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Veröffentlicht: 12.08.2014, 18:59 Uhr

25hours Hotel Bikini Mehr als Design im Dickicht der Stadt

Manche Hotels lassen das teure Bike nicht mit aufs Zimmer. In einem Berliner Hotel hängen überall Fahrräder – zur Zierde, aber auch zum richtigen Fahren.

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© Pardey Fahrrad toppt Auto: Das ist die klare Aussage der Installation im Foyer des 25hours Bikini in Berlin.

Ach, und ihr habt hier einen Fahrradladen?“ Mit diesem Satz, erzählt Michael Wünsch, seien am Eröffnungstag der „Concept Mall“ Bikini zahllose Besucher an der Rezeption des von ihm geleiteten Design-Hotels erschienen. Die Vermutung erscheint nicht völlig abwegig. Das Berliner 25hours an der Budapester Straße, genauso wie die Mall (und von ihr aus zugänglich) im Bikini-Komplex am Zoologischen Garten gelegen, thematisiert „Urban Jungle“. Und weil man im Dickicht der Städte, ganz besonders gut aber in Berlin, mit dem Fahrrad bestens vorankommt, sind in dem Hotel an vielen Stellen Fahrräder zu sehen – nicht nur als Dekoration.

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Das beginnt vor dem Eingang zu den kleineren Hochhäusern des 1957 durch Paul Schwebes und Hans Schoszberger fertiggestellten Ensembles „Zentrum am Zoo“. Der typisch Berliner Spitzname „Bikini-Haus“ für das 200 Meter lange Gebäude ist als „Bikini Berlin“ nun zum Namen der gesamten Erlebniswelt aus Shopping, Arbeiten, Kino, Erholung, Essen und eben auch Hotel in dem Areal gegenüber der Gedächtniskirche geworden. Vor dem Haupteingang des Hotels steht eine Flotte von Leihfahrrädern. Die stammen von Two Wheels Good in Hamburg und machen einen ordentlichen, aber keineswegs aufregenden Eindruck.

30549292 © 25hours Vergrößern Nüchtern urban: Ein Zimmer mit Schindelhauer Bike auf der City-Seite

Gegenteil von Uniformität

Ganz anders die drei Fahrräder im Foyer. Die hängen in luftiger Höhe über einem wie beschämt vor sich hin rostenden Mini Countryman. Meine Güte, war das Original winzig, wenn man es mit einem draußen geparkten Mini der Gegenwart vergleicht. Die drei Räder darüber sind ganz von heute, blitzblank, und wer sich auch nur ein bisschen auskennt, der sieht sofort, dass es sich um Schindelhauer Bikes handelt. Dazu kann man nur nicken: Fahrräder einer Marke, die viel Wert auf schickes Design legt, als Ziergegenstände in einem Design-Hotel, das passt doch. Das tut es auch tatsächlich, aber an der Geschichte ist doch noch etwas mehr dran.

Da wäre zunächst unbedingt Christoph Hoffmann zu erwähnen: Der Endvierziger gründete zusammen mit dem Hamburger Hotelier Kai Hollmann, mit dem Frankfurter Immobilienentwickler Ardi Goldman und dem Berater Stephan Gerhard 2005 die 25hours Hotel Company, um ein in Hamburg erfolgreich etabliertes Konzept andernorts umzusetzen. Wenn man dem Berliner Statthalter und Generalmanager Wünsch glauben darf, und warum sollte man das nicht, ist Hoffmann nicht nur geschäftsführender Vorstand der Company, sondern auch ein Fahrradfreak. Als solcher besitzt er ein Rad von Schindelhauer, das Wünsch sofort vorzeigen kann: „Das ist das Rad des CEO.“ Es steht, fest angeschlossen, in der Hotellobby im dritten Stock und sieht gut aus.

30549293 © 25hours Vergrößern Ride on the wild side: Zimmer mit Leihfahrrad auf der Zoo-Seite

Das Hotel-Konzept, das von Hamburg aus nach Frankfurt, Wien und Zürich und in diesem Frühjahr eben auch nach Berlin gelangte, ist das genaue Gegenteil von Uniformität. Jedes der Häuser, in Frankfurt hat Ardi Goldman zwei aufgezogen, hat seine eigene Thematik und unverwechselbare Erscheinung – in Berlin ebender Großstadtdschungel. Der Grund dafür ist nicht einfach bloß eine Idee des Gestalters Werner Aisslinger. Dessen Gestaltung antwortet hingegen auf die Lage des Hauses: Blickt man ganz oben im Restaurant auf der einen Seite des Hauses hinaus, dann hat man die Großstadt mit der Gedächtniskirche vor sich. Und auf der anderen Seite ist jede Menge Grün: Man blickt auf den Zoo mit Affen- und Elefantenhaus hinab.

Leihfahrrad im Übernachtungspreis eingeschlossen

Diesen reizvollen Gegensatz reflektiert die Gestaltung der 149 Zimmer des Hotels (je nach Größe 125 bis 180 Euro für die Nacht). Auf der einen Seite eher nüchterner Chic, nicht ungemütlich technoid, aber doch sachlicher als auf der Dschungelseite, wo wärmere Farben das Bild bestimmen und die Hängematte dazu einlädt, über dem grünen Meer der Bäume zu schaukeln. Wenn man sich nun für eins der 26 größeren Zimmer, für „large“ statt „medium“, entscheidet, dann findet man in seinem Zimmer ein Schindelhauer Bike an der Wand hängen, auf einem Mikili-Wandhalter, der seinerseits ein schönes Stück Design ist. Für die Dauer des Aufenthalts darf man mit dem Bike in Berlin mobil sein.

30549296 © Pardey Vergrößern Es ist nicht das, wonach es aussieht: Shop für Bike-Accessoires an der Rezeption

Jeder Gast bekommt im 25hours ein – im Übernachtungspreis eingeschlossenes – Leihfahrrad. Bei Wahl eines kleineren Zimmers ist es eins von den Two Wheels Good mit Körbchen am Lenker, die unten vor der Tür stehen. Im anderen Fall hat man auf Zeit ein besonderes Rad, eins mit Zahnriemen statt Kette, eins, das man Sportwagen nennen würde, wenn es ein Auto wäre, eins, das einen netten Wert darstellt. Kann denn so etwas gutgehen? „Don’t be gentle, it’s a rental“, diesen Spruch sieht man so manchen Leihfahrrädern für Touristen an: „Immer feste druff, das Ding ist ja nur geliehen.“

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Nun, Generalmanager Wünsch und sein Team haben erst seit einem halben Jahr Erfahrungen gesammelt und in dieser Zeit nur gute. Nicht mal einen einzigen Platten hat der Mitarbeiter zu melden, der sich auch um den Shop neben der Rezeption mit dem Sortiment feiner Fahrrad-Accessoires kümmert: Wer sagt denn, dass Fahrradgepäck immer ausgebeulte Kunststoffsäcke sein müssen? Andere Schäden? Fehlanzeige. Und die Räder kommen auch immer wieder brav zurück. Gewartet und geputzt werden die Räder von den Haustechnikern des Hotels, und für technische Fragen nach dem Riemenantrieb etwa steht der Rezeptionist zur Verfügung.

Also, Herr Schindelhauer, wie viele Räder haben Sie inzwischen verkauft dank der Präsenz im Hotel? Jörg Schindelhauers Antwort: „Das wüssten wir auch gern. Aber da wir nur über den Handel vertreiben, erfahren wir nicht, wie die Kunden auf die Idee gekommen sind, eins unserer Bikes haben zu wollen.“

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Von Hans-Heinrich Pardey

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