15.08.2006 · Wo ist denn da vorne? Diese Frage stellt sich unweigerlich jedem Betrachter, wenn er den Zündapp Janus 250 das erste Mal sieht. Der Name ist Programm: Wie der römische Gott der zwei Gesichter hat der Janus eine symmetrische Erscheinung.
Von Gerd Gregor FethWo ist denn da vorne? Diese Frage muß bei dem symmetrisch konstruierten Zündapp Janus 250 aufkommen. Denn erst der zweite Blick fällt auf das Lenkrad. Zumindest äußerlich macht er der römischen Gottheit der zwei Gesichter alle Ehre. Dieser Janus dürfte wohl auch das einzige Fahrzeug sein, dessen Karosserie wirklich um den Motor herum gebaut ist. Denn der Einzylinder knattert zweitaktig genau in der Mitte, so daß man mit Fug und Recht behaupten kann, der Janus sei ein wirklicher Mittelmotorwagen. Nur zum Sportwagen, wie dieses Bauprinzip eigentlich suggeriert, taugte er nicht einmal bei seiner Vorstellung 1956: Gerade mal 14 PS bei 5000/min leistet sein Motörchen mit dem bescheidenen Hubraum von 242 Kubik.
Daß der noch recht rüstige beige Janus aus dem Baujahr 1957, den uns die sehenswerte Fränkische Kleinwagensammlung Bittner aus Stopfenheim bei Weißenburg zu einer Ausfahrt zur Verfügung gestellt hat, sich innerorts ganz souverän bewegt, mag an der federleichten Karosse mit 425 Kilogramm Gewicht liegen, aber auf der Bundesstraße wird er zum Verkehrhindernis. Um überhaupt einigermaßen vorwärts zu kommen, müssen die vier bereits synchronisierten Gänge voll ausgedreht werden, die nicht etwa mit der rechten Hand, sondern links mittels eines kleinen Hebels sequentiell geschaltet werden (Ziehkeilschaltung). Daß er eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h erreicht, glauben wir einfach mal, denn bis gut 60 Kilometer pro Stunde - das haben wir ausprobiert - läßt er sich auf ebener Strecke durchaus beschleunigen. Als Verbrauch auf 100 Kilometer sind 5,5 Liter Gemisch angegeben. Der Schwerpunkt liegt genau im Zentrum, so daß das Fahrwerk trotz Pendelachse auch schärfere Kurven ohne die gefürchtete Seitenneigung gestattet. Selbst beim Bremsen nickt der Wagen nur wenig nach vorne.
Zwei ungewöhnliche Klapptüren
Es grenzt trotzdem an ein kleines Wunder, daß der Fahrer in seinem winzigen Wägelchen sogar noch drei ausgewachsene Beifahrer mitnehmen kann. Die aber, wenn sie das Fahrzeug nicht kennen, unweigerlich danach fragen, wo sie nun einsteigen sollen. Denn seitlich ist keine Türe angeschlagen. Der Janus hat dafür zwei ungewöhnliche Klapptüren vorne und hinten, die, weil schräg eingebaut, einen recht bequem einsteigen lassen. Vier Personen - zwei vorne, zwei hinten - sitzen nicht wie üblich in Fahrtrichtung hintereinander, sondern Rücken an Rücken über dem Motor.
Auch wenn diese ungewohnte Sitzposition entgegen der Fahrtrichtung die Kommunikation zweier Paare nicht gerade fördert, könnte sie mancher als eine Art der Gleichberechtigung von erster und zweiter Reihe empfinden. Die hinteren müssen nicht ständig auf stiernackige Vorderleute blicken, denn alle genießen einen recht guten Ausblick: zwei nach vorne, zwei nach hinten. Was hinten fehlt, ist leider ein Rückspiegel, damit die Hinterbänkler auch mal nach vorne blicken können.
Ersatz für Hotelbett
Aber sonst ist an vieles gedacht. Denn wer im Janus 250 allein fährt, kann spielend noch einen sperrigen Kühlschrank waagrecht transportieren. Zu zweit kann das hintere Abteil als geräumiger Gepäckraum dienen. Weil sich die beiden roten Sitzbänke im Handumdrehen in eine Doppelliege verwandeln lassen, kann der nur 2,89 Meter lange Winzling schon mal das Hotelbett ersetzen. „Der Janusfahrer lacht, sein Bett ist schon gemacht", dichteten die Werbetexter in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts bestimmt nicht ohne Hintersinn. Und selbst in warmen Sommernächten dürften vier Ausstellfenster für einen milden Zug von Frischluft sorgen. Selbst eine Heizung gab's in den fünfziger Jahren - aber nur gegen ein Aufgeld von 40 Mark zum Anschaffungspreis von 3332 Mark. Die Heizung konnte nur ungenügend reguliert werden.
Trotz seiner intelligenten Konstruktion war dem Janus kein langes Leben beschieden. Er war einfach zu janusköpfig - weder Motorrad noch richtiges Automobil. Zündapp baute ihn nur zwei Jahre - 1957 und 1958 - in 6900 Exemplaren. Fast die doppelte Anzahl hätte man in Nürnberg in einem einzigen Jahr produzieren können. Allein, es fehlten die Käufer. Die Konkurrenz unter den deutschen Kleinstwagen war groß: BMW Isetta, Goggomobil, Gutbrod Superior, Heinkel Kabine, Fuldamobil, Kleinschnittger F125, Messerschmitt Kabinenroller, Victoria Spatz.
Zündapp wollte zwar wie in der BMW Doppel-Isetta einen stärkeren Motor mit vielleicht 600 Kubikzentimeter Hubraum einbauen, doch diese Fahrzeuge hätten die Besitzer des damals recht beliebten Führerscheins Klasse 4 (bis 250 Kubikzentimeter) nicht mehr fahren dürfen.