmäßig
Thomas Müller (TMdriver)
- 30.05.2010, 16:54 Uhr
seltsam ...
Martin Hofmann-Apitius (Hofmann-Apitius)
- 30.05.2010, 18:09 Uhr
Wieso klappt die Spartechnik nicht mit Benzinern?
Kevin Bond (00Kevin)
- 30.05.2010, 19:43 Uhr
@Kevin Bond: Warum Diesel generell sparsamer sind
Claude Francon (findesiecle)
- 30.05.2010, 23:02 Uhr
Das geht in die richtige Richtung
Jay Leuthold (JJLeuthold)
- 31.05.2010, 03:28 Uhr