22.02.2012 · Das Auto meiner Freundin macht fast alles ganz von selbst. Spätestens wenn ich in Rente gehe, kommt dann der Autopilot. Einzig auf deutschen Autobahnen wird das Selbstfahren noch erlaubt sein.
Von Nadine BösDas Auto meiner Freundin macht fast alles ganz von selbst. Wenn es regnet, schaltet der Wagen die Scheibenwischer an, wenn es dunkel ist, das Licht. Und der Fernlichtassistent blendet bei entgegenkommenden Fahrzeugen selbsttätig ab. Wenn die Scheibe beschlagen ist, sagt man laut "Antibeschlag ein" - und die Scheibe wird frei, ein Lob der Spracherkennung. Es gibt einen Spurassistenten, eine Einparkhilfe und natürlich einen Tempomat, der nicht nur die Geschwindigkeit konstant hält, sondern auch den Vordermann erfasst und nötigenfalls automatisch abbremst. Fehlt eigentlich nur noch der Autopilot.
Spätestens wenn ich in 40 Jahren (oder in 50 - wer weiß das schon genau?) in Rente gehe, wird auch das eine Selbstverständlichkeit sein. Dann sagt man abends nach dem Kneipenbesuch einfach laut "ab nach Hause" und der Wagen fährt heim. Mehr noch. Das Selbstlenken und Selbstgasgeben wird auf der ganzen Welt strikt verboten sein. Viel zu gefährlich. Der Autopilot trinkt schließlich nicht, schläft nicht am Steuer und rast nicht. Staus werden der Geschichte angehören, ebenso wie Drängler oder Schleicher. Einzig auf deutschen Autobahnen wird das Selbstfahren noch erlaubt sein. Amerikanische Touristen werden bei uns zu Gast sein, um ihr Lenkrad endlich einmal in die Hand zu nehmen, das Gaspedal zu spüren, den Schalthebel umzulegen. Und ich werde darüber nachdenken, auszuwandern. Der Sicherheit wegen.