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Veröffentlicht: 11.04.2017, 15:47 Uhr

50 Jahre AMG Garagenwagen, 50 Jahre, gepflegt

Kraftkuren für Serienautos sind gefragt wie nie. Der Haustuner von Mercedes peilt zum Geburtstag einen Rekord an. Dabei hat AMG bescheiden begonnen. Damals, 1967.

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© Daimler AG Der neue GT C Roadster

Unternehmen entstehen nach reiflicher Überlegung und der Aufstellung eines penibel geprüften Business-Plans? Bitte sehr, hier ist mal wieder eine Gegenbeispiel. Am Anfang von AMG stand ein Ausstieg. Mercedes-Benz hatte sich 1955 nach dem fürchterlichen Unfall in Le Mans aus der Formel 1 zurückgezogen. Tourenwagen immerhin fuhr die Marke bis Mitte der sechziger Jahre noch. Doch dann wurde auch diese Rennserie aufgegeben, und Entwicklungsingenieur Hans Werner Aufrecht, zuständig für die Rennmotoren, sah sich um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Vom Motorsport wollte er nicht lassen, er kündigte und gründete kurz entschlossen im Juni 1967 zusammen mit seinem Kollegen Erhard Melcher sein eigenes Unternehmen. Beide waren noch keine 30 Jahre alt.

Frank Boris Schmidt Folgen:

Der Name für das „Ingenieurbüro – Konstruktion und Entwicklung von Rennmotoren“ mag auf den ersten Blick einfallslos sein, heute ist er unbezahlbar und sogar geschützt: AMG. A für Aufrecht, M für Melcher und G für Großaspach, dem ersten Firmensitz und Wohn- sowie Geburtsort von Aufrecht. Reiner Motorsport ist der Unternehmenszweck, und der Durchbruch gelingt AMG schon 1971 mit einem Klassensieg bei dem 24-Stunden-Rennen in Spa. Aus einem verunfallten Mercedes-Benz 300 SEL 6.3, einer schweren Limousine, hatten sie einen Rennwagen gebaut, dessen Motor Melcher mit leichteren Kolben, größeren Einlassventilen, geänderten Kipphebeln und schärferen Nockenwellen zu Höchstleistungen treibt. Außerdem wird der Hubraum von schon üppigen 6,3 auf 6,8 Liter erhöht. Mehr als 400 PS sind geboten, und der 1,6 Tonnen schwere Wagen fährt den 700 Kilogramm leichteren Rennwagen locker davon.

45814028 Die Plakette ... © Daimler AG Bilderstrecke 

AMG wird über Nacht bekannt, doch dass sie allein vom Motorsport nicht leben können, wird den Firmengründern schnell klar. Leistungsgesteigerte Versionen von Mercedes-Benz-Serienfahrzeugen werden angeboten und vom Markt gut angenommen, die Motorsport-Aktivitäten ruhen zunächst. 1976 erfolgt ein Umzug von Burgstall, wohin die junge Firma aus der Aufrechtschen Garage gezogen wag, nach Affalterbach, dem heutigen Firmensitz. Dem Großraum Stuttgart ist das Unternehmen seit jeher treu.

Dass die Leistungssteigerung auch zu sehen sein muss, wird Aufrecht und Melcher erst nach und nach klar. Mit schwarz beschichteten oder lackierten Zierteilen fängt es an. Heute macht das „optische Tuning“ einen großen Teil des Umsatzes aus, AMG-Styling-Kits sind gefragt. 1982 erfolgt die Rückkehr in den Motorsport, 1988 unterstützt dann Mercedes-Benz die kleine Firma AMG zum ersten Mal offiziell, zu einer Kooperation kommt es 1990. Der Mercedes-Benz C 36 AMG drei Jahre später ist das erste Fahrzeug aus dieser Zusammenarbeit. Mehr als 5000 Einheiten werden verkauft. 1999 übernimmt Daimler-Chrysler – wir erinnern uns an die „Hochzeit im Himmel“ – 51 Prozent der AMG-Anteile, die Daimler AG erwirbt 2005 schließlich AMG vollständig. Ein Zukauf, der sich gewiss gelohnt hat, für Daimler und die Herren Aufrecht und Melcher, die heute beide Ende 70 sind.

1500 Mitarbeiter stehen in Lohn und Brot

Im Jahre 2017 ist AMG längst ein wesentlicher Bestandteil der Mercedes-DNA. Von fast jedem Modell gibt es eine AMG-Version, dazu kommen die eigenständigen GT-Modelle, für die es kein Vorbild im Mercedes-Portfolio gibt. Die drei Buchstaben stehen heute für eine ziemlich eigenständige Tochter. In Affalterbach sitzen Geschäftsführung, Verwaltung, Vertrieb, Entwicklung, Design und die Motorenproduktion. 1500 Mitarbeiter stehen in Lohn und Brot. Der oberste AMG-Mitarbeiter, zurzeit ist das Tobias Moers, hat schon deswegen eine besondere Position, weil schon die Daimler-Vorstände Wolfgang Bernhard, Hubertus Troska und Ola Källenius AMG-Chefs waren.

Mal sehen, wie weit es Moers noch bringt. Weniger bekannt ist, dass AMG-Motoren auch in Kölleda (Vierzylinder) und in Mannheim (V12) gebaut werden. Alle AMG-Fahrzuege heißen seit geraumer Zeit offiziell Mercedes-AMG und nicht mehr Mercedes-Benz mit der Bezeichnung AMG als Suffix, also zum Beispiel Mercedes-AMG S 63 für die getunte S-Klasse.

Auf diese Besonderheit sind sie stolz in Affalterbach

Im Gegensatz zu früher bestückt AMG aber eben nicht nur die Oberklasse oder die Sportwagen aus Stuttgart mit seinen Motoren, selbst in der kleinen A-Klasse arbeitet ein echtes AMG-Triebwerk. Diese Vierzylinder-, Achtzylinder- und Zwölfzylinder-Motoren (45-er, 63-er und 65-er-Modelle) sowie jene für den lupenreinen Sportwagen AMG GT werden nach dem „Ein-Mann-ein-Motor-Prinzip“ gebaut. Auf diese Besonderheit sind sie stolz in Affalterbach, und es ist in der Tat eine Art Alleinstellungsmerkmal.

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