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Veröffentlicht: 29.05.2017, 15:16 Uhr

4er BMW Cabriolet Dem Himmel ziemlich nahe

Manchmal passt einfach alles zusammen. Ausfahrt mit dem neuen 4er BMW auf der Panoramastraße.

von Michael Kirchberger
© Kirchberger In den Alpen knallt die Sonne ins neue 4er Cabrio von BMW

Es gibt sie noch, die guten Tage. In einem April, der im Süden unseres Landes so verregnet war, wie der deutsche Beitrag beim europäischen Sängerwettstreit abgeschnitten hat, der sogar Frau Holle mit Penetranz immer wieder auf die Bühne bat, gab es im Bayrischen einen Tag, an dem alles passte. Weiß-blau der Himmel, gleißend Watzmann und Kehlstein, schneebedeckt. Neben beide stellt sich farbenfroh wie ein versehentlicher Malerklecks im alpinen Panorama ein Cabriolet.

BMW hat den offenen 4er zurückhaltend überarbeitet und ihm obendrein unnötige überzogen-sportliche Allüren erspart. So haben sie den Lidstrich der Diva ein wenig nachgezogen, die Wangen etwas geliftet und den Augen mit LED-Scheinwerfern mehr Strahlkraft verliehen. Solch eine Dame will mit Respekt behandelt werden. Dabei soll das neue multifunktionale Instrumentendisplay helfen. Die Innenarchitekten des 4er Cabrios haben sich in Zurückhaltung geübt. Die Veränderungen sind gering. So findet, wer genau hinsieht, ein neugestaltetes Lenkrad, doppelte Nähte an den Lederverkleidungen und Sitzbezügen. Schwarzglänzende Intarsien schmücken die Schalttafel, und die neueste Generation der Navigation hält ebenfalls Einzug im 4er Cabrio.

Surrend lassen wir das Sonnenlicht in den Innenraum und warten, bis Blech und Glas sorgsam gefaltet im Gepäckraum abgelegt sind. Rund 20 Sekunden dauert das, die Kollegen mit den Stoffmützchen schaffen die Übung schneller. BMW verspricht für das feste Dach eine verbesserte Alltagstauglichkeit, mehr Schutz gegen Straßenraub und erhöhten Geräusch- und Klimakomfort. Dagegen spricht das geringe Kofferraumvolumen, wenn es oben ohne auf Fahrt geht. Das Transportvermögen von 370 Liter halbiert sich dann.

46692954 Der Eindruck, das Auto sei ein komfortabler langer Lulatsch, täuscht etwas. © Kirchberger Bilderstrecke 

Das 440i Cabrio gaukelt vier Liter Hubraum vor, hat aber nur drei. Dafür reihen sich unter der Haube sechs Zylinder in einer Linie aneinander, Turboaufladung entlockt ihnen 326 PS und drückt 450 Newtonmeter Drehmoment ins Getriebe. Nicht ohne Gier springt die Maschine beim Druck auf den Startknopf an. Ein sanfter Ruck geht durch die Karosserie, wenn die Fahrstufe D gewählt wird, ein nicht minder gefühlvoller Druck auf das rechte Pedal im Fahrerfußraum setzt das 1845 Kilogramm schwere Cabrio in Bewegung.

Beschwingt ist der Erstkontakt, die Straße breit und oft gerade, genau die richtige Mischung, um sich anzunähern. Der Automat schaltet in Windeseile durch die Gangstufen, senkt die Drehzahl auf kaum mehr als 1000/min bei genüsslichem Tempo und lässt den offenen 4er unauffällig durch Ortschaften und Täler rollen. Der Wind wird gezähmt, ein opulentes Schott hinter den vorderen Sitzen hält die Verwirbelungen fern und macht das Cabrio zum Zweisitzer. Offen fahren zu viert ist vor allem für die Hintensitzenden kein Vergnügen, denn sie werden schon bei niedrigen Geschwindigkeiten vom Sturm erfasst. Das Platzangebot auf den Rücksitzen ist ohnehin eher dürftig, das mag für die Kurzstrecke reichen oder als Ablagefläche für das Handgepäck, ein echter Viersitzer ist der 4er nicht.

Die kleinsten Radien der Kehren messen zwölf Meter

Wir nähern uns dem Ziel der Ausfahrt. Die Rossfeld-Panoramastraße im südöstlichsten Zipfel Deutschlands ist für Automobilisten und Touristen eine 15 Kilometer lange Flanierstrecke, wo man sich zeigen und von optischen Eindrücken überfluten lassen kann. Mit bis zu 13 Prozent Steigung führt sie von 850 auf fast 1600 Meter. Über 14 Brücken windet sie sich auf den Berg hinauf, die kleinsten Radien der Kehren messen zwölf Meter. Klar, dass hier so manch ein Automobil- oder Motorradrennen ausgetragen wurde, entstanden ist sie jedoch aus einer Idee des Sanitätsrates Knorz, der 1927 zum ersten Mal seine Ideen zur Errichtung einer Alpenstraße formulierte, die mit einem geschlossenen Straßenzug zwischen Bodensee und Königssee den Tourismus fördern sollte. Heute kostet ihre Befahrung eine kleine Maut.

Kurz vor dem Abzweig haben wir die Fahrerlebnistaste auf Sport gestellt, jetzt hält die Elektronik die Maschine auf Drehzahl und die Automatik die Fahrstufen länger. Die Lenkung wird direkter und das Wummern aus dem Auspuff mächtiger. Gerade jetzt, weit jenseits von Osterferien und anderen Feiertagen, verspricht die Fahrt über die gewundene Fahrbahn großes Vergnügen. Das Cabrio wird zum Gipfelstürmer. Mächtig schiebt der Reihensechser an, der Wagen scheint um seinen Chauffeur herumgebaut zu sein, und fast ahnt er dessen Intentionen, kommt ihm hilfreich entgegen, verzeiht Unzulänglichkeiten bis weit in den Grenzbereich hinein. Ein Freudenjodler wäre der Situation angemessen.

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Dabei denken wir an Mutters stolzen BMW 1502, einen der Urahnen des 4er. Der Wagen hatte ein festes Dach und vermittelte trotzdem die große Freiheit. 85 PS waren in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Wort. Wir besinnen uns, die Fahrt bergab wird zur Tour des sanfteren Genusses. Wir überlassen dem Motor die Verzögerung, genehmigen den Bremsen eine Abkühlung und erfreuen uns am Schnee, der die Straße säumt. Und an den intensiven Sonnenstrahlen, die weit angenehmer als das Warmluftgebläse der Tour einen sommerlichen Charakter gegeben haben.

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